Ägypten 2010

 

 

 Taxis in Ägypten? Das ist ein sehr komplexes Thema, aber es lohnt sich, es mal näher zu beleuchten, zumal dieses Verkehrsmittel dort sehr viel wichtiger im öffentlichen Nahverkehr ist, als etwa in Deutschland oder Europa überhaupt. Man könnte sogar sagen, daß dieser ohne die Taxis komplett zusammenbrechen würde, da es gerade diese Fahrzeuge sind, die nahezu 95% des Personentransportes erledigen! Allerdings gibt es auch ein sehr bemerkenswertes System von verschiedenen Verkehrsmitteltypen, die dort unter dem Begriff 'Taxi' fungieren oder taxi-ähnliche Funktionen erfüllen. Zunächst einmal kümmern wir uns aber noch kurz um das traditionelle Verkehrsmittel der Wüste: Dem KAMEL oder besser: Dromedar. Dieses Wüstenschiff erfüllt durchaus bis heute im beschränkten Maße die Bedingungen für ein 'Taxi', da es sich, im Gegensatz zum Esel oder Muli mieten lässt, wenn man Wege hinter sich bringen möchte, die ein Auto oder Motorrad nicht erreichen könnte. Heutzutage allerdings wird dieses 'Taxi' fast nur noch im Bereich des Tourismus eingesetzt, wie wir es besonders an den Großen Pyramiden in Gizeh bei Kairo feststellen können.

 

Aber auch an kleineren Orten finden wir es noch gelegentlich, wie hier in Al Gazira auf der Westseite des Nils gegenüber der Stadt Luxor.

Alles in allem aber hat dieser Teil des 'Öffentlichen Nahverkehrs' seine frühere unbestrittene Bedeutung verloren. Ich möchte allerdings noch einen wirklich großen Vorzug dieses 'Taxi-Typs' betonen: Es muss nur EINMAL IM MONAT betankt werden! Und das noch mit Wasser! Noch ein bisschen Grünzeug, und der Unterhalt dieses Tiers ist gewährleistet. Vielleicht ein Grund, es wieder verstärkt einzusetzen, wenn die Spritpreise auch in Ägypten 'normalisiert' werden, denn bisher werden sie stark subventioniert. Ein Liter Normal kostet dort etwa 1,5 Ägyptische Pfund, was etwa 12 europäische Cent sind, wenn man den derzeitigen Wechselkurs (März 2010) zugrunde legt. Auch in der Anschaffung ist so ein Tier preiswert: Derzeit etwa 1.000 ägyptische Pfund, also etwa 80 Euro! Nur im innerstädtischen Verkehr dürfte es eben seine deutlichen Schwächen haben. Dann gibt es noch ein weiteres taxi-ähnliches Verkehrsmittel, das eigentlich die Urmutter aller Taxis weltweit ist: Die KALESCHI. Dieses Verkehrsmittel gibt es in Mitteleuropa nur noch selten und ist hierzulande besser als 'Fiaker' bekannt, dessen berühmteste Vertreter die Straßen Wiens unsicher machen. In Ägypten sind sie an Touristenzentren immer noch recht weit verbreitet, aber auch in kleineren Städten, wo kaum Touris hinkommen, findet man sie gelegentlich noch, dann meist aber nicht so schön herausgeputzt. Es handelt sich bei diesen Fahrzeugen um Einspänner, mit denen die Kutscher, die oft recht aggressiv ihre Dienste 'anbieten', auf Kundenfang gehen, wobei die Touren eher nur im extremen Kurzstreckenbereich liegen. Vor allem in Luxor findet man sehr schöne Exemplare. Und der Preis für eine Standardfahrt soll, laut den Ansagen der Kutscher, bei etwa 2 Pfund 50 Piaster liegen. Aber, ähnlich wie bei den echten Taxis, dürfte er wohl in Praxis eher erheblich höher liegen, da der Fahrer sicherlich immer noch den einen oder anderen Grund finden dürfte, sein Einkommen noch etwas zu verbessern. Dieses Verkehrsmittel eignet sich also nur für kleine gemütliche Sightseeing-Fahrten, wird aber wohl in kleineren Orten durchaus auch gelegentlich als Taxenersatz genutzt.

Und dann gibt es noch ein weiteres Verkehrsmittel, das man durchaus als 'Taxi' bezeichnen könnte: Das MOTORBOOT. Dieses trifft man allenthalben entlang des Nils, wobei es natürlich in touristischen Zentren stark konzentriert ist, also vor allem in Luxor und Assuan. Da man an diesen Orten oft nur mit sehr großen Umwegen zu wichtigen Sehenswürdigkeiten mit dem Auto gelangen kann, ist man auf das Angebot der 'Captains' angewiesen. Wenn man sich einen Anlegestelle nähert, hat man es mit einem ganzen Schwarm der Bootseigner zu tun, die einem unter allen Umständen ihr Boot aufdrängen wollen, Irgendwann muss man sich entscheiden, da diese Schiffchen die grundsätzlich einzige Möglichkeit darstellen, um preiswert über den Nil zu kommen. In Assuan gibt es eine Autofähre, die man natürlich auch nehmen könnte, aber diese fährt immer nur dann, wenn es Autos gibt, die rüber wollen. Und das kann schon mal dauern. Der offizielle Preis, der auch zunächst von den Bootsführern genannt wird, ist 5 Pfund, die dann aber am Ende der Fahrt von etwa 15 Minuten irgendwo bei 20 enden, vor allem, wenn man noch einen speziellen Landepunkt haben möchte. Eine Reise von der Westseite Luxors nach Karnak kommt da schon auf 50 Pfund. Aber da die meisten der 'Fluss-Kutscher' nett, freundlich und hilfsbereit sind, sollten einem diese ca. 4 Euro schon dieses kleine Abenteuer wert sein. Hier noch ein paar Fotos zu diesen Booten, die alle bei Luxor entstanden sind.

Bevor wir uns nun den tatsächlichen Taxen und Mietwagen zuwenden, schauen wir uns zunächst einmal kurz das System der ägyptischen Nummernschilder an. Derzeit sind noch nicht alle alten reinarabischen Schilder ausgewechselt, aber zumindest in den größeren Städten sieht man fast nur noch die neuen.

Diese sind eingeteilt in:

Prive = Privatfahrzeuge

Bus = Busse

TurBus = Kleinbusse nur für den Touristenverkehr

Tru = Trucks (LKW)

Tur = Mietwagen, die normalerweise nur von Touristen genutzt werden dürfen

Taxi = Alle Fahrzeuge, die in Ägypten unter 'Taxi' firmieren (Kleinbusse, Pick-Up-Trucks und 'normale' Wagen)

Dann gibt es noch diverse Fahrzeuge, die meist keinerlei Nummernschilder führen, wie z.B. die auch unter 'Taxi' eingeordneten Tuktuks (ja, die heißen nach ihren thailändischen Vorbildern) oder Kleinkrafträder mit Fläche hinten, und natürlich Karren aller Art, angetrieben durch Esel, Mulis oder Ochsen. Diese Karren werden aber in der Regel NICHT zum 'kommerziellen Transport' von Personen genutzt, meist handelt es sich um Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte.

Um an eine Taxi-Lizenz zu kommen, hat man es im Lande am Nil recht einfach: Man braucht 'nur' einen normalen Führerschein, den man in etwa 2 Monaten erwerben kann. Dann kauft man sich einen Mietwagen oder eine Taxe, bezahlt etwa 1.000 Pfund (ca. 80 Euro) im Jahr Gebühren und legt los! Eine Ortskundeprüfung scheint es ebenfalls nicht zu geben. Einen TÜV oder etwas Vergleichbares existiert in diesem Lande wohl nicht, was die z.T. abenteuerlichen Fahrzeuge, vor allem im Bereich Kairos erklärt. Und auch im Bereich des Personen-Nahverkehrs sieht man wirklich unglaubliche Fahrzeuge, die jedem Beamten bei uns Alpträume verursachen würden. Der deutsche TÜV würde ganz sicher mindestens 90% aller Fahrzeuge auf den Straßen Ägyptens SOFORT aus dem Verkehr ziehen, im Bereich 'Taxi' wahrscheinlich noch mehr. Lizenzen für Touri-Mietwagen werden allerdings nur an Firmen vergeben, die mindestens 7 Wagen besitzen. Da geschieht es dann, dass Mietwagen-Jungunternehmer 'offiziell' ihren Wagen von einer größeren Firma kaufen und beantragen lassen, und dieser dann Gebühren dafür abdrückt, um dann als 'Eigenunternehmer' zu fahren. Hier ein anschauliches Beispiel für ein 'normales Taxi', wie man es in Kairo zu tausenden sieht und auch mit fährt, wenn man auf eigene Faust durch dieses Land reist. Und dieser Wagen war ganz sicher nicht der Schlimmste, den wir gesehen haben, Die anderen konnte ich aber meist leider nicht dokumentieren.

Das Taxi oder der Mietwagen ist in jeder Hinsicht das Transportmittel der Wahl des Individualtouristen, wenn es darum geht, auch längere Strecken im Land der Pharaonen zurückzulegen. Aber man sollte nicht wirklich pingelig sein, was die Ausstattung dieser Fahrzeuge betrifft. Neben fehlenden Scheinwerfern, verbogenen Motorhauben und mit Draht befestigten Taxischildern, nachen diese Fahrzeuge ziemlich oft einen recht gebrechlichen Eindruck. Dem widerspricht allerdings das offensichtliche Alter der Taxis. So kann es sogar des Öfteren vorkommen, dass es der Besitzer des Wagens für völlig überflüssig hält, wenn der Wagen Instrumente hat. Im Stadtgebiet von Kairo jedenfalls hält sich eh niemand an irgendwelche Regeln, so dass ein Blick auf den Tacho nur stört. Auf dem Lande gibt es Radarfallen, aber innerhalb von Kairo scheinbar nicht. Der Preis für eine Geschwindigkeitsüberschreitung (egal ob 5 km/h oder 100) beträgt 150 Pfund in bar! Als Tourist muss man bedenken, dass sehr viele Straßen für Ausländer gesperrt sind, so dass man mit einem einheimischen Fahrer reisen sollte. Mietwagen bekommt man in der Regel über das Hotel, in dem man logiert. Die haben alle jemanden, der einen solchen Wagen fährt und auch gelegentlich etwas Englisch oder gar Deutsch radebricht. Auf einigen Strecken benötigt man auch eben so ein Auto, weil die für Taxis verboten sind, wie z.B. die Strecke von Assuan nach Abu Simbel! Außerdem sind diese Wagen in aller Regel in einem sehr ordentlichen Zustand mit rücksichtsvoll fahrenden Kutschern, aber sie sind auch erheblich teurer als 'normale' Taxis.

 

So wie wir es auf unserer Reise gehalten haben, möchte ich auch die Taxis Ägyptens in drei grobe Regionen aufteilen: In Kairo, Luxor und Assuan, wobei wir uns auch ein paar Blicke ins ländliche Taxiwesen erlauben, da wir viele hundert Kilometer durch das Land gefahren sind mit Kutschern unseres Vertrauens, was mir natürlich auch in die dortige Situation ein paar kleine Einblicke verschafft hat. Aber dazu kommen wir später.

 

1. Kairo (Al Qahira oder 'Die Siegreiche):

Hier kann der Fachmann auf Anhieb vier Arten Taxen unterscheiden: Die vielen Kleinbusse oder Linientaxis. Die schwarzen mit den weißen Kotflügeln, die weißen mit den Checkerstreifen mit manchmal Werbung dran und dann noch, wenn auch derzeit noch recht selten, die gelben Wagen. Auf Grund der Masse der vorhandenen Fahrzeuge, wird der potentielle Kunde meist in eines der schwarz-weißen steigen, wobei allerdings die weißen inzwischen auch schon eine derartige Zahl erreicht haben, dass im innerstädtischen Bereich auch hier die Wartezeiten kurz sind. Bei den gelben muss man schon Glück haben, um eines überhaupt nur zu sehen, denn sie sind das jüngste Kind in der Geschichte des Kairoer Taxiwesens. In den Außenbezirken sieht man auch hier gelegentlich mal ein paar Tuktuks, aber auch nur extrem selten. Betrachten wir uns nun zunächst einmal diese einzelnen Gattungen:

a) Die Linientaxis: Dieses sind in aller Regel Kleinbusse mit bis zu 15 Sitzplätzen, die eine bestimmte Strecke hin und her fahren. Jeder kann am Straßenrand stehend einem dieser Busse zuwinken, der dann, wenn er noch jemanden reinquetschen kann, hält und den Passagier zusteigen lässt. Er hält auch auf Wunsch, wo immer es gerade ein Plätzchen dazu gibt. In Kairo sind diese Busse in aller Regel weiß gestrichen und bestehen meist aus mittelalterlichen Fahrzeugen der Typen Honda, Hyundai, Toyota, Mitsubishi oder Chevrolet (Daiwoo). Den einen oder anderen VW-Bulli kann man finden, genauso wie einige, deren Herkunft sich mir nicht erschloss, möglicherweise aber ägyptischer Bauart sind. Die japanischen und koreanischen Busse sind meist in recht ordentlichem Zustand, wohingegen man sich wundert, dass diese 'alten' Busse sich überhaupt noch auf ihren Rädern halten. Aber wie gesagt: TÜV ist etwas, das dort wohl erst in den nächsten tausend Jahren eingeführt wird. Leider ist es mir nicht gelungen, einen solchen Bus zu fotografieren, da ich immer gerade in einem Touri-Transporter oder in einer anderen Taxe fuhr und die Kamera nicht so schnell in Schussposition hatte. Aber von den anderen gibt es ein paar Beispiele.

Wir erfahren über diese Linientaxis auch noch mehr, wenn wir uns die beiden anderen Städte Luxor und Assuan betrachten, aber auch beim Überlandverkehr. Der Fahrpreis für Einheimische dort beträgt, wie bei den Pick-Ups oder Tuktuks 50 Piaster, also etwa 4 Cent. Egal, ob man einen Sitzplatz ergattert, oder etwa, wie bei den Pick-Ups häufig, draußen hängen muss. Der Fahrer hält kurz, man springt auf und entlöhnt dann am Ende der Fahrt den Fahrer direkt am Fenster. Wie die Zahlungsmoral der Passagiere dabei ist, weiß ich leider nicht, aber ich denke, dass zumindest auf dem Lande diese recht gut sein dürfte, da dort fast jeder jeden kennt und meist mit ihm auch noch verwandt ist. Da wird man dem Fahrer seinen Obolus wohl kaum schuldig bleiben. Echte Haltestellen sieht man in Kairo nur sehr wenige, die sind dann allerdings gelegentlich auch mal recht malerisch aufgemacht mit ägyptischen antiken Malereien etc. Aber in den anderen Städten gibt es solche gar nicht, da sie ja auch keine wirkliche Funktion erfüllen, denn echte Stadtbusse in unserem Sinne gibt es dort praktisch nicht. Gelegentlich sieht man mal einen, aber der ist dann wohl nur ein etwas größeres Linientaxi. Und diese sind dann auch in einem erbärmlichen Zustand und uralt.

b) Die 'traditionellen' schwarz-weißen Taxis: Deren Ruf ist derart grottig, dass in unserem Hotel sogar vor dem Einsteigen gewarnt wird, dafür sind sie es aber, die wohl die ersten ihrer Art in Kairo waren. Und so sehen sie denn auch in den meisten Fällen aus. Jedes Automuseum würde sich um diese Wagen prügeln, wenn sie denn in einem etwas besseren Zustand wären.

Aber ich muss mal so sagen: Wer kräftige Adrenalin-Schübe in seinem Dasein braucht und endlich mal das 'Abenteuer Stadtverkehr Kairo' hautnah erleben möchte, ist in diesen Fahrzeugen bestens aufgehoben! Verkehrsregeln gibt es in dieser Stadt genauso selten wie Ampeln, und man kann schon auf die meisten Ausstattungselemente verzichten mit Ausnahme einer möglichst kräftigen Hupe. Diese ist überhaupt in Kairo das wichtigste Teil in allen Autos. Die Fahrer hupen schon bei der nur entfernten Möglichkeit, dass jemand auf die Straße treten könnte. Da aber eigentlich immer jemand sich dort bewegt oder die Straße überquert, ist das Hupkonzert bis spät in die Nacht gigantisch. Bei den Taxen aber hat dieses Instrument noch die Funktion, einen möglichen Kunden auf sich aufmerksam zu machen! Also hupt man, wann immer jemand am Straßenrand steht. Vor allem, wenn es sich um Ausländer oder Touristen handelt. Gelegentlich hilft man dann im Zweifelsfalle auch noch mit der Stimme nach, was einfach ist, da die meisten dieser Fahrzeuge natürlich keine Klimaanlage haben und deswegen die Fenster, wenn sie denn noch vorhanden sind, meist offen stehen wegen des Fahrtwindes. Als Autotypen finden wir, wie eigentlich in ganz Ägypten, einen sehr hohen Anteil an Peugeots und einer ebenfalls sehr großen Zahl von FIATs. Aber auch fast alles andere ist gelegentlich zu sehen, wie z.B. ein /8er-Mercedes! Auch ein paar Autos einer Eigenmarke gibt es, aber die scheinen als besonders schlecht zu gelten. Hier eine kleine Galerie von Schwarz-Weiß-Taxen, ihren Fahrern und der 'Innenausstattung' oder dem, was man so als Armaturenbrett-Idylle bezeichnen könnte.

Einige dieser Taxen besitzen sogar eine Uhr, zum Teil echte Museumsstücke wie man auf den folgenden Fotos sehen kann. Ob diese funktionieren, dafür kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen, aber eines ist ganz sicher: Mit den Schwarz-Weißen fährt man NIE, Einheimische wie Ausländer, nach der Uhr, sondern handelt den Fahrpreis vorher aus. Das allerdings ist ein echtes Problem für den unerfahren und nicht Arabisch sprechenden Touristen. Es gibt zwar Richtwerte für die Preise der Taxen zu bestimmten Zielen (z.B. in einem Merkheft unseres Hotels), aber diese auch tatsächlich durchzusetzen ist illusorisch. Wenn man für eine Fahrt von etwa einer 3/4 Stunde angeblich 15 Pfund zahlen sollte, so wird man letztlich nicht unter 50 kommen, was aber immer noch nur etwa 4 bis 5 Euro sind. Und schließlich sollte einem das Abenteuer 'Taxe' schon auch was wert sein, wenn man mich fragt. Und ich muss zugeben, dass ich sogar gelegentlich einem Kutscher, der sich als nett und hilfsbereit herausgestellt hat, sogar noch etwas mehr gab. Aber oft trifft man durchaus auf aggressive Fahrer, wo man dann als Touri lieber schweigt und nichts sagt. Aber der bekommt dann natürlich nicht die wirklich guten Fahrten, die eben immer mal wieder anstanden, vor allem als wir in den Bereichen Luxor und Assuan waren, wo es mehrmals Strecken von 300 km zurückzulegen galt.

Fazit: Wer ein bisschen Aufregung liebt und wem es nichts ausmacht, dass auch schon mal die Türgriffe abgebrochen sind, überall Kabel heraushängen oder der Lenkrad-Schalthebel (Automatiken gibt es in Ägypten wohl nirgends, selbst bei den neueren Fahrzeugen nicht) mit Panzerband zusammengeflickt ist, ist in diesen Taxen durchaus gut aufgehoben. Ausgeraubt im wörtlichen Sinne wird man auch in diesen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht, auch wenn der Fahrer sicherlich gelegentlich sich ins Fäustchen lacht, weil er mal wieder einem 'dummen' Touri erheblich mehr abnehmen konnte, als seinen einheimischen Kunden. Aber andererseits sind die Einkommen dieser Leute auch für ihre heimischen Verhältnisse nur extrem gering, so dass man ihnen, gesetzt den Fall sie sind sonst nett, freundlich und informationsbereit, wenn sie denn ein wenig Englisch (manchmal auch ein paar Brocken Deutsch) können, diesen kleinen 'Windfall-Profit' gönnt, ihn sogar freiwillig noch mal ein wenig aufstockt.

 

Hier noch ein paar der tapferen Helden des Kairoer Asphaltes:

c) Die weißen Taxen: Auf Grund ihrer weißen Farbe mit dem Checkerstreifen sind sie gut zu erkennen. Manchmal haben sie auch schon Werbung an der Seite im Gegensatz zu den schwarz-weißen Kollegen. Aber wer möchte denn auch schon seine Werbung auf die Seite eines offensichtlichen Schrotthaufens kleben? Diese Taxen waren wohl der Versuch der Kairoer Verwaltung, etwas mehr Qualität ins Geschäft zu bringen. Diese Autos sind tatsächlich mit funktionierenden Uhren ausgestattet, und wir hatten es gleich auf der ersten Fahrt mit einem dieser Fahrzeuge, dass der Fahrer ohne Aufforderung diese auch einschaltete. Der bekam dann, trotz Fahrpreis auf der Uhr von 17 Pfund auch einen Fuffi, denn so viel Ehrlichkeit muß man einfach unterstützen. Aber auch in diesen Taxen wird der Fahrpreis praktisch immer ausgehandelt, aber man hat Wagen, die in der Regel in einem ordentlichen (für ägyptische Situationen) Zustand befinden. Meist sind es Mitsubishi, Toyota oder Chevrolet (Daiwoo), aber auch die eine oder andere Marke sieht man. Bis auf die übliche Kunstpelzdeko auf dem Armaturenbrett (was aber gut gegen die unglaublichen Temperaturen unter der Windschutzscheibe ist) und die Kleenex-Box, findet man dort aber selten richtig skurile Idyllen. Man fühlt sich also schon fast wie zuhause. Allerdings unterscheidet sich der Fahrstil kaum von den Kollegen in den schwarz-weißen Wagen, aber das gilt eigentlich für wirklich alle Fahrer in der Hauptstadt! Warum sollen da dieseTaxifahrer die Ausnahme darstellen? Hier ein paar Ansichten dieser Taxen:

 

 

 

d) Die gelben Taxen (Cairo Cab): Diese sind die absolut neueste Idee im Kairoer Taxigewerbe. Diese Wagen sind nicht nur knallgelb, sondern haben neben einer Uhr auch ein Funkgerät an Bord und können telefonisch bestellt werden. Ein paar wenige Standplätze scheint es auch zu geben, wie z.B. vor dem Ägyptischen Museum, aber in der Regel stehen die wohl auf Betriebshöfen, wie ich sie zweimal im Vorbeifahren sah. Auch die Zahl dieser Wagen ist noch so gering, dass man wohl besser runtergeht und sich eine weiße Taxe nimmt. Man sieht sie im fließenden Verkehr nur sehr selten. Leider konnte ich keinen dieser Wagen aus der Nähe fotografieren, aber diese beiden Bilder geben sicherlich einen Eindruck.

 

e) Die Tuktuks: Diese Taxen sieht man in Kairo nur sehr selten und dann auch nur in den Außenbezirken oder den illegalen Stadtteilen, die etwa 1/3 der Stadtfläche ausmachen, wo natürlich auch die wenig finanzstarken Menschen leben, so dass dieses Verkehrsmittel dort sicherlich seinen Zweck erfüllt.

 

2. Der Bereich Luxor:

Hierzu möchte ich auch den Bereich von 250 km um diese Stadt hinzurechnen, den wir mit Hilfe von Mietwagen und Taxen erforschten. Wir wohnten in einem kleinen Hotel auf der Westseite des Nils, wo wir ebenfalls mit Hilfe von Taxen die Umgebung erkundeten. Später aber machten wir mit einem Mietwagen einen Ausflug nach Abydos, etwa 250 km nordwestlich von Luxor und dann noch die Reise zwischen Luxor und Assuan, deren Strecke auch fast 300 km betrug Unser Hotel hatte uns versprochen, uns vom Flughafen abzuholen, was auch pünktlich geschah. Und so war unsere erste 'Taxe' in Luxor, ein Touristen-Mietwagen mit dem jungen Fahrer Said, der auch gleichzeitig der Besitzer dieses Wagens war, obwohl er, wie weiter oben beschrieben, nominell einem größeren Betrieb gehörte. Said war der Neffe unseres Hotel-Managers und ein sehr intelligenter junger Mann mit einer wirklichen Perspektive für die Zukunft, denn er wollte unbedingt diplomierter Fremdenführer werden, wofür er vier Jahre an der Luxor-Uni studieren muss, was er derzeit nebenher machte. Schöner Mitsubishi, der auch über eine funktionierende Klimaanlage verfügte, die auf einer etwas längeren Strecke bei Außentemperaturen von etwa 45 Grad im Schatten durchaus von Nutzen war. Seinen Wagen, der silbergraue, konnten wir schon weiter oben bewundern.

Gleich neben unserem Mietwagen stand eines der typischen Luxor-Taxen. Ein alter Peugeot-Kombi in weiß mit blauen Kotflügeln.

Schon beim ersten Durchfahren durch diese Stadt fällt auf, dass hier überall viel Grün und noch mehr Blumen gibt. Man merkt, dass Luxor nicht nur direkt innerhalb des wasserreichen Niltales liegt und natürlich auch viel kleiner als Kairo ist, sondern dass hier auch der Tourismus der vorherrschende Wirtschaftszweig ist und überall große und teure Hotels stehen. Das zeigt sich auch an den Taxen, bei denen es eigentlich kaum echte wirkliche Schrotthaufen wie in Kairo gibt. OK, für unsere Verhältnisse sind sie immer noch alt und in nicht wirklich gutem Zustand, aber verglichen mit der Hauptstadt sind sie gold! Und auch der Verkehr selbst läuft hier überall, ähnlich wie auch in Assuan, ziemlich entspannt ab. Bis auf ein paar ganz wenige rein weiße Wagen, die meist auch die ältesten sind, zeigen sich alle Taxen in Weiß-Blau. Auch die Linientaxis haben oft einen blauen Streifen an der Unterseite, so dass auch sie sofort als Taxis erkennbar sind. Die Regeln, wenn man mit diesen Wagen fahren möchte, sind aber grundsätzlich die gleichen, wie in Kairo. Uhren gibt es keine und man handelt den Fahrpreis aus, der natürlich bei Ausländern erheblich höher ist, als wenn Einheimische mit ihnen fahren. Für eine Stadttour innerhalb Luxor-Ost liegt der Preis im Schnitt bei etwa 20 Pfund. Wenn man aber rüber auf die West-Bank will, wozu ein großer Umweg über die einzige Brücke über den Nil weit oberhalb Luxors notwendig ist, muß man schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Hier gibt es Fahrer, die einem sofort 150 Pfund abnehmen wollen, aber auch Anfangsforderungen von 60 Pfund sind möglich. Stellt sich dieser Fahrer dann als nett und freundlich heraus, so bekommt er 100, was für ihn schon einen tollen Tag bedeutet, für uns aber nur etwa 8 Euro sind für eine Fahrt von etwa 35 Kilometern! Da hier nur wenige Touristen hinkommen, haben sich auch die Taxen ein wenig verändert.

 

Und hier noch drei Fahrer aus Luxor.

Es gibt nun neben den älteren Peugeots etc. auch jede Menge Pick-Up-Trucks, die einen irgendwie an die Jeepneys auf den Philippinen erinnern. Diese sind meist auf der Basis von Mitsubishi oder Chevrolet (Daiwoo) Pick Ups, wobei man auf der Ladefläche einen abnehmbaren Aufsatz befestigt, der zwei längsseitig angeordnete Sitzreihen aufweist. Diese sind die Taxis der ärmeren Bevölkerungsteile. 50 Piaster aber ohne Sitzplatzgarantie. Sehr oft hängen die Fahrgäste noch in Trauben außen am Wagen, und das bei durchaus recht hohen Geschwindigkeiten. Auch wir hatten die Ehre, eine kurze Fahrt in so einem Vehikel machen zu dürfen, da uns unser Hotel dieses bestellt hatte. Von uns aus hätten wir das sicherlich nicht genommen, weil sie wirklich sehr unbequem sind und ich hinten gar nicht hochgekommen wäre.

 

Wenn man wie wir etwas länger in einem Ort verweilt, lernt man natürlich auch ein paar wirklich nette Fahrer kennen, wie z.B. Yussuf, ein älterer Herr, der tatsächlich durchaus verständlich Englisch spricht. Und auch sein Peugeot, der Baujahr 1977 ist, ist 'gut' in Schuss, wobei man unbedingt den echt antiken Aschenbecher beachten sollte. Er hat uns mehrfach gefahren und uns gleichzeitig viele nützliche Infos zu Land und Leuten gegeben und auch, wie viel man dem einen oder anderen an Bakschisch geben sollte. Alles sehr nützliche Tipps, die ein Touri dringend benötigt.

 

Und dann hatten wir noch Sadr, der auf dem gleichen Mietwagen fuhr wie Said, getroffen. Ein wirklich netter Kerl. Mit ihm fuhren wir zum Hatschepsut-Tempel. Außerdem brachte er uns auch noch an unserem letzten Tag zum Flughafen Luxor.

Es gelten etwa folgende Tarife: Miete ich die Taxe für fast den ganzen Tag, weil der Fahrer auf uns warten muss, so bekommt er etwa 100 Pfund. Und für eine Strecke, wie die nach Abydos stehen etwa 600 Pfund an. Ob man ihm dann noch ein Extra-Trinkgeld zukommen lässt, liegt natürlich am Verhalten des Fahrers, aber bei unseren Stammleuten war das natürlich selbstverständlich. Schließlich hatten die sich schon vorher bewährt. Wenn man erst einmal ein paar Tage in Ägypten war und die einfach unglaubliche Bakschisch-Mentalität hassen gelernt hat, weiß man, was man an Leuten hat, die wirklich etwas tun wollen für ihr Geld, das sie selbstredend brauchen und auch bekommen! Fahrt nach Abydos: Mit dem Mietwagen fuhren wir von Luxor-West nach Norden immer am Fluss entlang. Das ist die Hauptstraße Ägyptens, die von Alexandria über Kairo und Luxor bis nach Assuan geht. Keine Autobahn, sondern eine ganz normale Landstraße, die mitten durch die Dörfer und Kleinstädte geht, aber ganz gut ausgebaut ist. Neben massenweise alten Ruinen, die aber hier ja kein Thema sind, bekommt man auch einige Eindrücke ins Taxigeschäft auf dem Lande oder den Kleinstädten. Hier beherrschen neben den Kleinbussen die Pick-Ups das Bild! Vielleicht gibt es sie in den großen Städten nicht, weil man nicht die Ausländer verschrecken möchte, aber hier auf dem Dorf sind sie meist das einzige Transportmittel. Selbst die Schulkinder benutzen sie, wenn sie längere Strecken zurück legen müssen.

Aber in Qina vor Abydos, wo wir eine kleine Teepause einlegten, gab es auch 'normale' Taxen, die hier allerdings lila-farbene Kotflügel hatten und in einem erstaunlich guten Zustand waren. Einen älteren ganz weißen sahen wir allerdings auch.

 

In Abydos selbst aber fielen sofort die Massen von Tuktuks auf. Alle ohne Nummern und mit den abenteuerlichsten Dachkonstruktionen, um in der glühenden Sonne etwas Schutz für Fahrer und Gäste zu bieten. Diese Stadt ist unter Ägyptern nicht nur für seine Tempelruinen bekannt, sondern eben auch für die vielen Motorrollertaxen. Wie unser Fahrer uns erzählte, hat ein geschäftstüchtiger Inder diese Fahrzeuge in großer Zahl eingeführt und gut verkaufen können als alternatives Transportmittel für die ärmeren Schichten, die natürlich vornehmlich auf dem Lande leben. Die In-Dienst-Stellung der Tuktuks war wohl illegal nach den dortigen Gesetzen, aber da es sonst praktisch keinen Öffentlichen Nahverkehr gab, hat man sie einfach toleriert, denn der Bedarf war natürlich vorhanden. Unser Fahrer berichtete, daß die Polizei sich weigere, denen Nummernschilder zu geben aus eben diesem Grunde. Und heute sind sie aus dem dortigen Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Aber auch in anderen Gegenden, z.B. in Richtung Assuan sieht man eine große Zahl von ihnen, wie wir noch später sehen werden.

Wir erlebten noch einen ausgewachsenen Sandsturm mit einer Sicht von teilweise unter 100 Metern, der direkt vor uns eine Palme auf die Straße fallen ließ. Wir hatten aber Glück, denn man konnte durch ihre Krone hindurch fahren. Der erste, der das tat, war der Fahrer einer Motorrad-Taxe oder wie immer man diese Teile nennen möchte.

Auf der Rückfahrt durften wir dann wieder einen bemerkenswerten Fall von Bestechung selbst bei Uniformierten miterleben. Wie schon oben beschrieben, sind manche Straßen für Touristen verboten. Das bedeutet, dass man oft ziemlich große Umwege in Kauf nehmen muss, da die direkten Routen 'angeblich' nicht befahrbar sind. Aber unser Fahrer demonstrierte uns, wie man schnell mal eben gute zwei Stunden Fahrt einsparen konnte, wenn man den Polizisten, die den Kontrollpunkt an der Abkürzungsstraße bemannten, 20 Pfund rüber wachsen ließ. Und war man erst einmal von jemandem durch gelassen worden, nahmen es die Leute auf den sonstigen Kontrollpunkten (von denen es praktisch alle 10 Kilometer einen gibt) dann nicht mehr so genau!

Und natürlich gab es auch noch die obligatorischen Pick Ups, wie diese hier.

 

 

Fahrt nach Assuan: Auch für diese Strecke hatten wir wieder einen Mietwagenfahrer unseres Vertrauens. Immerhin ist das ebenfalls eine Strecke von fast 300 Kilometern. Die Straße ist die weiter oben erwähnte Zentralroute, die uns immer am rechten Nilufer entlang führt. Und auch hier konnte man wieder viele Eindrücke sammeln. Ein paar möchte ich hier wiedergeben. Grundsätzlich gelten die gleichen Bedingungen für unser Gewerbe, wie ich sie schon im Falle von Abydos beschrieben habe.

Auf dieser Strecke sieht man allerdings erheblich mehr reine Motorrad-Taxen, die noch nicht einmal ein Dach haben wie die Tuktuks. Die sind nun wirklich die unterste Stufe des Geschäftes, sind aber für den Personentransport ausgelegt. Während die Tuktuks eigentlich nur Personen transportieren können, liegt hier die Bandbreite erheblich höher. Man kann bis zu 6 Personen auch den kleinen Querbänken mitnehmen, aber natürlich auch vier Käfige mit Hühnern plus drei Personen. Die Breite dessen, was man da teilweise auf diesen kleinen Ladeflächen sieht, ist schon beeindruckend! Gelegentlich sieht man aber auch bei denen einen rudimentären Sonnenschutz. Aber auch die Zahl eben der Tuktuks ist hier wieder erstaunlich hoch; sie haben allerdings häufig Nummern, die sie z.B. als 'Fahrzeug 5' einer Firma ausweisen. Echte Nummernschilder haben sie aber auch nicht.

 

 

3. Bereich Assuan:

Hier finden wir auch wieder ein paar schöne Kaleschis und natürlich die Linientaxis, wie sie nun mal in jeder ägyptischen Stadt vorhanden sind.

Bei den Taxis dürfen wir umgehend feststellen, dass es wieder weiße mit blauen Kotflügeln wie in Luxor gibt. Hier auch wieder die üblichen Typen meist japanischen oder koreanischen Ursprungs und recht modern und in guter Verfassung. Aber es gibt auch andere Taxen, die im überwiegenden Falle alte Peugeot-Kombis mit drei Sitzreihen sind! Sie sind manchmal rein weiß, gelegentlich aber auch mit blauen, grünen, roten oder gelben Seitenstreifen. Auf jeden Fall aber können hier bis zu 8 Gäste mitfahren, da auch der Frontsitz eine durchgängige Bank ist. Diese Taxen werden in der Regel nur von der einheimischen Bevölkerung genutzt, da sie recht preiswert zu haben sind, während die Touris meist dann doch lieber zu den blau-weißen greifen. Auch hier werden die Preise vorher ausgehandelt, wobei natürlich der Fremde erheblich mehr zu zahlen hat, als der Ägypter. Und letztlich ist es für den Reisenden ziemlich egal, ob er ein modernes oder uraltes Teil nimmt. Warum es verschiedene Farbstreifen gibt, konnte ich leider nicht feststellen, aber ich denke, dass es sich hierbei möglicherweise um unterschiedliche Firmen handelt, denn sonst unterscheiden sie sich in nichts.

Wie auch in Luxor fahren die Kutscher ziemlich entspannt aber sie können auch recht aggressiv werden, wenn es um die Werbung von Fahrgästen geht. Die fahren durchaus schon mal eine Zeit lang neben einem her und fragen immer wieder nach, wobei sie aber von den Kaleschi-Kutschern durchaus in den Schatten gestellt werden. Aber man trifft natürlich auch nette und wirklich hilfsbereite Fahrer. Einer von ihnen war Ayman, mit dem wir nach Philae fuhren. Weil er so nett war, sind wir dann später auch mit ihm zurück nach Luxor gefahren, was sich als echter Glücksgriff herausstellte, zumal er ja auch noch ein ordentliches Auto besaß.

Auf der Fahrt nach Abu Simbel, was etwa 300 km mitten durch die Wüste geht, dürfen normale Taxen nicht fahren, sondern nur Busse, Kleinbusse und Mietwagen. Diese Fahrzeuge müssen oder dürfen zweimal am Tag zusammen in einem Konvoi beide Richtungen fahren. Dabei wird ein Reisebus als 'Führungsfahrzeug' von der Polizei nach einer Fahrzeugskontrolle am Startpunkt eingeteilt. Und hier ergibt es sich dann, daß nach kurzer Zeit alle Mietwagen im Konvoi sich hinter dieser Bus versammeln. Anfangs dachten wir, der Busfahrer sei ein echter Idiot, weil er nie die Wagen an sich vorbei ließ, bis dann unser Fahrer, ein Verwandter von Ayman (dieser musste ja mit seiner Taxe unterwegs sein), uns erklärte, dass die Fahrer diesen Bus nicht überholen durften. Aber man vertrieb sich die lange Strecke, indem man immer jeden Fahrer mal eine Weile auf der linken Spur fahren ließ, damit er niemanden vor sich hatte, jedenfalls solange, wie ihm keiner entgegen kam. Das Ganze spielte sich meist im einen Abstand von Stoßstange zu Stoßstange von etwa 5 cm bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h ab.

 

Zurück nach Luxor: Auf dieser Fahrt gab es vor allem reichlich Motorad-Taxis und Tuktuks zu sehen, von denen ich hier aus der Umgebung von Kom Ombo noch einige wiedergeben möchte.

Wieder zurück in Luxor. Ayman, unser Kutscher für diese Rückfahrt, zeigte uns noch unterwegs nicht nur den Tempel von Kom Ombo, sondern auch einen Original-Kamelmarkt, wo noch nie ein Touri hingekommen ist. Auf dieser Strecke gibt es etwa 35 Kontrollstationen, wo er immer wieder Papiere vorzeigen und erklären muss, warum er mit einer normalen Taxe auf dem Weg von Assuan nach Luxor ist und wen er transportiert. Die Erklärung 'Aleman' (Deutsche) bereitet ohne Aufenthalt den Weg. Für den Rückweg aber wollte er eine für Ausländer verbotene und über 150 km längere Strecke durch die Wüste fahren, eben wegen der Kontrollpunkte. Ohne uns drin, würde er als Assuan-Taxe immer angehalten werden, da er ja eine gute Tour gehabt hat und die Polizisten ihren Anteil daran haben wollten, und er dann in Assuan höchstens noch die Hälfte seines Geldes in der Tasche hätte! Auf der Wüstenstrecke aber gab es keine Kontrollen! Obwohl Ayman 'nur' eine normale Taxe fuhr, bekam er den gleichen Preis von uns wie für einen Mietwagen, also 600 Pfund (etwa 65 Euro) und dazu noch ein zusätzliches Bakschisch für seinen tollen Service, was ihn sehr glücklich stimmte. Vor ein paar Tagen rief er mich über mein Handy an und bedankte sich noch mal und nannte mich 'My Friend'! Irgendwie war ich gerührt.

In Luxor hatten wir dann noch ein paar Tage, in denen wir dann hauptsächlich wieder auf Yussuf und Sabr zurückgriffen. Und auf unserer letzten Fahrt nahmen wir wieder den supernetten Sadr und Saids Mietwagen zum Flughafen von Luxor. Auf dem Weg dorthin bestand Sabr darauf, uns noch seine Familie vorzustellen. Und ich muss sagen, dass er wirklich der netteste aller Fahrer war. Und da wir wussten, dass er wirklich in einem extrem einfachen Haus wohnte und ganz sicher Geld brauchte (für all diese Menschen sind auch wir deutschen Taxifahrer eine Art Millionäre), bekam er zunächst einmal die 150 Euro für die Firma, dazu aber noch 500 Pfund, um ihm zu danken für seinen tollen Service und seine wirklich außerordentliche Nettigkeit. Das rührte ihn zu Tränen und er erzählte uns, dass bei ihm zuhause die Toilette seit 4 Tagen kaputt sei und er kein Geld hatte, diese reparieren zu lassen, nun aber würde er sofort seine Frau anrufen und ihr die freudige Mitteilung machen. Und auch wir verabschiedeten uns von ihm als wirkliche Freunde. So verabschiedeten wir uns von Ägypten, vielen unglaublichen Ruinen und nervigen Bakschisch-Forderern, aber auch von einigen wirklich bemerkenswerten Fahrern unserer Profession, die wir natürlich, wie alles andere auch, ihn guter Erinnerung behalten werden! Hier Sabr und seine nette Familie:

 

Enden möchte ich mit einem Foto, das ich von Yussuf und seinem alten Peugeot an den Gräbern der Edlen in West-Luxor gemacht habe:

 

Und am Schluss möchte ich noch die Telefonnummern von Ayman und Sadr hier reinsetzen, denn sollte der geneigte Leser mal auf eigene Faust nach Ägypten reisen wollen (wie sonst?), so sollte er unbedingt auf den Service dieser beiden Fahrer zurückgreifen und sie natürlich von uns grüßen!

In Luxor (Westbank): Sadr: 0169577963

Und natürlich auf den alten Yussuf achten, den man wunderbar an seiner alten Peugeot-Limousine erkennt. Und dann unbedingt mit ihm fahren!

In Assuan: Ayman +20147878536 oder 0123090087