Taxis in Israel, 2023

 

Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel-Aviv fallen diese Hinweisschilder auf, die den Weg zu den offiziellen Taxen weisen. Die "schwarzen", privaten ohne Zulassung sollte man besser meiden. Polizei kontrolliert, dass sich nicht etwa illegale Taxis bereit halten, und dass die offiziellen Einsteigezonen eingehalten werden. Man hat die Wahl zwischen Sherut-Sammeltaxis und Individualtaxis. Letztere sind natürlich bedeutend teurer!

BEn Gurion Airport Taxis

Taxi-Einsteigzone am Ben Gurion-Airport

Taxis erkennt man in Israel an dem typischen gelben Dachschild. Manche Wagen haben zusätzlich Fähnchen auf dem Dach, die anzeigen, dass bestimmte Apps verfügbar sind, wie GETT. GETT ist eine weltweit operierende Bestellapp, gegründet von zwei Israelis. Auf dem Dachschild steht auch die Nummer des Wagens. Die Farbe der Wagen ist weiß, ggf. haben die Sherut eine teilweise orangene Folierung.

Taxi Dachschild Israel 

Nimmt man ein Sherut, sitzt man natürlich mit anderen Leuten (es sind etwa 8 Sitzplätze in den Autos), und es wird auch an den anderen Halteplätzen angehalten, die an der Route liegen. Viele Sheruts fahren eine feste Strecke. Auch fährt das Sherut erst ab, wenn alle Plätze besetzt sind! Will man an einen bekannten Ort, wie ich nach Jerusalem, ist das schnell geschehen. Das Gepäck wird allerdings mehr oder minder rüde einfach hinten rein geworfen, bzw. muss man es selbst werfen. Zerbrechliche Gegenstände sollte man also besser nicht in den Koffern und Taschen haben. Dafür kann man im Sherut gleich die ersten spannenden Bekanntschaften schließen - und naja, eben Geld sparen. Eine Fahrt mit dem Sherut vom Airport in Tel-Aviv nach Jerusalem-Altstadt kostet 66 NIS oder am Shabbat (Samstag) und Feiertagen auch schon mal 70. Der Fahrer wird beim Aussteigen in cash bezahlt. Wie man sehen kann, ist es eine neue Fahrzeugflotte.

Sheruts waiting Sherut

Wartende Sherut-Sammeltaxis am Airport

Preis am Fenster eines Sheruts vom Flughafen nach Jerusalem

Ich stieg in Jerusalem am Damaskustor aus, und musste den Rest meines Domizils zu Fuss zurücklegen - denn die Jerusalemer Altstadt kann nur in wenigen Straßen befahren werden! Viel zu schmal sind die Gassen, und überdies gibt es ja ständig Treppen. Die Einheimischen befahren die Altstadt mit Motorrollern, und auch dreirädrige Müllfahrzeuge gibt es,die jeden Abend ihre Runden drehen und den Müll einsammeln. Dann muss man sich als Fußgänger an die Wand drücken, sonst ist schon kein Durchkommen mehr. Die Neustadt ringsum ist natürlich für alle Fahrzeuge befahrbar. Es sei denn, es gibt Straßensperren, oder die Straßen werden überhaupt gesperrt, wie an Jom Kippur. Dann darf sich nichts mehr bewegen (kein öffentlicher Nahverkehr, keine Taxis, und aus Sicherheitsgründen die Sperren zur Altstadt mit dem muslimischen Teil. Man muss darauf achten, nicht irgendwo hängen zu bleiben. Auch in den für Autos zugänglichen Straßen haben es die Taxis wirklich schwer. Nicht nur die schmalen Gassen, der unebene Boden, sondern auch drängelnde Fußgänger und zahlreiche Katzen lassen oft nur Schritttempo zu.

Das bedeutet natürlich auch, dass man Taxis nicht überall hin rufen kann. Das gleiche gilt für andere Altstädte, wie Akkon. Egal, fußlahm der Tourist ist, er muss sich an einen Bereich bewegen, wo das Taxi fahren und halten kann, also zumeist heraus aus der Altstadt!

Taxi Jerusalem Altstadt  Taxi Jerusalem Altstadt

Taxis in der Jerusalemer Altstadt

Taxi Jerusalem Stadtmauer

Wartende Taxis vor der Altstadtmauer. Links einer der allgegenwärtigen schwer bewaffneten Polizisten und der Hinweis auf eine Straßensperre.

Da der öffentliche Nahverkehr mit Bussen und Zügen eigentlich recht gut ausgebaut, modern und sicher (mit Sicherheitsschleusen!) ist, kann man natürlich auch mit dem Nahverkehr herum kommen. Es sind meist die auch aus Deutschland allbekannten roten Züge. Leider sind sie eben - wie bei uns auch - vom Verspätungsvirus betroffen. Daher hatte ich mich für meinen Ausflug nach Akkon im Norden entschieden, wenigstens mit einem Taxi hin zu fahren, und nur mit den Öffis zurück. Es waren fast 180 km, und daher kostete es dann auch etwa 800 NIS. Dafür hatte ich einen perfekt Englisch sprechenden Fahrer, mit dem ich mich die ganze Zeit über Land und Leute unterhalten konnte. Die Überlandstraßen sind meist in einem Topzustand; es wird auch viel ausgebaut. Ich sah Brücken und Autobahnabschnitte im Bau. Östlich von unserer Strecke leider auch Abschnitte der Mauer zum Westjordanland. Natürlich gab es auch eine Baustelle und einen Unfall. Der Fahrer schimpfte, dass alle immer langsam fahren um zu glotzen... wie überall.

TAxi Autobahn Israel

Ein Taxi unterwegs auf der Autobahn

Anders als in Deutschland, wo Taxifahrer seit langem am Existenzminimum leben, geht es den Kollegen und Kolleginnen in Israel offenbar besser. Zumindest der Fahrer, der mich nach Akkon brachte, und der nur noch auf Bestellung mit Hotels zusammenarbeitete, schien ein gutes Auskommen zu haben: er hatte zwei Autos, und erklärte, im Monat mindestens 15.000 NIS generieren zu müssen, damit es sich rentierte. Er konnte sich ein Haus in guter Wohngegend leisten und seine beiden Kinder auf eine Privatschule schicken.

Schwierig ist es offenbar, eine Taxilizenz zu erhalten. Man muss einen schwierigen Test machen, und offenbar auch eine Art MPU mit medizinischer und psychologischer Untersuchung und Befragung überstehen. Auch eine Fahr-Überprüfung ist angesetzt, und die Fahrer müssen sich in der Technik des Autos sowie in Erster Hilfe auskennen! Alles ist enorm bürokratisch und es vergehen viele Wochen des Wartens zur Zulassung zu den Kursen und Tests, ganz ähnlich wie in Deutschland im Fall der Führerscheinprüfung!

In den Palästinensischen Autonomiegebieten/Besetzten Gebieten bin ich nicht unterwegs gewesen. Dort sind die Taxis gelb und haben ein grünes statt wie in Israel ein gelbes Nummernschild. Taxis aus diesen Regionen dürfen nur mit Spezialgenehmigung nach Israel fahren - und umgekehrt.

Auf dem Flughafen habe ich dann auch ein 1:43 Taximodell entdeckt. Leider reichte mein Geld nicht mehr, es zu erwerben. Ansonsten waren keine taxibezogenen Souvenirs zu sehen. Ach übrigens, Kamele und Esel, die jahrhundertelang als "Taxis" fungierten, habe ich nirgends mehr entdeckt.