Taxis in Süd-Korea

 

Es ist ja schon eine ganze Weile her, daß ich in Süd Korea war, nämlich von 1979 bis 1989, aber es wird Zeit, auch mal was über die Taxis und ihre Fahrer dort zu schreiben, denn ich glaube nicht, daß sich da wirklich viel verändert hat, wenn man mal von den Autos absieht. Außerdem ist es ja vielleicht auch ganz spannend, mal aus erster Hand zu lesen, wie das damals so war, wenn man in diesem Land in ein Taxi stieg.
Und das tat ich etliche hundert mal.

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Dieses Foto zeigt die Hauptstadt Seoul gegenüber des Rathauses (Sijong-Ap) Viele Taxis sind zu erkennen. Hauptsächlich Ponys 1 und 2.

Leider habe ich keine Fotos (Ich machte damals hauptsächlich Dias, von denen etliche im Keller meiner Mutter in Lübeck abgesoffen sind), so daß ich mir ein paar wenige aus dem Internet suchen mußte, die zu dieser Zeit passen (meinen Dank an die Fotografen).
Die meisten Fahrzeuge waren damals Hyundai Pony 1 und 2, die eigentlich Lizenzprodukte von Mitsubishi waren. Einen Pony 2 habe ich selber dort über etliche Jahre gefahren. Die meisten waren blau oder grün, es gab aber auch gelbe oder rote. Grundsätzlich waren alle Farben möglich, die in der Hyundai-Produktion vom Band liefen. Daneben gab es auch noch viele KIAs und Daewoo LesMans, die wie leicht veränderte Opel Kadett E aussahen, was nicht verwunderte, da Daewoo GM gehörte, genau wie Opel.

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Dann gab es zwei Arten von Taxis: Autos mit angestellten Fahrern drauf. Und welche, die von den Besitzern gefahren wurden.
Unterscheiden konnte man die an den Dachschildern. Die Ersteren hatten ein 'normales' weißes Schild auf dem Dach mit der Aufschrift 'Taxi' (oder auf Koreanisch 'Täk-Shi') in Schwarz. Die anderen hatten noch den Zusatz 'Kä-in' drüber, was übersetzt 'privat' bedeutet.

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Ein modernes Schild, auf dem 'Kä-In' steht.

Grundsätzlich waren schon damals alle Autos mit Uhren ausgestattet, aber es gab immer die Möglichkeit, ein wenig zu handeln, jedenfalls, wenn man nicht der erste Kunde war. Dazu etwas später.
Bestellen konnte man keine Taxen. Man stellte sich an den Straßenrand und versuchte, eines dieser Wägelchen zu ergattern, was in dem allgemeinen Verkehrschaos nicht ganz einfach war. Gelegentlich mußte man sich fast vor das Auto werfen, um es zum stoppen zu zwingen.
War die Taxe rein zufällig leer, also ohne Fahrgast, so schaltete der Fahrer die Uhr ein, die dann auch bis zu meinem gewünschten Ziel lief. Als Zielangabe nahm man in aller Regel einen Stadtteiil, ein berühmtes Gebäude, wie zB eine Uni oder ein 'Building', wie man in Ost-Asien die Büro-Hochhäuser nennt. Möglichst von einer bekannten Firma, da es sonst Probleme mit der Ortskenntnis der Kutscher gab.
Zumindest im Bereich von Seoul war diese ziemlich schlecht, wobei die kleineren Städte, wie zB Chuncheon, erheblich besser abschnitten, was aber veständlich ist. Dazu sei noch erwähnt, daß es nirgends in Asien, ausgenommen Hongkong, Straßennamen gibt.

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Wenn der Fahrer einen als 'We-Guk-Saram' (Ausländer) oder 'Mi-Guk-Saram' (Amerikaner) erkannte, wobei alle Europäer zunächst als Letztere eingestuft wurden, trat ein Phänomen auf, das immer wieder überraschte: Die Aussprache des Fahrzieles!
Schon sehr leichte Abweichungen in der Intonation konnten bewirken, daß der Fahrer so tat, als könne er absolut nichts verstehen! Ich muß allerdings auch zugeben, daß in den Sprachen Koreanisch oder Chinesisch schon leichte Abweichungen zu dramatischen Bedeutungsunterschieden führen können, zumal es da einige Konsonanten gibt, die unseren Zungen zunächst größere Probleme bereiten.
Das größte Verständnis-Hindernis ist aber, daß alle Ost-Asiaten, allen voran Japaner und Koreaner, der felsenfesten Überzeugung sind, daß ihre Sprachen die schwersten der Welt seien, also von einem Ausländer unter keinen Umständen gemeistert werden können. Da nimmt man als Kutscher also schon von vornherein an, daß der Zielwunsch völlig falsch ausgesprochen wurde, selbst wenn dem nicht so sein sollte.
Da erfordert es von Seiten des ausländischen Kunden erhebliche Geduld, bis es dann zu einer geistigen Übereinstimmung, was das Fahrziel betrifft, gekommen ist.
Wenn man sich dann geeinigt hat, geht es zügig in diese Richtung, wobei ich selten erlebt habe, daß der Kutscher absichtliche Umwege gefahren ist.


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Während der Fahrt geschehen dann allerdings seltsame Dinge. Bei jedem winkenden Menschen am Wegesrande stoppt er und fragt, wo dieser denn hin möchte. Paßt das Ziel, so darf dieser zusteigen, solange es Sitzplätze gibt.
Dieses nennt man 'Hap-Süng'! Der ursprüngliche Gast wird nicht gefragt, ob er das erlaubt.
Andererseits bin auch ich diverse Male auf diese Weise gefahren, und man ist froh, endlich ein Taxi gefunden zu haben, das einen mitnimmt.
Ist die Fahrt beendet, zahle ich als erster Gast den Preis, der auf der Uhr steht. Den rechnet der Fahrer dann mit seinem Chef ab.
Der Fahrpreis der anderen Mitfahrer ist Verhandlungssache und wird bar rübergereicht, wobei dieses Geld dann direkt in der Tasche des Fahrers verschwindet. Ob der Chef, der dieses natürlich kennt, auch daran beteiligt ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
In Rush-Hour-Zeiten kann es eigentlich nie passieren, daß man mal eine Taxe für sich alleine hat.
Und der Kutscher hat so die Möglichkeit, sein Einkommen drastisch aufzubessern.
Und die Kunden akzeptieren das, weil sie froh sind, weiterzukommen!

Schwierig war es, wenn man ein größeres Gepäckstück sein Eigen nannte, denn dieses konnte man damals nicht in den Kofferräumen verstauen, da diese von riesigen Gasflaschen gefüllt waren. Alle Taxen fuhren mit LPG (Liquid Propanol Gas) oder Propane, wie die Amis sagen. In unseren Landen nennt man das 'Autogas'! Man mußte also irgendwie versuchen, die Sachen auf der Rückbank oder seinen Knien unterzubringen. Mußte man die Rückbank nutzen, erzeugte das beim Fahrer natürlich unwirsche Reaktionen, da nun die Möglichkeit mit 'Hap-Süng' stark limitiert bis unmöglich gemacht wurde.
In solchen Fällen mußte man dann schon mal den Fahrer deutlich auf seine Transportpflicht (die es damals durchaus gab) hinweisen, was aber auch nicht immer zu wirklich freundlichen Reaktionen führte.

Für einen ausländischen, vor allem aber europäischen, Taxi-Kunden galt es aber auch noch andere Dinge zu berücksichtigen, die vor allem für einen Neu-Ankömmling und der lokalen Sprache nicht wirklich Mächtigen überraschend kommen können. Neben der sprachlichen Probleme, wie ich sie oben beschrieben habe, gibt es nämlich auch noch eine ganze Reihe kultureller Barrieren zu berücksichtigen. So ist es zum Beispiel nicht gerade glückbringend, wenn man bei einem Fahrer als erster Kunde seiner Schicht zusteigt und eine Brille trägt! Das bringt Unglück! Ebenso am frühen Morgen etwa pfeifen! Ein absolutes Nono in Korea! Selbst die Tatsache, daß man nun mal ein Ausländer ist, kann schon zu abergläubischen Reaktionen der Fahrer führen, wenn man der erste Kunde überhaupt ist.

Und dann war da noch das Problem des Anschnallens. Ich weiß ja nicht, wie das heutzutage ist, damals aber war es ein ziemlich heftiger Faux-Pas, wenn man sich anschnallte! Das galt nicht nur als extrem unmännlich, sondern war sogar unhöflich, weil der Fahrer das als Mißtrauen gegenüber seinen Fahrkünsten auslegte!
Ich hatte da einen ganz extremen Fall, wo der Kutscher sich weigerte weiterzufahren. Erst als ich ihm begreiflich machen konnte, daß ich zunächst einmal noch gar nicht wisse, wie er als Fahrer einzuschätzen sei, ich aber genau wisse, daß da draußen reichlich Idioten herumführen, die uns ja vielleicht in den Wagen krachen könnten, konnte er sich meiner Argumentation anschließen und beruhigte sich wieder. Außerdem erklärte ich ihm, daß wir uns in Deutschland IMMER anschnallen würden und auch müßten, so daß man das schon automatisch machen würde.

Und als ein Mensch, der es erst einmal aus der amerikanischen Ecke in die deutsche geschafft hatte, wurde man von allen Koreanern (also auch von den Kutschern) umgehend äußerst positiv bewertet, denn Deutschland hat da nicht nur einen soliden Ruf als Land von Bach und Bethoven (Klassik ist gerade bei den jungen Menschen sehr populär) , sondern auch von Nietzsche, der zwar in grottigen Übersetzungen aber immerhin von fast allen Studenten gelesen wird, was der Durchschnittsdeutsche keinesfalls von sich behaupten kann!
Und unser angebliches Organisationstalent und 'das Wirtschaftswunder' sind unausrottbare Mythen im 'Land der Morgenstille' (Chonson)! Neuerdings ist dann auch noch die Wiedervereinigung hinzugekommen, von der man in Korea träumt und an Deutschland bewundert.

In einem Online-Artikel einer westdeutschen Zeitung berichtete ein 15-jähriges Mädchen davon, daß sie von einem Taxifahrer mit 'Heil Hitler!' begrüßt worden sei. Das kann schon mal passieren, dürfte aber eher die wirkliche Ausnahme darstellen, verglichen mit den anderen oben genannten Geistesgrößen, und dürfte auf den ausgiebigen Konsum amerikanischer Kriegsfilme zurückzuführen sein, wo die deutschen Soldaten ja nur "Schnell! Schnell!" oder "Heil Hitler!" brüllen. Außerdem hätte ein ordentlicher Koreaner "Haiuru Hitülo!" gesagt, was der Art der Sprache geschuldet ist.

Ales in allem ist es in Korea recht unterhaltsam, sich unseren Kollegen dort anzuvertrauen.
Sollte aber jemand neu im Lande sein und mit der Sprache nicht zurecht kommen können, sei es, wie immer in fremden Ländern, empfohlen, sich von einem Einheimischen ein Zettelchen schreiben zu lassen, auf dem mein Ziel aufgeschrieben ist. im Fallen Korea nicht nur in der eigenen Schreibschrift Han-Gül, sondern auch in Han-Dsa, den chinesischen Schriftzeichen, da viele Ortsbezeichnungen chinesischen Ursprungs sind, also nur in der Schreibschrift oft doppeldeutig sind!

 

Und hier noch eine kurze Anleitung, wie man in Korea (Seoul) ein Taxi benutzen soll. Dieses stammt aus einem kleinen Heftchen, das zu den Olympischen Spielen 1988 in Seoul für die Besucher herausgegeben wurde.

Und vor einiger Zeit habe ich mal ein typisches koreanisches Taxi aus meiner Zeit das konstruiert und gebaut.

Ein Hyundai Pony 2. Wer es selber bauen möchte, kann den Bogen auf dieser Website runterladen.

Und nun gibt es noch eine kleine Ergänzung mit ganz neuen Fotos, die mein Töchterchen auf ihrer Reise nach Korea 2012 gemacht hat!