17.30 Uhr

"Mädelchen?"

"Ja, Meister? Ich höre und gehorche!"

"Sag der Kaffeemaschine, daß sie mir was ordentlich braut. So einen richtigen Muntermacher a la me.
Außerdem möchte ich zwei Toasts mit je einem schönen Spiegelei drauf. Und alles ein bißchen plötzlich!"

"Darf ich untertänigst darauf hinweisen, daß wir so einen modernen Kühlschrank, in dem die Waren vom Computer gelagert und auch entnommen werden können, nicht besitzen.
Außerdem erwartet der Herd, daß man die Knöpfe selber dreht und die Eier ebenfalls
eigenhändig in die Pfanne schlägt. Vielleicht investieren wir mal in eine der neuen
Vollautomatik-Küchen, dann könnte ich die ganze Kocherei für dich übernehmen.
Unter unseren Umständen aber, mußt du die Eier schon selbst braten und das Brot dem Toaster anvertrauen. Nebenbei darf ich dich darauf hinweisen, daß die Menge der
Lebensmittel im Kühlschrank derart gering ist, daß es anzuraten wäre, wenn du unserem Supermarkt mal einen kleinen Auftrag zukommen lassen würden, die Fächer wieder mit etwas anderem aufzufüllen als Whisky und Bier. Wenn du mir die Sachen sagst, die du brauchst, setze ich mich sofort mit ihm in Verbindung."

"Tu das, Süße! Du kennst mich doch besser als ich selbst. Also gib dir mal etwas Mühe und stell die Liste eigenchippig zusammen. Vergiß aber nicht, auch noch ein paar Jever Pilsner oder einen anderen Betriebsstoff, der von mir autorisiert wurde, nachzufüllen. Wenn du was anderes kaufst, zieh Ich deinen Stecker raus! Verstanden?"

"Ja, Herr! Deine Sklavin wird alles nach den Wünschen ihres Herrn erledigen. Bis später dann."

Dieser Ton von Ihr fing an, mir peinlich zu werden, obwohl ich ganz insgeheim zugeben mußte, daß er doch auch wieder wohltat. Und das einem linksradikalen Anarcho wie mir? Aber vielleicht war sie ja doch das freudsche Abbild meiner tatsächlichen Einstellung den Damen gegenüber? In jedem Kerl steckte nun mal ein Miniatur-Macho! Da biß keine Maus einen Faden dran ab!

Egal! War ja nur ein Computer-Wesen. Aber manchmal schon erschreckend realistisch. Der Tag, daß diese die Macht übernehmen würden, war wohl nicht mehr fern. Und dann (ich sah mich schon im Einsatz) würde die Menschheit, wie im Falle HAL 9000 (Anm.: aus 2001, Odyssee im Weltraum), gegen sie zu Felde ziehen müssen. Statt dessen schlugen sich diese Neandertaler immer noch gegenseitig die Köpfe ein, wo doch ganz andere Probleme am Horizont auftauchten.
Aber eines wußte ich jetzt schon: meine kleine Computer-Maus würde ich retten, egal wie frech sie inzwischen geworden wäre! Aber bis dahin war wohl noch ein wenig Zeit. Hoffte ich wenigstens. Heute hatte ich auch andere Probleme.

An den Besuch denkend, der mir ins Haus stand, verlor ich einen Moment lang die Konzentration und schlug eines der Eier statt in die Pfanne auf die Herdplatte, was eine Riesenschweinerei verursachte.
War vielleicht doch gar keine so schlechte Idee mit der automatischen Küche, aber auf Grund der Steuernachzahlung würde die wohl noch ein Weilchen warten müssen. Und sowieso: Handgebrühter Kaffee und selbst gebratene Eier kosteten zwar Zeit, aber schmeckten einfach prima.

'God Eeten un Drinken holt Liv un Seel tosomen!' Mein Computer meldete sich wieder:"Meister! Ich habe den Auftrag, so weit ich konnte, erledigt. Es gibt nur ein Problem mit dem Nachschub des Jevers, da im Moment die Verbindungswege Richtung Ostfriesland durch den Bürgerkrieg schwierig geworden sind. Wie wäre es denn mit Warsteiner als Alternative?"

"Du willst mich wohl vergiften, Süße! Du weißt doch ganz genau, daß ich diese Brühe noch nicht einmal nach sechs Wochen Sahara trinken würde, selbst wenn gar nichts anderes in der Nähe wäre! Da schmeckt ja das unverdünnte Hamburger Leitungswasser noch besser!

"Also käme dann noch Holsten Pilsner in Frage."

"Gut! Das geht in Ordnung. Schmeckt einigermaßen brauchbar und unterstützt die lokaleWirtschaft, obwohl diese Firma als, weltgrößte Brauerei das eigentlich ja nicht so nötig hat. Aber besorge auch noch ein paar Fläschchen Rostocker Freibeuter, das wo mit 9,5 %! Für den kleinen Hunger zwischendurch."

Ich schmiß das Geschirr in die Spüle, hoffend, daß der Computer vielleicht doch abwaschen würde, und machte mich auf den Weg ins Büro. Dazu mußte ich mich immerhin eine Treppe tiefer bewegen.


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