Links oder Rechts ?

Während meiner Reise durch's schöne Sachsen im September 2007 besuchte ich natürlich auch das schön restaurierte Horch / Audi / Autounion - Museum in Zwickau.
Neben vielen einfach wunderbaren Fahrzeugen fand ich dieses Flugblatt der Firma Audi, worin die Umstellung der Wagen von Rechts- auf Linkssteuerung begründet wird.

Also, Herrschaften: Niemals ein Auto mit Rechtssteuerung gekauft, denn das kann nur von Übel sein!

Und ich selber muß sagen, daß ich mal in Good Old Schottland einen Vauxhall gemietet hatte, natürlich mit Rechtslenkung. Und ich gebe zu, daß die Bedienung der Schaltelemente etc.pp. mit Links sehr unbequem und gewöhnungsbedürftig war. Damit also unsicherer!

Hier das Flugblatt:

Außerdem fand ich dort auch noch dieses Kuriosum, was natürlich auch uns Kutscher unmittelbar betrifft:

Immerhin zeigt mir mein Bordcomputer an, daß ich mich derzeit im Jahre des Herrn 2007 auch mit etwa 15 km/h am Tage durch die Stadt quäle, von dem Moment an, wo ich den Motor gestartet habe.
Welch ein Fortschritt!


Taxi-Geschichte Dresdens

 Jeder, der seine zarten Füßchen in die schöne sächsische Hauptstadt Dresden setzt, sollte neben der Frauenkirche und dem Zwinger auf jeden Fall in das Verkehrsmuseum gehen, das sich nur etwa 100 Meter von beiden Gebäuden entfernt befindet. Dort gibt es neben anderen spannenden Verkehrsmitteln auch ein wenig zum Thema 'Taxi' zu sehen. Z.B. ein alter Mercedes 170 aus den 30er Jahren und einen herrlichen DDR-EMW (Eisenacher Motorenwerke), über die ich nächste Woche berichten werde. Dazu noch einige schöne alte Taxameter und ein paar Fotos. Ich war dort im September 2007. Richtig spannend wurde es, als ich zwischen uralten Straßenbahnen eine noch viel ältere Sänfte entdeckte, die nun wirklich zu den Urgroßvätern unseres Gewerbes gehört! Und dazu ein paar Bilder und eine amtliche Ordnung für Sänftenträger.

Auf dem dazugehörigen Schild stand folgendes geschrieben: "Sänfte der Dresdner Ratschaisenträger-Gesellschaft (Anm. von mir: Schaise kommt aus dem Französischen von Chaise, was Stuhl bedeutet). Die erste Dresdener Sänftenträgeranstalt wurde 1705 vom Ratsherren Landsberger gegründet. Nach seinem Tod übernahm der Rat der Stadt selbst diese Einrichtung und führte sie bis 1877 weiter. In Dresden-Neustadt entstand 1719 eine zweite Portechaisenanstalt und 1720 das 'Institut der Schloß- oder Hofchaisenträger'. Die Ratschaisenträgerzunft hat sich am längsten erhalten. Aus ihr wurde eine Möbeltransportgesellschaft gleichen Namens."

Grundsätzlich gab es dieses 'Verkehrstransportmittel' natürlich schon im Altertum, aber damals waren die wohl in der Regel im privaten Besitz sehr reicher Leute, die sich, selbstredend ohne Entgeld, von ihren Sklaven darin herumtragen ließen. Später entstand daraus dann die hauptsächlich in Asien gebräuchliche Rikshaw, wo vor einem zweirädrigen Karren für meist zwei Personen ein Läufer rannte. Der bis heute im Einsatz befindliche Ersatz für die Rikshaw ist die Trishaw oder Fahrradrikshaw, die es in moderner Version sogar bis zu uns geschafft hat und für Touris Kurztouren anbietet.

Hier noch zwei Fotos, die uns das Innere der im Museum ausgestellten Sänfte zeigen. Es ist zwar verdammt eng drinnen, aber doch gepolstert und regensicher, und ich denke mir mal, daß genau das oft der Grund war, warum Menschen dieses 'neuartige' öffentliche Transportmittel benutzten!

 

Besonders aufregend wurde es, als ich auch noch eine 'Sänftenträger-Ordnung' aus dem Jahre 1705 fand, die nicht nur die Entgelte für die Träger regelte, sondern auch deren Wartezeiten und ihr allgemeines Verhalten. Z.B. den Konsum von Alkohol oder Tabaks! Damit dürfte es sich um die möglicherweise älteste Taxen-Ordnung zumindest im deutschsprachigen Raum handeln!

Ich habe den Text absichtlich nicht abgeschrieben oder in unser heutiges Gebrauchsdeutsch übertragen, weil es gut lesbar ist und nur im Original seinen wirklichen Charme entwickelt. Sollte jemand den Text nicht lesen können, kann er mir gerne eine Mail schicken. Dann lasse ich ihm eine Umschrift zukommen. Leider konnte ich bisher nichts finden, dem ich entnehmen konnte, ob diese 'Vergütungen' zu damaliger Zeit ein halbwegs ordentlicher Lohn waren. Aber vielleicht finde ich ja noch mal einen Hinweis auf Einkommen im 18.Jahrhundert.

 

Vor einiger Zeit fragte, noch im alten Forum, jemand an, ob man alte Taxen-Ordnungen besäße. HIER im Dresdner Verkehrsmuseum gibt es dieses herrliche Exemplar!

Als Fazit möchte ich unseren Zentralen doch wärmstens an Herz legen, diesen großartigen Service hier in unserer Heimatstadt wieder einzuführen! Natürlich auch zu den alten Entgelten, die doch wieder voll in unsere Zeit passen! Und kräftige Arbeitslose, die froh wären, diesen Job machen zu dürfen, stünden bestimmt Schlange dort. Oder, falls sich bei uns keine Träger mehr finden möchten, importieren wir diese Fachkräfte eben aus dem Land der Mitte.

 

Taxi-Geschichte Dresdens Teil II.

Hier nun der 2.Teil der Taxi-Geschichte Dresdens, die sich mit den motorgetriebenen Fahrzeugen beschäftigt. Neben der Sänfte und deren Geschichte bietet das Dresdner Verkehrsmuseum auch einen kurzen aber hoch interessanten Einblick in die pferdelose Historie (leider gibt es dazu keine Ausstellungsstücke) unseres Gewerbes in dieser schönen Elbmetropole.

Aber dann geht es auch schon motorgetrieben in die Zukunft!

Dresdner Taxi etwa um 1900

Und dann noch diesen Mercedes, der allerdings leider nur als Foto zu sehen ist. Ein Wagen des Typs 'Stuttgart' von 1927, der in Dresden 1971 restauriert und für Sonderfahrten eingesetzt wurde, z.B. Hochzeiten und Jubiläen.

In Hintergrund ist auch eine der ersten Dresdner Rufsäulen zu sehen, von denen eine auch im Museum steht. Und dann natürlich einer der beiden Stars der Sammlung: Eine Mercedes-Benz Taxe Typ 200 aus dem Jahr 1934. So etwas dürfte man außer dort im Museum nur noch selten zu Gesicht bekommen!

 

Zur näheren technischen Beschreibung komme ich später.

Hier zunächst noch ein paar Bilder, die sich mit der Geschichte des Gewerbes in der DDR nach dem 2. Weltkrieg befassen. Als nach dem Disaster versucht wurde, wieder ein Personen-Transportgewerbe aufzubauen, griff man, da Autos und vor allem Sprit rar geworden waren, wieder auf den alten Ackergaul zurück! Pferdedroschken versahen wieder ihren Dienst!

Aber nur kurze Zeit später wurden diese Transportmittel auch in der DDR durch modernere Fahrzeuge ersetzt, wie man deutlich an diesem Foto sehen kann. Ehemalige BMW-Wagen wurden in EMW (Eisenacher Motorenwerke) umgetauft und in den Taxen-Dienst gestellt. Einer dieser wunderschönen Wagen steht ebenfalls in diesem Museum.

Und hier das Traum-Exemplar in Realiter:

Jetzt möchte ich ein paar technische Daten zu den Ausstellungsstücken geben, die auf den Schildern angegeben wurden:

Zunächst die Mercedes-Taxe:

Hersteller: Mercedes Benz AG

Fahrzeugtyp: 200 (Weiterentwicklung aus dem 170er)

Baujahr: 1934

Motor: 6-Zylinder Viertackt mit 1961 ccm und 40 PS (29,5 KM) bei 3200 U/Min.

Höchstgeschwindigkeit: 95 km/h

Eigenmasse: 1425 kg

Kraftübertragung: Einscheibentrockenkupplung mit 4/1 Getriebe. Kardanantrieb auf die Hinterachse.

Besonderheiten: Einzelradaufhängung, Pendelachsen mit Schraubenfedern, Vierrad-Öldruckbremse.

 

Und dann der Star des ehemaligen DDR-Gewerbes:

Hersteller: IFA-Automobilfabrik EMW Eisenach

Typ: EMW 340-2

Baujahr: 1952

Motor: 6-Zylinder-Viertackt mit 1971 ccm Hubraum und 55 PS (40,5 KW) bei 3750 U./Min.

Höchstgeschwindigkeit: 115 km/h

Eigenmasse: 1200 kg

Kraftübertragung: Einscheiben-Trockenkupplung mit 4/1 Gang-Getriebe und Kardanantrieb auf die Hinterachse.

Besonderheiten: Lenkradschaltung, Zahnstangenlenkung, Einzelradaufhängung der Vorderräder und Drehstabfederung der Hinterräder.

Und nun noch ein paar Fotos, die die Innenräume beider Fahrzeuge zeigen.

Zunächst der Mercedes Benz von 1934:

Und nun der EMW 340-2 von 1952:

Wie wir alle sehen können, lassen diese Wagen das Herz eines überzeugten Kutschers höher schlagen! Man stelle sich mal vor, man stünde mit einem dieser Wagen heute an einem Taxenstand? Da würde der Bär toben! Und die Kasse klingeln! Allerdings würde ich mich fragen, ob unsere Behörde ein derartiges Fahrzeug zulassen würde.

Alte Taxameter im Dresdner Verkehrsmuseum