New York USA 2016

Im September 2016 waren mein Frauchen und ich endlich mal wieder in New York, denn beim letzten Mal konnten wir natürlich lange nicht alles ansehen, was es in dieser wahnsinnigen Stadt zu erleben gibt. 8 Tage sind nicht wirklich viel, aber besser als nichts. Und natürlich galt meine Aufmerksamkeit auch dieses Mal wieder unseren dortigen Kollegen, den alten und neu hinzugekommenen. Aber auch unsere notorischen Unkollegen, die Jungs von den Mietwagen und Hobbyfahrern, wie UBER & Co. sollten nicht zu kurz kommen. Und immerhin haben wir neben den 'normalen' Verkehrsmitteln wie U-Bahn und Bus auch öfters mal ein Taxi genutzt.Das ging gleich bei unserer Ankunft los, denn nach etwas Überlegen haben wir uns dann doch entschlossen, von Newark (der Flughafen in New Jersey) ein Taxi zu unserem Hotel am oberen Ende des Central Parks zu nehmen. Kaum nahe des offiziellen Taxistandes wurden wir von einem jungen Mann angesprochen, der uns fragte, ob wir ein 'Taxi' brauchen würden. Als ich das bejate, erklärte er uns, er sei ein UBER-Fahrer, woraufhin ich ihm erklärte, daß ich mit UBER nicht fahren würde, sondern NUR mit echten Taxis.

Hier mein erster Blick auf den Taxistand des Terminal B. Hier sah die Taxiwelt New Yorks noch einigermaßen 'normal' aus, denn die meisten der Wagen waren noch Ford Crown Victorias, wie man sie gerne erinnert.

Wie auch schon früher am Kennedy-Airport gibt es auch in Newark an den Taxiständen einen Einweiser, der kontrolliert, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Vor allem aber setzt er den Preis fest, den der Taxifahrer nehmen darf. Die Flughafentaxis dort haben nämlich keine Uhr und fahren nur nach vorher festgelegten Preisen.

Ich freute mich, daß auch wir mit einem Crown Vic fuhren. Ist ja schließlich nach dem berühmten Checker ebenfalls dort zur Legende geworden. Nachem wir unser Fahrziel genannt hatten, legte man im gegenseitigen Einvernehmen 66,- $ fest, was ein durchaus guter Preis auch für unsere Verhältnisse war, denn immerhin fuhren wir gut 45 Minuten. Dazu kamen allerdings noch 20,- $ für die Tunnelgebühr, denn ohne diesen zu durchfahren, gelangt man nun mal nur mit einem riesigen Umweg nach New York City. Wir bekamen eine Art Voucher, der allerdings nach der Fahrt vom Fahrer eingezogen wurde.

Unser sehr netter und professioneller Fahrer war auch gerne bereit, mir meine Fragen zu beantworten, wobei wir allerdings zunächst durch unterschiedliche Taxifarben auf seine berufliche Situation näher zu sprechen kamen.

Unterwegs fuhr nämlich vor uns ein weißer Crown Vic, der auch aus Newark kam. Hier vor uns und an der Einfahrt zum Lincoln Tunnel. Im Hintergrund ist das Empire State Building gut zu erkennen.

Auf meine Frage hin, warum es in Newark unterschiedlich farbige Taxen gäbe, erklärte er mir, daß die Taxis an den Terminals B und C gelb und die an A und D weiß seien, damit man sie besser unterscheiden könne. Diese Taxen haben NUR für die jeweiligen Terminals Konzessionen. Die dürfen auch nur am Flughafen fahren und nicht etwa auch in der Stadt.

Man müsse für eine Schicht 50,- $ Gebühren abdrücken, was früher noch erträglich war, jetzt aber, zu Zeiten UBERs gar nicht mehr ginge. Brauchte man noch vor gar nicht langer Zeit nur etwa 45 Minuten für eine Tour zu warten (wobei die meisten nach Manhattan gehen) sind es jetzt Wartezeiten bis zu 3 Stunden! Und da ja auch noch der Sprit vom Fahrer bezahlt werden müsse, käme man kaum noch über die Runden. Dazu kommen dann auch noch Mautgebühren der Autobahnen, die allerdings elektronisch gezählt und abgerechnet würden. In der Mitte des Fotos rechts sieht man das Transmittergerät für diese Kosten. Die direkten Tunnelgebühren mußten allerdings wir übernehmen, was ich aber völlig in Ordnung fand.

Nun war ich ja von meinem letzten Besuch gewöhnt, von ein paar Ausnahmen abgesehen, die eigentlich nur ein paar wenige Ford SUVs und ein paar GRTs (meist Chevrolet) beinhalteten, hauptsächlich Ford Crown Victorias zu sehen. Doch das Taxibild hatte sich, kaum daß wir auf New Yorker Boden waren, drastisch geändert! Eigentlich nur noch "Reisschüsseln", wo immer man hinblickte! Nur leicht unterbrochen von ein paar neueren Ford Escape Hybrid-SUVs, die aber das Bild nicht mehr prägten. Auf diesem ersten Foto allerdings täuscht das etwas, denn es sind gerade ziemlich viele von ihnen im Bild.

Eines allerdings darf man dem ersten Blick schon entnehmen: Die überwältigende Zahl der Taxen in NYC sind inzwischen Hybride! Meist aus Japan, aber eben auch ein paar aus den Staaten. Dreckschleudern, wie die Crown Vics gibt es eigentlich zumindest unter den Yellow Cabs kaum noch. Bei den Green-Cabs sieht man sie noch öfters, dazu auch ein paar Lincoln Town Cars. New York hat da schon ordentlich durchgegriffen und setzt auf hybride Fahrzeuge.

Und wie mir ein Kutscher erzählte, zeigt sich das eben auch drastisch in dem von ihm zu zahlenenden Spritanteil. Während er früher im Vic bis zu 35 $ pro Schicht abdrücken mußte, sind es heute bei einem Prius nur nach etwa 15,- $, was ja durchaus ein Unterschied ist.

Dazu noch eine nette Information am Rande: In ganz New York City gibt es nur 3 Tankstellen! Und mindestens eine davon hatte höchstens 4 Zapfsäulen, wie ich feststellte.

Aber auch die Piraten tauchten schnell auf. Egal, ob UBER oder von anderen Firmen. Die Geier lauerten an nahezu jeder Ecke.

Unser Fahrer war natürlich gar nicht gut auf diese Kameraden zu sprechen, denn er hätte 50% weniger Fahrten dank dieser unlizensierten Fahrer. Und er führte die offizielle Tolerierung (und ich hörte das noch etliche Male von anderen New Yorker Kollegen) durch die TLC (Taxi and Limousine Comission) darauf zurück, daß UBER viele Millionen an die klamme Stadt abgedrückt habe, damit die Beamten deren Wagen dort dulden würden.

Ich sprach ihn auch auf die in den letzten Jahren als Konkurrenz für UBER aufgebaute Flotte von Green-Cabs (Borro-Cabs) an. Und auch da schimpfte er ziemlich, weil er meinte, daß nahezu alle von denen inzwischen auch für UBER arbeiten würden. Dazu muß man feststellen, daß diese grünen Taxis kaum Regularien über sich ergehen lassen müssen und die Lizenzen (Medallions) sehr billig zu haben sind (ein paar hundert Dollar). Während noch vor wenigen Monaten der Preis für eine Yellow-Cab-Medallie bei fast 1,5 Mio. $ lag, war der Preis auf nahezu die Hälfte zurückgegangen, was etliche Groß-Unternehmer in den Ruin getrieben hatte. Im Bild eines der NISSAN NV 200 Taxis, die eigentlich als New York Standardtaxi ausgewählt worden sind, aber sich kaum durchgesetzt haben, ganz im Gegensatz zum Toyota Prius. Vorne auf der Haube die typische angenietete Medallion! Sie sind aber sehr bequem zum Sitzen und auch zum Besteigen! Da kann eine E-Klasse nicht dran klingeln.

Kaum im Hotel, konnte ich es natürlich nicht lassen, einen Blick aus dem Fenster zu werfen, um mal zu sehen, was sich da so auf der Straße unter uns in Sachen Taxis tat. Hier eine kleine Bildergalerie:

Aber auch die neuen GRÜNEN Taxis waren viel zu sehen. Diese Boro-Cabs (Stadtteiltaxen) waren von der TLC eingeführt worden, weil die Yelow-Cabs vor allem aus verkehrlichen Gründen kaum rüber in die Nachbarstadtteile fuhren. Sich manchmal sogar weigerten, dieses zu tun, weil sie Angst hatten, im Verkehr, vor allem auf den Brücken, steckenzubleiben und es drüben kaum zahlungskräftige Kunden gab. Deshalb gab es in den Borroughs kaum Taxen, was besonders übel war, da auch die anderen Verkehrsmittel dort nicht wirklich gut ausgebaut sind. Diese Lücke füllte dann UBER dramatisch und machte gute Umsätze. Die Boro-Taxen dürfen zwar überall in New York hinfahren, aber in Manhattan selber dürfen sie auf der Rückfahrt keine Fahrgäste aufnehmen. Erst ab der 110. Straße, nahezu dort, wo wir wohnten (97. Straße) war das erlaubt. Deshalb gab es ja auch in unserer Gegend so viele von ihnen.

Jedes dieser Taxis hat diese Restriktionen an der Seite stehen. Und sie werden diesbezüglich auch über GPS stark überwacht. Wenn die zum Beispiel in Manhattan einen Passagier aufnehmen und die Uhr einschalten, wird das festgestellt und sie bekommen eine heftige Strafe.

 

Und auch ein UBER-Wagen kam durch.

 

Jetzt noch ein paar Eindrücke aus dem heutigen New Yorker Taxileben:

Da die allermeisten New Yorker Kutscher sich eine eigene Medallie nicht leisten können, müssen sie die Wagen auf täglicher Basis mieten. Und auch da sehen die Preise durchaus ordentlich aus:

Mo und Di 122,- $ , Mi und Do 127,- $, Fr bis So 135,- $

Das muß man erst einmal reinfahren, denn die durchschnittliche Fahrt innerhalb Manhattans liegt so bei etwa 10 bis 15,- $ nach unseren eigenen Erfahrungen. Und wenn man, wie einer der Fahrer erzählte, eigentlich 'nur' in der Bronx wohnte, also einem weniger gut betuchten Viertel nördlich des Central Parks, etwa 2 - 2500 $ MIETE zahlen muß (ohne Heizung oder Strom), dann wird Einem klar, wie man malochen muß, um mit einer Familie über die Runden zu kommen. Da ist es dann kein Wunder, wenn UBER dort gar nicht gerne gesehen ist.

Hier sehen wir noch eine typische Garage, wo die Fahrer täglich ihre Wagen abholen, wobei es auch Fahrer gibt, die die Wagen inklusive der Medallien komplett gemietet haben und diesen dann wie ihren eigenen Wagen fahren. Allerdings konnte ich nicht in Erfahrung bringen, was das kosten würde. Und noch ein typischer Taxiwartestand.

Und einen Laden, in dem man Medallion kaufen oder verkaufen kann, sah ich auch. Früher war das Geschäft mit den Medallion eine verdammt gute Geldanlage, aber seit UBER sind die Preise drastisch runtergegangen. Das findet Herr Kalanik übrigens eine soziale Großtat!

Und hier noch mal eine typische Straßenszene auf der 5th Avenue östlich des Central Parks. Gesehen von einem Bus für Stadtrundfahrten und auf einer eigenen Taxifahrt.

Die meisten der SUV-Taxis sind für Rollstühle über die Heckklappe zugänglich.

Die Taxen sind in aller Regel sehr gut ausgestattet, wobei sie inzwischen auch größtenteils über Funk und über App vermittelt werden können. Dashcams sind auch in vielen Taxen vorhanden.

Von 'My Taxi' hatte dort allerdings noch kein Fahrer etwas gehört. Allerdings dürften die meisten Touren innerhalb von Manhattan einfach durch abwinken gefahren werden. In den Außenbezirken aber ist das sicherlich anders. 'Curb' heißt das dort genutzte System. Dazu kommt ein Multi-Informationssystem für den Gast, auf dem er nicht nur seinen momentanen Standort erkennen, sondern auch viele andere Daten abfragen kann, wie zum Beispiel den Fahrpreis, wie man mit einer Kreditkarte zahlt oder was seine Rechte sind.

Nun noch ein paar unserer Kollegen, mit denen wir fuhren. Eigentlich waren ALLE sehr professionel und extrem freundlich! Selbst ein Man aus Burkina-Faso, der erst ein paar wenige Tage fuhr, zeigte gute Ortskenntnisse. Allerdings sollen, was einige Fahrer beklagten, die einst schwierigen Eingangsprüfungen auch als Resultat von UBER, wo man ja überhaupt keine benötigt, stark erleichtert worden sein, was der bisherigen Professionalitär sicherlich nicht förderlich sein dürfte. Die Green-Cabs benötigen nahezu gar keine nachgewiesenen Ortskenntnisse.

Und nun noch ein paar Fotos der Yellow-Cab-Konkurrenz: Den Boro-Cabs. Offiziell aber wenig geliebt.

Und nun noch ein paar Fotos der legalen wie 'illegalen' Konkurrenz. Zunächst sind da spezielle Mietwagen für behinderte Menschen, die man sich wie ein Taxi bestellen kann und deren Fahrpreis stark subventioniert ist:

Und dann haben wir natürlich Shuttle-Busse, die zum Beispiel zwischen Manhattan und den Flughäfen verkehren. Währen eine Taxifahrt zum Beispiel von uns nach Newark etwa 90,- Euro kostet, sind es mit einem Shuttle 25,- $ pro Person, wobei keine weiteren Gebühren hinzukommen. Allerdings muß man oft weite Umwege in Kauf nehmen, da diese ja auch andere Passagiere von weiteren Hotels abholen. Wie bei uns sind das auch 8 Personen pro Bus.

Und dann das riesige Problem der mehr oder weniger legalen privaten Taxis. UBER macht überall drastisch Werbung. Sogar am berühmten Bügeleisen.

Aber die UBER-Konkurrenz schläft auch nicht und macht heftig Werbung um Fahrer, zum Beispiel würden sie keine 25 oder gar 30% Komission nehmen, sondern nur 10%, weshalb man mehr verdienen könne!

Und dann ist da noch die nettere Konkurrenz, die natürlich in solchen Städten nicht wegzudenken ist: Die Fiaker. Allerdings sind die nur um den Central Park herum zu finden, da die in der Regel dort drinnen herumfahren.

Und die Rikschas auch nicht zu vergessen:

Und zum Schluß dann noch die Wassertaxis. Allerdings sind diese weniger Taxis im Sinne, daß man sie persönlich anheuern kann, sondern eigentlich eher Linienschiffchen für die Touris.

Und dann seien noch die Souveniers erwähnt, die ich erstanden habe. Allerdings fällt bei denen auf, daß zwar wie immer die Taxis die Touri-Attraktion Nummer 3 sind, gleich nach dem Empire-State-Buildung und der Freiheitsstatue, aber man lebt da immer noch von den längst verschwundenen Checker-Taxen oder höchstens mal ein Crown Vic. Aber die neuen Taxen sind noch längst nicht in den Läden angekommen. Ich bezweifele mal, daß sie das je werden. Eine japanische Reisschüssel wird es wohl nie mit einem Checker oder Crown Vic aufnehmen können.

 


 

TAXIS! TAXIS! TAXIS! - Taxis in New York 2007

 

Im November 2007 traten meine Frau und ich die Kurzreise nach New York an, die ich in einem Preisausschreiben in der Hamburger Morgenpost gewonnen hatte.
Der Preis war ein Flug für zwei Personen mit Emirates nach New York und zurück. Und dann waren da noch drei Übernachtungen im 5 1/2 Sterne Hotel Ritz-Carlton am Battery Park (es gibt derzeit nur EIN 6-Sterne-Hotel in Dubai), genau gegenüber der Freiheitsstatue.
Schon der erste Blick aus unserem Fenster ließ mein Auge auf das Thema meines Interesse fallen: Die Taxis in New York! Schließlich versuche ich immer, etwas Neues und Spannendes über unser Gewerbe zu lernen, egal, wo ich mich auf diesem Globus befinde. Und New York ist nun einmal in jeder Hinsicht ein aufregendes Pflaster. Auch in Sachen Taxis!

Ergänzend zu diesem Beitrag empfehle ich noch meinen Aufsatz über Taxen in San Francisco, Los Angeles und Las Vegas weiter unten auf dieser Seite. Und dazu noch die Lektüre des Buches 'Taxi! Cabs and Capitalism in New York', von dem es in meiner Literaturliste eine Rezension gibt (unter Medien / Literatur).

Schon gleich am Anfang fällt einem auf, daß es auf den Straßen New Yorks nur so von Taxen wimmelt.

Manchmal hat man den Eindruck, überhaupt nur noch Cabs zu sehen. Laut Aussagen eines Kutschers gibt es dort etwa 15.000 Wagen mit 'Medallions', d.h. legal konzessionierte Wagen mit ausgebildeten Drivern.
Es gibt hauptsächlich Yellow-Cabs oder besser NYC-Taxis. Die gehören zwar Privatleuten, unterliegen aber einer einheitlichen Kontrolle durch die Stadtbehörden (TLC). Diese Fahrzeuge sind ALLE gelb-orange und somit deutlich für alle vom Normalverkehr zu unterscheiden. Die meisten tragen auch noch auf dem Dach einen Werbeträger und sind ohne Ausnahme gut zu erkennen. Sie haben immer keinen Funk.
Auch gibt es noch ein paar wenige Wagen, die einer Funkzentrale angeschlossen sind. Diese sind in der Regel weiß und erheblich teurer, als die 'normalen' Taxen. Mindestens das Doppelte!
Und dann sind da noch die schwarzen Limousinen, mit denen nur noch sehr gut betuchte Herrschaften fahren können. Eine Tour von Manhattan zum JFK-Airport kommt da schon leicht mal auf 250 Dollar und mehr!
Aber in der Regel gibt es genug Taxen, um immer eine zu bekommen. Sei es am Taxenstand oder durch Winken. Nur zu bestimmten Zeiten im Rushhour morgens und abends kann das zu einem Problem werden. Da muß man schon etwas Glück mitbringen, um relativ schnell eine Taxe zu bekommen.

Trotzdem ist das Cab neben der U-Bahn, die zwar wagenmäßig o.k. ist und sehr oft fährt, deren Stationen aber meist sehr dreckig sind, selbst am Grand Central, der wichtigste Träger des öffentlichen Nahverkehrs. In New York hat niemand ein Problem, mit dem Taxi zu fahren. Denn wer versucht, mit dem eigenen Wagen nach Manhattan zu kommen, es sei denn, er ist glücklicher Besitzer einer Tiefgarage, muß entweder verrückt sein oder einen unglaublichen Dusel haben, wenn er einen Parkplatz näher als 3 Kilometer zu seinem Ziel findet. Das ist wie ein 6er im Lotto! Und das wissen die New Yorker. Etwa 1 Million Menschen wohnen in Manhattan, aber 3 Millionen wollen dort täglich zur Arbeit und abends wieder nach Hause! Und DA spielt das Cab eine tragende Rolle!

Eben dadurch ist dieses Verkehrsmittel neben der Freiheitsstatue und dem Empire State Building eindeutig das dritt-wichtigste Symbol, was man in jedem Souvenier-Laden bestätigt bekommt. Es gibt fast nichts, wo es nicht ein Taxi drauf gibt: Vom Wandteller bis zum Kinder-T-Shirt, vom Automodell bis zum Knutschgummi, vom Stoffbären bis zur Weihnachtsdekoration!

 

Während früher - so in den 60ern und 70ern - das berühmte Checker-Taxi (DAS TAXI schlechthin im weltweiten Bewußtsein!) das Stadtbild bestimmte, ist es heute fast ausschließlich der Ford Crown Victoria. Man sieht nur wenige andere Typen, z.B. Mitsubishi oder ein paar Oldsmobile, die dann aber meist kleinere Vans sind. Der Ford kostet den Unternehmer in der Anschaffung etwa 19.000 Dollar in der Taxenversion mit Ausrüstung und Trennscheibe.
Dieser ist recht müllig verarbeitet, hat aber viel Platz für drei Personen auf der Rückbank und einen gigantischen Kofferraum. Der dürfte locker 4 - 5 mal so groß sein, wie der einer Mercedes E-Klasse!
Wenn man, wie ich, nicht ganz so gut zu Fuß ist, lassen die Kutscher einen aber nach freundlicher Anfrage gerne auch vorne sitzen, was deutlich besser ist, wenn man Wert auf Informationen über deren Gewerbe legt, denn von hinten durch die Trennscheibe ist eine Kommunikation wegen des Geräuschpegels nur sehr schwer möglich.

 

Nun aber zum Gewerbe selbst:

Wenn man sich entschließt, einen Taxenbetrieb aufzumachen, so muß man über ein nicht unnennenswertes Vermögen verfügen, denn beim Kauf einer 'Medallion' (Lizenz), die dann vorne auf die Motorhaube genietet wird, muß man 250.000 Dollar bei der Behörde über den Tisch schieben! Es gibt aber auch netterweise die Möglichkeit, diese zu mieten, was bedeutet, daß der Unternehmer 1.200 Dollar PRO MONAT abdrücken muß!
Tja, ihr lieben Unternehmer hier: Nicht jammern, sondern nur mal über den Großen Teich schauen!

Es gibt, ähnlich wie bei uns, Kleinunternehmer mit nur einem oder zwei Wagen - mit einem von denen, er war ein ehemaliger Ingenieur aus Usbekistan und sprach sehr gut Englisch, fuhren wir auf der Rückfahrt zum JFK-Airport über 90 Minuten - aber auch riesige 'Garagen' mit einigen hundert Fahrzeugen. Die Kleinunternehmer fahren meist selber ohne Fahrer, weil sie, völlig zu recht, befürchten, daß der 'Angestellte' mehr Schäden am Wagen verursachen würde, als was er tatsächlich einfährt. Allerdings darf man behaupten, daß die meisten Fahrer, woher auch immer sie stammen (meist aus Pakistan oder Bangladesh) eine sehr entspannte Fahrweise an den Tag legen, wie eigentlich fast alle US-Amerikaner. Allerdings läßt die Verkehrsdichte eigentlich auch nicht viel anderes zu. Ständig die Spur zu wechseln gilt dort nicht unbedingt als besonders gute Fahrweise!

Wenn man sich nun entschließt, aus welchen Gründen auch immer, ein Taxifahrer zu werden, egal ob als Unternehmer oder als Fahrer, so muß man eine spezielle Schule besuchen, die bis zu sechs Wochen lang ganztägig läuft. Dort gibt es Kurse in der Geographie der Stadt, in Verkehrsregeln und dem speziellen Recht, dem man als Cabbie dort unterliegt. Für Ausländer, und das sind die meisten Anwärter, gibt es dann noch spezielle Englisch-Kurse.
Am Ende gibt es eine Prüfung in allen diesen Fächern, wobei ich mir die Bemerkung erlauben möchte, daß Fahrer mit guten Englisch-Kenntnissen eher rar gesät sind. Vor allem, wenn man sich hierzulande darüber beschwert!

Hat ein Mensch diese Prüfung bestanden, so muß er noch ein polizeiliches Führungszeugnis beibringen und dann einen Gesundheitstest bestehen. Dazu gehört auch einer auf Drogen. Der normale Test muß alle zwei Jahre wiederholt werden, der Drogentest aber jährlich! Wird jemand mit Drogenresten im Blut erwischt, verliert er umgehend die Medallion oder seinen Taxenschein! Auf Nimmerwiedersehen!

Hat nur derjenige oder diejenige (nur sehr wenige) alles bestanden, kann er sich eine Lizenz erwerben (s.o.) oder als 'angestellter' Fahrer bei einer Garage arbeiten.
Das aber ist ganz schön tuff: Am Anfang der Schicht, die normalerweise von 5 bis 5 geht (manchmal auch von 4 bis 4) muß er erst einmal 130 Dollar an den Unternehmer abdrücken! Dazu kommen dann noch etwa 50 Dollar für Sprit (Regular = Normalbenzin = 82 Oktan). Diesel ist in den USA erheblich teurer als Benzin), was dem Durchschnittsverbrauch in einer 12 Stunden-Schicht entspricht. Der Unternehmer übernimmt gnädigerweise die Reparaturen etc.

In den Wechselzeiten ist es verdammt hart, in Dowtown ein Taxi zu bekommen, da ja schlagartig fast alle Wagen wie vom Erdboden verschluckt sind. Aber zum Arbeitsende sind sie dann alle wieder auf dem Asphalt.

Hat er alles dieses abgedrückt, kann er anfangen, Geld zu verdienen. Ab also etwa 180 Dollar Umsatz fängt für IHN das 'Geldverdienen' an! Alles, was darüber liegt, gehört dann ihm. Aber es gibt massenweise Schichten, wo er ohne Geld nach Hause fahren muß, weil die Umsätze einfach nicht mehr hergaben.
Aber wichtig ist in diesem System: Der Unternehmer bekommt IMMER seine Kohle!

Was die Fahrpreise anbelangt, so sind diese nach unseren Standarts eher moderat, auch ohne den hohen Eurokurs. Eine mittlere Tour vom Empire State Building zum Battery Park an der Südspitze Manhattans kostet etwa 20 Dollar bei ca. 30 Minuten Fahrzeit. Allerdings gibt es dort (natürlich) keine Karenzminute (der Unternehmer schüttelte bei diesem Gedanken den Kopf). Die 'Wartezeit' läuft schon bei geringer Geschwindigkeit im Stau!

Es gibt aber auch offizielle Festpreise. Zum Beispiel sind alle Touren vom / zum JFK-Airport nach / von Dowtown Manhattan mit 45 Dollar inklusive alles festgelegt. Wenn man schnell durchkommt, würde diese Fahrt auf Uhr den Kunden etwa 55 Dollar kosten, je nachdem, wohin er in Manhattan möchte. Immerhin eine Strecke von etwa 27 Meilen (45 km). Damit sind die Kutscher noch einigermaßen zufrieden. Aber wenn man, wie wir auf der Rückreise, völlig im Stau steckt, dann setzt der Fahrer dabei ganz klar zu, selbst wenn er eine Retourfahrt vom Flughafen in die Stadt bekommen sollte.
Die Wartezeiten für einen Wagen am Flughafen liegen dort im Schnitt zwischen 30 und 120 Minuten! Also auch nicht so wirklich prickelnd!

Für den Kunden sind diese Festpreise natürlich gut, da damit einem Betrug durch die Fahrer ein Riegel vorgeschoben wurde, aber für die Cabbies ist das nicht gerade toll. Das konnte ich nachvollziehen. Mir würde es ja genauso gehen!

 

Seine ersten Taxi-Erfahrungen macht der Touri natürlich meist am Flughafen. Man steht dort mit seinem schweren Koffer und fragt sich, wie man nun am besten zu seinem Hotel kommt. Es ist später Abend, man ist müde und möchte eigentlich nur noch zwei Dinge: Ein kühles Bierchen und dann ein weiches Bettchen!
Es gibt einen Shuttle-Bus nach Grand Central, dem ehemaligen Hauptbahnhof in Manhattan. Der kostet pro Person 12 Dollar. Von dort muß man dann mit der U-Bahn weiter, die auch noch mal 2 Dollar pro Person kostet. Also entscheidet man sich umgehend für ein Cab.
Auf dem Weg zum Taxenstand wird man mehrfach von 'illegalen' Fahrern angesprochen, die einem anbieten, sie in ihren Privatwagen nach Manhattan zu bringen. Oft zu Traumkosten! Als Profi-Touri weiß man das und winkt ab.
Man geht zum offiziellen Posten, wo ein Mann die Sache koordiniert. Dieser informiert einen auch sofort über den Preis, den man zu zahlen hat, winkt die Taxe heran und überwacht das Einladen des Gepäcks
Guter Service!
Natürlich gibt man dann dem Fahrer - obwohl in diesem Fahrpreis inbegriffen - noch ein Trinkgeld zusätzlich. Insgesamt haben wir auf der Hinfahrt 50 Dollar und auf der Rückfahrt 55 gelöhnt, weil dieser Kutscher so toll über unser Gewerbe berichtet hat.

Wie ich schon oben schrieb, sind die meisten Taxen schon recht ausgelutscht. Aber sie haben wenigstens ziemlich viel Platz im Font zu bieten. Da sollte Mercedes mal in die Taxenbau-Schule gehen!
Alle Wagen sind mit einer Trennscheibe ausgestattet (ich persönlich hasse diese), an der die Lizenz-Karte mit Fahrerfoto geheftet ist. Dazu gibt es noch Hinweise über die Rechte und Pflichten der Passagiere und Fahrer, die Identitäts-Nummer des Wagens und Beschwerde-Telefonnummern.
Zusätzlich dazu haben die meisten Wagen noch ein Kartenlesegrät und einen Bildschirm, auf dem Informationen zur Fahrt und über die Stadt laufen. Diesen kann man aber ABSCHALTEN, wenn es einen nerven sollte!
Die Wagen selber sind natürlich mit einem Taxameter ausgestattet und dazu noch, als Sicherheit, mit einem GPS-System, das der Polizei anzeigt, wo sich der Wagen im Notfall befindet.

Wie mir der Fahrer berichtete, war noch vor wenigen Jahren 1 Taxifahrer-Mord pro Tag (!) die Regel. Seit Bürgermeister Giuliani seine 'No Tolerance'-Kampagne durchzieht, haben sich die Verhältnisse überall, auch bei den Cabbies, normalisiert. New York ist heute nicht unsicherer als Hamburg oder Berlin. Das Schlimmste (Ausnahmen bestätigen natürlich, wie bei uns auch, die Regel), was einem Fahrer passieren kann, ist, daß ein Kunde an einer roten Ampel aus dem Wagen springt, natürlich ohne zu bezahlen. Giuliani tritt bei der nächsten Präsidentschaftswahl als republikanischer Kandidat an, unser Kutscher aber würde trotzdem demokratisch wählen, wie er mir gestand. Er neigte eher zu Mrs Clinton.
Interessant war in diesem Zusammenhang, daß die weiße Bevölkerung bei den Demokraten Obama favorisiere, während die Farbigen und Einwanderer Clintons Ehefrau begünstigen würden!?

Fazit: New York und Taxis sind eine untrennbare Einheit! Hat man müde Füße oder ist einfach zu faul zum Laufen, so winkt man sich ein Cab und ist gut aufgehoben. Jedenfalls im Normalfall.
Manchmal muß man sich an einem Taxistand in eine lange Reihe stellen und geduldig auf seinen 'Ride' warten, aber irgendwann ist es dann so weit, und man läßt sich in den Sitz fallen. Der Fahrer wird es dann schon machen!
So wie ich das sehe, ist Taxifahren heutzutage im 'Big Apple' genauso sicher wie überall in Europa. Und es ist immer eine gute Alternative zum Rest des Nahverkehrs!
Sogar auf dem Wasser fahren welche, allerdings eher zu touristischen Zwecken.

PS: Vielleicht ist euch auf vielen Taxi, auch auf den Modellen und der Spardose, die Blumendekoration aufgefallen. Hierbei handelt es sich um eine Aktion für 'Abandoned Children' (Ausgesetzte Kinder), was in New York ein riesiges Problem darstellt. Große Kaufhausketten und viele Bürger und Organisationen unterstützen diese Aktion. Auf diese Folien dürfen solche Kinder mit Filzer ihre Name schreiben! Ist eine tolle Aktion und sieht auch noch sehr dekorativ aus.