Emma Peel. Wer sonst!

 

PROLOG

Frühmorgens. 16.25 Uhr. Ich wachte auf vom Jaulen des Sturms und dem Klappern der Fensterläden und Dachschindeln. Schien mal wieder außerordentlich reizendes Wetter zu sein.

Ich rotierte noch mal auf die andere Seite, aber nur, um rasch feststellen zu müssen, daß es für heute mit meinem Schönheitsschlaf wohl vorbei war. Regen prasselte gegen das Fenster, und Windböen heulten ums Haus. Das konnte ja eine herzige Nacht werden.

"Info-Center aktivieren!"sagte ich.

Sofort meldete sich eine unglaublich sexy rauchige Damen- oder besser: Ihre Synchronstimme, die dem Eingeweihten sofort bekannt vorkommen mußte. Hatte ich selbst programmiert. Genitale Leistung! Schulterklopfen!

"Hallo. Hier ist dein interaktives persönliches Info-Center, angeschlossen an das Hamburger Taxenservice Informations System HTIS. Möchtest du vielleicht erst etwas sanfte Musik zum Aufstehen? Oder soll ich dir gleich das Neueste vom Tage berichten?"

"Spuck aus, was es Neues gibt, Mädelchen!" So nannte ich sie immer, obwohl ich genau wußte, daß sie nur eine computer-generierte Kunststimme war. Aber was für eine!

"Möchtest du erst die guten oder die schlechten Nachrichten?" hauchte sie.

"Die schlechten," murmelte ich, denn irgendwie irritierte sie mich immer noch ein nur unwesentliches Bißchen.

"Der für heute nachmittag angekündigte Orkan "Betty" wird voraussichtlich in Böen eine Windstärke von 14 erreichen. Fahr also vor allem auf Brücken und anderen Überführungen besonders vorsichtig!
Ab und zu muß auch mit Bäumen gerechnet werden, die dir aufs Dach fallen könnten.
Mit dem Sturm wird natürlich auch ein extrem starkes Hochwasser erwartet, das in den südlichen Bezirken Hamburgs für weiträumige Überschwemmungen sorgen wird. Das allerdings könnte auch schon wieder eine gute Nachricht sein, da dadurch die Kämpfe im weißrussisch-türkischen Bürgerkrieg in Süd-Wilhelmsburg und Harburg-Nord an Intensität verlieren werden.
Als Taxifahrer wirst du allerdings einige Probleme bekommen, in den angegebenen Stadtteilen deine Fahrziele erreichen zu können.
Wenn du mich nachher in deinem Wagen einschaltest, werde ich dir immer den neuesten Lagebericht auf deinen Bildschirm übertragen und auch die aktuellsten Umleitungsvorschläge beifügen.
Ich schlage vor, die obengenannten Stadtteile zu meiden. Solltest du trotzdem vorhaben, dort vorbeizusehen, empfehle ich den Gebrauch einer Splitterschutzweste und eines Keflar-Helms, da immer mit herumfliegenden Geschoßteilen und Querschlägern gerechnet werden muß. Der Taxenunternehmerverband gibt bekannt, daß die Tarife für Fahrten ins Kriegsgebiet heute bei dem 12,7fachen liegen.
Die neuen Preise an den Tankstellen im Moment betragen etwa 8,29 Euro pro Liter. Im Bezirk Rosengarten soll es allerdings eine Möglichkeit geben, noch für den legendären Preis von 7,09 zu tanken.

Dabei möchte ich dich daran erinnern, daß der Dieselpreis bei 0.15 Euro lag, als du deinen Führerschein machtest."
"Mädelchen, das ist schon so lange her, daß ich mich selbst nur noch dumpf und dunkel an dieses Ereignis zurückerinnern kann! Mehr dompf als donkel! Herrgott, was wäre der Welt erspart geblieben, wenn ich damals durchgefallen wäre! Aber, so ganz nebenbei, würde es mich ja wirklich mal interessieren, wie dieses staatliche Taxen-Informationssystem zu all solchem Datenmüll über mich gekommen ist? Oder stammt das aus meinen privaten Erinnerungen, die ich dir, im besten Vertrauen auf deine Verschwiegenheit, eingetrichtert habe?
Und:Was wissen die denn sonst noch über mich, wovon ich keinen blassen Dunst habe, und die möglicherweise nichts ahnen sollten?"

"Das ist ganz einfach zu erklären: Über jeden Bürger, also auch über dich, wurde vom zentralen Einwohnermeldeamt ein Persönlichkeitsprofil angelegt, das auf den Angaben öffentlicher .Ämter, Schulen, Universitäten, Arbeitgebern, Krankenkassen und einem Dossier, das der ehemalige Staatssicherheitsdienst der früheren DDR über dich angelegt hat, beruht. Ergänzt wurden diese Angaben durch Interviews mit Familienangehörigen, Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen. Da du, zum Ärger der Behörden, leider nur selten eine Kreditkarte benutzt, ist über dein Konsumverhalten nur wenig bekannt. Du solltest das wirklich ändern, denn denke immer daran, daß viele Menschen ein extrem gesteigertes Interesse daran haben, mehr über dich zu erfahren. Etwa die Leute von der Werbung. Du erhältst damit ja schließlich auch Arbeitsplätze.
Du bist zum Beispiel überzeugter Fleischesser, wobei ein kleiner Gemüserand ruhig dabei sein kann. Du liebst illegal aus Kuba importierte schwarze Zigarren und trinkst neben eiskalter Milch nur richtigen echten schottischen Single-Malt-Whisky, vorzugsweise Talisker von der Isle of Sky. Kannst du dir diesen gerade mal nicht leisten, was häufig vorkommt, ziehst du ein schönes herbes Pils allem anderen Flüssigen vor. Alle Arten von Bockbieren und Portern ist es aber ebenfalls gestattet, über deinen Knorpel zu laufen (Wie redet die eigentlich mit mir?).

Im Moment bist du ledig, hast zwei Ex-Frauen, die beide nicht besonders gut auf dich zu sprechen sind. Ihr Anteil an dem negativen Teil deines Profils ist recht erheblich. Zum Beispiel sollst du dir die Füße höchstens einmal pro Woche waschen und die Unterwäsche nur alle vierzehn Tage wechseln. Auch wenn ich nur ein Computer-Programm bin gestatte mir bitte die Frage: Stimmt das?"

"Alles üble Nachrede! Na ja, es soll schon den einen oder anderen Fahrgast gegeben haben, der mich höflichst um die Bereitstellung einer Gasmaske gebeten hat, aber wen stört denn so was? Kann ja wieder aussteigen."

"Vielleicht solltest du es aber doch einmal mit dem neuen JOOP-Deo versuchen, speziell entwickelt für den wasserscheuen gesetzteren Herrn."

"Mädelchen, langsam nimmst du dir aber ein bißchen zuviel heraus. Heute Nacht werde ich mal darüber nachdenken, wie ein simples Computerprogramm in der Lage ist, solche Bemerkungen zu machen."

"Du hast eine Tochter, die in den USA lebt und dort Chefrnaskenbildnerin bei Magic-LightIndustries ist und für die Masken des siebten bis neunten Teils der Star-Wars-Saga zuständig war. Die wiederum hat drei Kinder. Zwei Töchter und einen Sohn. Hat gerade vor kurzem ihren Trottel von Ehemann, wie du ihn zu nennen beliebst, in die Wüste von Arizona geschickt.
Frauengeschichten hast du selten, wenn man von der "Freundschaft" zu der kleinen schwarzen Striptease-Tänzerin Halima absieht, die in dem von deinem Freund Kai, genannt "der Cowboy", wiedereröffneten Salambo in der Großen Freiheit auftritt. Was du an der tollfindest, Meister, kann ich ganz und, gar nicht verstehen. Etwa ihre dicken Titten?"

Wo hatte diese 'Dame' bloß diese Frechheit her? Sollte ich ihr etwa mal in einem Anfall von geistiger Umnachtung ein Foto dieser Tante gezeigt haben?

"Aber weiter im Text! Derzeit Taxenunternehmer. Fünf Fahrzeuge. Acht Angestellte. Bei denen sonderbarerweise recht beliebt, obwohl viele Uberstunden bei dir normal sind. Spitzname insgeheim: Sklaventreiber.
Offen und mit Sympathie nennt man dich "Woody", weil alle der Meinung sind, du sähst aus wie der kleine Bruder von Woody Allen. Mit dem Gestell auf der Nase! Und ein Komiker seist du allemal auch."

"So, so! Ist ja interessant, wie man in meiner Firma so über mich redet. Ich glaube, die Belegschaft braucht vielleicht noch ein paar Überstunden mehr. Denn nur wer arbeitet, hat keine Zeit zu quatschen. Bei zuviel Freizeit kommt man nur auf dumme Gedanken! Außerdem bin ich der Meinung: Wer viel Schotter haben will, soll ein bißchen dafür tun! Aber kommen wir zurück zu meinem Persönlichkeitsprofil: Ist so etwas überhaupt legal? Wer hat eigentlich Zugriff auf diese Daten außer mir?"
"Natürlich alle Behörden und andere offizielle Einrichtungen. Dazu aber auch solche, die die technischen Voraussetzungen besitzen, in unser Computersystem einzudringen.
Falls es dich interessiert, haben bisher 38 Anfragen an dein Profil stattgefunden, davon 31erfolgreiche und sieben Versuche, die aber innerhalb des Systems abgeblockt wurde."

"Na, wie beruhigend. Aber darum muß ich mich später mal kümmern. Liegen denn Hinweise oder Adressen von den Anfragern vor?"

"Bei 28 ja, bei drei nein."

"Ist ja Klasse! Jetzt aber weiter mit den Nachrichten."

"Gut. Im Fall des weißrussisch-türkischen Bürgerkrieges meldete das Hauptquartier des türkischen War-Lords Kemal Üztürk, daß gegen 2.30 Uhr letzte Nacht die Rethe-Hubbrücke gesprengt wurde, die sich bis jetzt in weißrussischer Hand befand. Dabei sollen 14 Bewacher ums Leben gekommen sein. Das Koordinationszentrum der Weiß-Russen leugnete alles, behauptete aber seinerseits, daß es ein, in der Georg-Wilhelm-Straße befindliches, türkisches Munitions-Depot vernichtet habe. Man will 21 Kämpfer getötet und vier zur ,Befragung' mit hinter die Linien genommen haben.

Der europäische Aufklärungssatellit ARGOS 2 soll inzwischen die Zerstörung der Brücke bestätigt haben.
Das würde bedeuten, daß die Gebiete südlich der EIbe nur noch durch den Elbtunnel erreichbar sind. Sonst aber weiträumig über Geesthacht oder die neue Autobahnbrücke bei Glückstadt, denn die Elbbrücken auf der Veddel sollen unpassierbar gemacht worden sein.
Durch wen auch immer.
Auch die Sprengung des Depots scheint richtig zu sein, da in diese Be eich der Stadt eine riesige Rauchwolke sichtbar ist.

Auf Grund der vielen über die EIbe kommenden Flüchtlinge hat der Senat auf dem ehemaligen Campingplatz am Falkensteiner Ufer in Blankenese ein Auffanglager
eingerichtet. Auch Niedersachsen ist im Begriff, im Bereich der Schwarzen Berge westlich von Harburg eines zu organisieren. Wie nicht anders zu erwarten, haben die
Anwohner heftig protestiert und alles darangesetzt, die Einrichtung des Lagers zu verhindern. Der Senat wurde mit allen zur Verfugung stehenden Mitteln unter Druck gesetzt.
Aber in der darauffolgenden Abstimmung wurde die Blankeneser Fraktion mit nur einer Stimme geschlagen. Weiterhin wurde beschlossen, um ein Überschwappen des Konfliktes auf den zentral-städtischen Bereich zu verhindern, eine Bürgerwehr zu organisieren, zu der zunächst alle halbwegs gesunden Männer und Frauen zwischen 16 und 65, die ohne Beschäftigung sind oder keine wichtige soziale Funktion erfullen, einzuziehen sind. Vorgesehen ist eine einmonatige Grundausbildung an leichten Waffen und Überwachungsapparaten.
Diese Maßnahmen wurden als unumgänglich angesehen, da der Bund sich weigerte" Verbände der Armee zu diesem Zweck nach Hamburg zu entsenden. Begründet wurde dieses damit, daß die Bundeswehr nach Lage des Grundgesetzes nicht in innere Auseinandersetzungen eingreifen dürfe, sondern nur zur Verteidigung des Nato-Gebietes zur Verfugung stünde. Hahaha! !"

"Na, Klasse! Als ob nicht schon genug Idioten mit Waffen herum fuchteln würden! Ich finde, das sind für's erste genug schlechte Nachrichten. Hast du zufallig auch noch ein paar etwas bessere, damit ich meinen faltigen Hintern frohen Herzens aus der Koje schwingen kann?"

"Klar. Wegen der starken Wolkendecke brauchst du heute nur ein Sonnenschutzmittel mit dem Faktor 25.
UV -Schutzbrille ist ebenfalls nicht notwendig."

"Mädelchen, was redest du für einen Schwachsinn? Es ist jetzt später Nachmittag und ich pflege in der Regel nachts zu arbeiten. Mein Teint entspricht dem eines Vampires. Meiner Lebensweise angemessen. Und wie soll ich die vielen Straßensperren erkennen, wenn ich mir auch noch eine dunkle Brille aufsetzen würde?"

"Oh ja, entschuldige" bitte! Das habe ich ja gar nicht berücksichtigt. Aber weiter mit den guten Neuigkeiten:
In England wurden letzte Woche nur 223 Fälle von BSE gemeldet, das bedeutet einen Rückgang von immerhin 1,3 Prozent. Das nun wiederum bedeutet, daß du mit etwas geringerem Risiko wieder kräftig zubeißen kannst, obwohl erste Ansätze von Gehirnerweichung bei dir schon feststellbar sind. Aber bei deinem Alter ja wohl auch kein Wunder."

"Wo,

zum Teufel, hast du bloß diesen Sinn für Unverschämtheit und Sarkasmus her? Sollte ich dir vielleicht etwas zuviel von mir einprogrammiert haben, oder bist du etwa lemfähig? Sollte ich da etwas übersehen haben? Wenn ich da was merke! Übertreib es ja nicht! Ein wohlgemeinter Rat. Hier ist nur einer sarkastisch, und das bin ich! Verstanden?"

"Ja, Meister und Sklaventreiber. Ich werde mich bessern, wenn's auch schwer fällt. Aber noch etwas Gutes, das dich aufmuntern sollte: Letzte Nacht wurden im Bereich Hamburg nur zwei Taxifahrer erschossen und einer kam dabei ums Leben, als er mit seinem Wagen auf eine Mine fuhr. Er soll versucht haben, die Elbbrücken zu überqueren.
Von deinem Kollegen 490 Uwe wurde ein Skinhead in den Hades geschickt, als dieser ihn freundlich um sein Geld bat. Sein Wagen soll, laut Polizeibericht, ziemlich unsauber ausgesehen haben."

"Da hat er ja wirklich mal ein gutes Werk getan. Kommt ja selten genug bei dem vor."

"Vielleicht noch eine Kleinigkeit: In den USA ist jetzt endlich die Untersuchung abgeschlossen worden, ob der frühere Präsident Bill Clinton recht hatte, als er behauptete, er habe zwar Oralverkehr mit Monica Lewinsky gehabt, selbiges aber kein Sex gewesen sei. War ja auch ein Riesen-Problem, zumal dieser Präsident schon seit drei Jahren gar nicht mehr unter uns weilt.
Es wurde nun endgültig festgestellt, daß Oralsex kein Geschlechtsverkehr ist. Dadurch wurde Clinton offiziell rehabilitiert."

"Na, welch eitel Freude muß da die ganze Nation ergriffen haben."

"Das stimmt. Auf der Raumstation Freedom sollen daraufhin sofort alle Besatzungsmitglieder oralen Sex gehabt haben, da es ja nun amtlich ist, daß die Vorschriften der NASA, ESA und der russischen und japanischen Raumfahrtbehörden, die keinen Sexualverkehr zwischen Besatzungsmitgliedern zulassen, doch auf diesem Sektor hinfällig seien."

"Mann, da wäre ich ja gerne dabei gewesen. Muß eine Mordsgaudi gewesen sein, obwohl die meisten der Astronautinnen höchstens an einem Dorfschönheitswettbewerb in Ostfriesland teilnehmen könnten, da sie den dortigen Kühen doch recht ähnlich sehen. (Scheiße! Mütterlicherseits komm ich ja schließlich auch da her! Na ja! Wen wundert's?) Aber jetzt kommt schon wieder der kleine Macho in mir durch. Entschuldige bitte. Gibt es über diesen Vorfall offizielle Reaktionen?"

"Nein. Es herrscht totales Schweigen der Pressebüros der jeweiligen Raumfahrtagenturen.
Noch nicht einmal die Franzosen wollten sich dazu äußern. Erst recht nicht die Japaner. Es gehen aber Gerüchte um, daß es einem hoffnungsvollen Sprößling unseres deutschen Computer-Nachwuchses gelungen sein soll, die Kameras an Bord anzuzapfen und die ganze Angelegenheit im Detail aufzunehmen. Etliche private Fernsehkanäle sollen schon Schlange stehen und Unsummen für die Übertragungsrechte geboten haben."

"Es stimmt doch immer wieder hoffnungsfroh, daß es noch solche Rotzbengel gibt, die Ansätze ungebrochenen Unternehmertums zeigen. Man muß eben immer zur rechten Zeit am rechten Ort sein.
Gibt es sonst noch irgendetwas, mit dem man frohen Herzens den jungen Morgen begrüßen könnte?"

"Die Welt ist voll davon, Meister. Aber noch ein paar persönliche Nachrichten an dich."

"Schieß los!"

"Da wäre zunächst mal die erfreuliche Mitteilung von unserem Finanzamt, daß selbiges eine Steuernachzahlung von 22.351 Euro und 19 Cents erwartet. Und das innerhalb von einer Woche. Anderweitig schlagen sie voller Nettigkeit eine kleine Betriebsprüfung vor. Man ist der Meinung, daß Ihr Betrieb sowieso mal wieder dran wäre."

"Die sollen ruhig antanzen. Ich hoffe, Süße, daß du in den unergründlichen Tiefen deiner Speicherkapazitäten einen kleinen Raum findest, wo du alle relevanten Daten einigermaßen sicher untergebracht hast. Außerdem vergiß nie, daß du mir zu tiefster Verschwiegenheit verpflichtet bist und dem Postgeheimnis unterliegst.
Ich bin schließlich der einzige, der sich dir nähern darf. Von meinen Leuten mal abgesehen!"

"Meister, du weißt doch: An meine erotischen Tasten laß ich nur dich und sonst niemanden ran!" Sie raspelte solche Mengen Süßholz, daß ich schwüle Gefühle bekam, wie damals, als noch Diana Rigg alias Emma Peel die feuchten Träume meiner Jungmannenzeit beherrschte. Nach dieser war übrigens ihr Holo-Bild und auch die Stimme gestaltet, wenn man sie direkt auf den Monitor holte. Es war schon immer wieder bewundernswert, was die Computertechnik heute so zu leisten in der Lage war. 3-D und in Farbe.

"Weiter im Text!"

"Nun da wäre noch die Tatsache, daß Tanka dir mitteilen läßt, daß dein Defender wieder topfit und jederzeit in der Lage ist, Hamburgs Straßen unsicher zu machen. Alle Sondereinbauten, die du von ihm verlangt hast, seien installiert. Du solltest diese aber lieber nicht beim TÜV anmelden, da die dortigen Beamten sicherlich daran einen erhöhten Lustgewinn haben würden. Was unter Umständen ein Grund sein könnte, deinen Betrieb zu schließen, worauf man dort schon seit langem sehnlichst wartet. Schließlich gehörst du in diesen Dienststellen zu den beliebtesten Personen überhaupt.
Böse Zungen behaupten, dein Poster hinge in allen offiziellen Dienststellen der Stadt mit einer erklecklichen Summe darunter. Aber das ist nur ein Gerücht.
Zu guter Letzt läßt dir deine Sekretärin Moneypenny, wie du Fräulein (eine Anrede, auf die sie höchsten Wert legt) Pfennig zu nennen pflegst, mitteilen, daß du so gegen 18.30 Uhr Besuch bekommst, von einer jungen Dame mit leicht amerikanischem Akzent und feuerrotem Karottenkopf, ihrer Selbstbeschreibung nach. Sie wollte ihren Namen nicht nennen, denn es soll eine Überraschung sein."

"Hat sie das Bild der jungen Dame gespeichert. Wenn ja, wirf den Monitor an und zeig es mir."

"Leider hat das Fräulein keinen Bildübertragungsmodus eingeschaltet, sondern nur auf der Standart- Telefon-Frequenz mit Moneypenny gesprochen."

"Klasse! Hoffentlich entspricht sie meinem Geschmack, denn schließlich sollte es sich ja auch lohnen, wenn man schon seine rare Freizeit mit der holden Weiblichkeit verbringt."

"Chef, darf ich dich daran erinnern, daß du eigentlich immer Ärger kriegen, wenn du einem Minirock hinterher siehst?"

"Halt die Klappe! Darf ich dich daran erinnern, daß eines meiner Lebensmotti lautet: Wer das Risiko nicht liebt, liebt nicht das Leben."

"Meister, ich glaube, ich schalte mich jetzt lieber ab, sonst werde ich noch eifersüchtig. Ich melde mich dann im Wagen wieder. Ich liebe dich....!"

"Verrückte Zulle! Ich glaube, ich muß deine Programmierung mal ein wenig überarbeiten. Da muß irgendetwas schief gelaufen sein. Aber ich muß zugeben: Ich mag das!" Ich schlug die Decke zurück und schwang meinen Arsch aus dem Bett. Das konnte ja heiter werden.


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