Dieser kleine Erlebnisbericht ist natürlich überhaupt nicht lustig, sondern mehr als nur erschreckend. Da er aber an Bord eines Taxis in Berlin spielt, möchte ich ihn hier trotzdem reinsetzen. Er stammt aus dem Buch: Unser Weihnachtsgeschenk.

Erich Kästner: Reichskristallnacht

Als ich am 10. November 1938, morgens gegen drei Uhr, in einem Taxi den Berliner Tauentzien hinauffuhr, hörte ich zu beiden Seiten der Straße Glas klirren. Es klang, als würden Dutzende von Waggons voller Glas umgekippt. Ich blickte aus dem Taxi und sah, links wie rechts, vor etwa jedem fünften Haus einen Mann stehen, der, mächtig ausholend, mit einer langen Eisenstange ein Schaufenster einschlug. War das besorgt, schritt er gemessen zum nächsten Laden und widmete sich, mit gelassener Kraft, dessen noch intakten Scheiben.

Außer diesen Männern, die schwarze Breeches, Reitstiefel und Ziviljacketts trugen, war weit und breit kein Mensch zu entdecken. Das Taxi bog in den Kurfürstendamm ein. Auch hier standen in regelmäßigen Abständen Männer und schlugen mit langen Stangen “jüdische” Schaufenster ein. Jeder schien etwa fünf bis zehn Häuser als Pensum zu haben. Glaskaskaden stürzten berstend aufs Pflaster. Es klang, als bestünde die ganze Stadt aus nichts wie krachendem Glas. Es war eine Fahrt wie quer durch den Traum eines Wahnsinnigen.

Zwischen Uhland- und Knesebeckstraße ließ ich halten, öffnete die Wagentür und setzte gerade den rechten Fuß auf die Erde, als sich ein Mann vom nächsten Baum löste und leise und energisch zu mir sagte: “Nicht aussteigen! Auf der Stelle weiterfahren!” Es war ein Mann in Hut und Mantel. “Na hören Sie mal”, begann ich, “ich werde doch wohl noch...” – “Nein”, unterbrach er drohend. “Aussteigen ist verboten! Machen Sie, daß Sie sofort weiterkommen!” Er stieß mich in den Wagen zurück, gab dem Chauffeur einen Wink, schlug die Tür zu und der Chauffeur gehorchte. Weiter ging es durch die gespenstische “Nacht der Scherben”. An der Wilmersdorfer Straße ließ ich wieder halten. Wieder kam ein Mann in Zivil leise auf uns zu. “Polizei! Weiterfahren! Wird’s bald?”

Am Nachmittag stand in den Blättern, daß die kochende Volksseele, infolge der behördlichen Geduld mit den jüdischen Geschäften, spontan zur Selbsthilfe gegriffen habe.


 

KRUSES GEHEIMWAFFE

Vorsicht!
Für alle, die das nicht merken sollten: DAS HIER IST EINE SATIRE ! Entstanden im Mai 2007.


Endlich haben meine Spione in Billstedt herausgefunden, woran Jürgen seit Monaten hirnt und arbeitet, um das flaue Geschäft für seine 311er etwas aufzubessern!
Die besten Klamotten-Designer wurden aufgerufen, ihre Vorschläge abzugeben! Nichts war ihm dafür zu teuer!
Nun endlich liegt das Resultat all seiner Bemühungen vor!

Ab 1.Juli 2007 sollen und dürfen auf diesen Fahrzeugen nur noch Damen fahren, die in das neue Pflichtoutfit passen!
Ob ein I.Q.-Test durchgeführt wird, steht noch nicht fest, da Jürgen der Meinung sein soll, daß ein solcher eigentlich überflüssig sei!

Natürlich wird diese Errungenschaft die Unternehmer wieder ein paar Euronen zusätzlich kosten, aber Jürgen und sein Vorstand sind der felsenfesten Überzeugung, daß es einen Run auf die 311er geben wird!
Dafür darf einem einfach nichts zu teuer sein!

Mein Informant berichtete mir allerdings, daß es schon Proteste bei den normalen Genossen gibt, die ihre Wagen auch mit solch qualitativ hochwertigen Fahrerinnen ausrüsten möchten!

Ob es ähnliche Uniformen auch für die männlichen Fahrer geben wird, ist noch in der Diskussion.
Vor allem yellow, Johan, der Clown und Thoma sollen sofort dafür gestimmt haben! Ob sie diese dann auch selber im Dienst tragen würden, sollen sie nicht gesagt haben!

Jungs: Ab Juli sehen wir anderen Straßenratten wirklich alt aus! Wer will denn dann noch mit uns fahren! Selbst wenn wir uns ebenfalls derart einkleiden, wird das höchstens ein schrilles Gekiecher seitens der Kunden bewirken, bei unseren Adonis-Körpern?
Allerdings sehe ich das Problem, daß die Hansels ihre 2.Flotte dann auf mindestens 3.000 Fahrzeuge aufstocken müssen, um den Andrang zu bewältigen. Aber das würde ja reichlich zusätzlichen Cashflow bedeuten, den man gut gebrauchen könnte!



 

HANSA NO - Eine große Zentrale in Hamburg versucht, Molkereibetrieb zu übernehmen

 

Um allen Mißverständnissen vorzubeugen: Dieses IST eine Glosse! Entstanden Ende 2006.

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Unser Reporter für Wirtschaftsfragen meldet:

Heute wurde in Fachkreisen der Molkerei-Wirtschaft bekannt, daß eine große Elite-Zentrale aus Hamburg einen der größten Molkereibetriebe Norddeutschlands feindlich übernehmen will.

Noch wehrt man sich dort mit Schöpfkellen und wilden Milchkühen, aber der Große Vorsitzende der Zentrale, Jürgen Kr., hat bei seinen Genossen derart viel Geld locker gemacht, daß auch all die Kuhjungen, Melker und Milchmixer dieser Firma keine Chance haben werden, sich der Übernahme zu entziehen. Man scheint in Hamburg sogar bereit zu sein, ein Vielfaches des tatsächlichen Wertes dieser Firma zu berappen, da man diesen Betrieb haben möchte, koste es, was immer es wolle!

Der Grund für diese Übernahme soll nicht darin liegen, daß man einen üblen Konkurrenten (denn Taxis wurden dort bisher noch keine vermittelt, wie unser Reporter glaubhaft in Erfahrung bringen konnte), sondern der Name dieses Betriebes sein, der, so Jürgen Kr., in allen Regalen Norddeutschlands ausliegt, aber Anti-Zentralen-Propaganda macht!
Dieses paßt in keinster Weise zum Image dieser Genossenschaft, und erst recht nicht in die derzeit laufende Werbekampagne, wo den Kunden doch die hohe Qualität der Taxenvermittlung suggeriert werden soll!

Nun sind sich alle Lebensmitteltester darin einig, daß die Produkte dieser Milchfirma hervorragend sind, also mit dem Verständnis der Hamburger Zentrale eigentlich kongruent gehen sollten, aber eben der Name! Dieser kann und darf so nicht länger hingenommen werden!

Da der Molkereibetrieb freiwillig seinen Namen nicht ändern wollte, hat man sich in der Zentrale für eine Übernahme entschieden! Auf einer außerordentlichen GV wurde dieser Antrag Jürgen Kr.s einstimmig angenommen! Auch die Banken genehmigten umgehend einen größeren Kredit, da auch sie von der Schädlichkeit dieses Firmen-Logos überzeugt sind!

Wie unser Reporter Hugo Jogurt in Erfahrung bringen konnte, da Jürgen Kr. zu einem seiner seltenen Statements bereit war, soll die Traditionsfirma nicht etwa aufgelöst werden, sondern in den Pool der genossenschaftseigenen Firmen, von denen es doch schon etliche gibt, integriert werden.
Allerdings sollen, per GV-Beschluß, alle Genossen und deren Fahrer gezwungen werden, freiwillig nur noch Produkte des eigenen Betriebes zu kaufen und zu verzehren.

Und, was das Wichtigste ist: Der Name wird geändert!

Ihr Vertragswerbeunternehmen hat vorgeschlagen, dem Originalnamen das 'NO' zu entziehen, und stattdessen ein 'Yes' (Neudeutsch und damit fortschrittlich!) oder gar ein 'PRO' hinzuzufügen.

Die Genossen bevorzugen allerdings die erstere Namensvariante, da ein 'PRO' ja unter Umständen auch auf eventuelle PRObleme hinweisen könnte, obwohl man natürlich 'PROfessionalität' im Auge hatte!

Wir alle sind sehr gespannt über den Ausgang dieser Übernahme. Vor allem, weil die Bauern von Dittmarschen und Umgebung berühmt für ihre Dickköpfigkeit und ihren Starrsinn sind. Allerdings hat auch schon Jürgen Kr. des Öfteren bewiesen, daß ihm selbst krümmere Umwege egal sind, wenn er damit sein Ziel erreichen kann!



 

DIE DROSCHKE IN DEN GROSSSTÄDTEN

Von Viktor Ottmann, Magazin ,,Die Woche", Berlin, 20.Februar 1904

Mit freundlicher Genehmigung durch den "INNENSPIEGEL" Oldenburg / Old.


Wenn in unserer kongresslustigen Zeit einmal, um einem tiefgekühlten Bedürfnis abzuhelfen, ein internationaler Kongress der Droschkenführer stattfände, würden sich die Zuschauer nicht über Langeweile zu beklagen haben, denn es wäre höchst anregend, einen Berliner "Weisslackierten" mit einem Neapolitaner Vetturino, einen Wiener Fiaker mit einem Moskauer Iswoitschik, einen Londoner Cabby mit einem Pariser Kollegen über Scherereien der Fahrpolizei, die Knauserigkeit der Fahrgäste und den tödlichen Wettbewerb der mechanischen Verkehrsmittel debattieren zu hören.
Manches urkräftige Wort würde da fallen, haben doch die Kutscher der ganzen Welt von jeher die Treffsicherheit des Ausdrucks zu schätzen gewusst. Aber im Ernst:: Die Mietwagen und ihre Führer erfreuen sich heute keines goldenen Zeitalters. Immer enger schliesst sich um sie der Todesring von Dampfkraft und Elektrizität, von Fahrrad und Automobil, und vielleicht kommt wirklich in nicht weiter Feme der Tag, wo der letzte Hufschlag in den Strassen verhallt und unsere Städte pferdelos sein werden wie Venedig. Das wäre schade, denn die Mietsgespanne und ihre Lenker bilden zu charakteristische Erscheinungen des Strassenlebens, als dass man sie missen möchte. Der allgemeinen Gleichmacherei zum Trotz haben sie sich etwas durchaus Ur- und Bodenwüchsiges bewahrt; man kann sich einen Berliner Droschkenkutscher nur in Berlin, einen Wiener Fiaker nur in Wien denken. Sie gehören in ihrer Eigenart zum Stadtbild so gut wie ein architektonisches Wahrzeichen und bringen in ihrem Gebaren den genius loci so treffend zum Ausdruck, dass man getrost sagen kann: Zeigt mir eure Droschkenkutscher und ich will euch sagen, wer ihr seid
Lassen wir die Rosselenker kurz Revue passieren, und beginnen wir mit den Wienern, denn diese erfreuen sich ja eines altbegründeten Rufs. Sie fahren famos, das ist wahr, und halten auf gutes Pferdematerial; besonders die "harben Rösser" der eleganten "Gummiradier" sind durchweg ausgezeichnete Traber. Und da die ständige Benutzung eines derartigen "Zeugerls" eine ausgespickte Börse voraussetzt, so ist es kein Wunder, dass es an der schönen blauen Donau für fescher gilt, sich täglich im Gummmiradler zu zeigen als im eigenen Fuhrwerk. Leider hat eine unbegreifliche Laune der Weltordnung neben das Licht den Schatten, neben die Rose den Dorn gesetzt, und deshalb ist auch das öffentliche Fuhrwesen in Wien mit Eigentümlichkeiten verknüpft, die auf den Fremden befremdlich wirken. Die Verzwicktheit eines Tarifs, dessen dunkle Geheimnisse selbst der wienerischte Wiener noch nicht ergründet hat, lässt so viele Deutungen zu, dass der Tarif eigentlich nur dazu da ist, um ignoriert zu werden.

Wohl hat man eine Anzahl von "Komfortables" (Einspännern) mit Taxametern versehen, aber das Wiener Klima scheint diesen Apparaten nicht zu bekommen, denn sie funktionieren entweder gar nicht oder höchst merkwürdig. Es geht eben mit den Mietswagen wie mit manchen anderen Dingen im lieben Wien: das Publikum schimpft, die Behörden stellen Erhebungen an, die ewig "schweben", und es bleibt alles beim alten! Aber trotz seiner kleinen Schwächen erfreut sich der Wiener Fiaker einer Stellung, wie sie bevorzugter kein Kollege in der ganzen Welt aufzuweisen hat, einer Volkstümlichkeit, um die ihn mancher Minister beneiden könnte. Er ist der Held des Wiener Bänkelliedes, und alle denkbaren Begriffe des Feschen, Adretten, Schlagfertigen, Witzigen und Daseinsfreudigen verknüpfen sich mit seinem Namen. Sein hochentwickeltes Selbstgefühl stempelt ihn zum Gentleman vom Kutschbock, dem das feine "Klüsterl" und das tadellose Schuhwerk wie angegossen sitzen, einen plattkrempigen Zylinder oder ein leichtes Sommerhütchen schief auf dem Kopf, die unvermeidliche Virginia im Mund.
Übertriebene Eleganz kann man dem Berliner Droschkenkutscher nun gerade nicht zum Vorwurf machen, aber was Promptheit und straffe Ordnung betrifft, so marschiert das öffentliche Fuhrwesen unserer Reichshauptstadt sicherlich an der Spitze, und der fast durchgängige Gebrauch verlässlicher Taxameter lässt jede Übervorteilung ausgeschlossen erscheinen. Das Wagen- und Pferdematerial der "Erstklassigen" genügt allen vernünftigen Anforderungen, und nur die Gefährte "zweiter Jute" erinnern noch ein wenig an die alte gemütliche Zeit der Glasbrenner und Kaiisch.

Der Berliner Droschkenkutscher ist eine Figur von starker Originalität; etwas schwerfällig, mag sein, aber gutmütig, zuverlässig, ehrlich und mit einem warmen Herzen für seinen geplagten Gaul. Ob die neuerdings in vereinzelten Exemplaren aufgetauchten, eleganteren Hansomcabs sich auf Berliner Boden einbürgern werden, ist vorläufig noch zweifelhaft; dass die Kollegen sich über den hochthronenden "Himmelfahrtsaujust" lustig machen, kann bei der allgemeinen Spottlust der Rosselenker nicht wundernehmen.

Der Pariser Kutscher zeigt in seinem Äussern und in seiner Lebensphilosophie grosse Ähnlichkeit mit seinem Berliner Kollegen; er ist ebenso wenig stutzerhaft wie dieser, aber ein gewitzter Bonhomme, dem nichts so leicht imponiert, mit einer Sprechweise, deren aus der Tiefe eines Kutschergemüts kommende Drastik im Faubourg Saint-Germain allerdings undenkbar wäre. Im allgemeinen hält er die Taxpreise ein, nur bei grosser Nachfrage nutzt er die Konjunktur zu seinen Gunsten aus, dafür lässt er aber umgekehrt bei schlechtem Geschäftsgang erheblich mit sich handeln und fährt, wenn es sein muss, dann unter der Taxe.

Von der Seine flugs nach Russland! Wer in Moskau oder Petersburg schnell vorwärts kommen will, braucht notwendig Wagen oder Schlitten, und auf dem Land vollends mit seinen dürftigen Strassen hat das Pferd keinen Konkurrenten zu furchten, weder Fahrrad, noch Automobil, noch Elektrizität. Dazu kommt noch, dass die Prachtliebe der reichen Russen aus dem Privatfuhrwerk eins der auffälligsten Schaustücke macht; je schmucker die Troika, je feuriger das schellenläutende Dreigespann, je würdevoller und dicker wattiert der Kutscher, desto wohliger fühlt sich der glückliche Besitzer. In ästhetischer Hinsicht steht die Troika wohl an der Spitze aller Fuhrwerke, denn ihre Linien und die seltsame Art ihrer Bespannung sind von hervorragender Schönheit. Das mittlere Pferd geht zwischen zwei, von der bogenförmigen "Dooga" hoch überragten Deichseln im scharfen Trab, während die beiden Seitenpferde galoppieren, und zwar - so verlangt es der Troikafahrstil - mit nach aussen gewandten Köpfen. Es lässt sich denken, welche hohen Anforderungen eine so komplizierte Gangart an den Fahrer stellt, aber der russische Kutscher ist auch ein Meister seines Fachs, und selbst der gewöhnliche "Iswoitschik" , der Mietswagenführer, macht seine Sache gut. Besonderes Lob verdient die sorgfältige Pflege, die er seinem Pferd widmet: die Koseworte, mit denen er es anfeuert, wie z.B. "Fliege schneller, mein Täubchen! Beeile dich, mein Seelchen!" sind der Ausdruck einer naivgutmütigen Denkweise.

Naiv ist der Londoner oder New Yorker "Cabby" wahrlich nicht, dafür aber sehr selbstbewusst und von eiserner Ruhe. Mit erstaunlicher Sicherheit fährt er im dichtesten Gewühl der City; das, was wir "Nerven" nennen, scheint ihm etwas Unbekanntes zu sein. Gleich dem Wiener Fiaker liebt der Cabby das Gentlemanlike und ähnelt weniger einem Droschkenkutscher als einem Bürger, der zu seinem Vergnügen fährt.

Wie anders mutet uns da sein Neapolitaner Kollege an Stolz und Würde kennt der nicht, im Gegenteil, dafür ist er aber oft sehr zudringlich, um kein stärkeres Wort zu gebrauchen. Eine wahre Landplage, die dem Fremden schlimmer zusetzt als Moskitos. Der südländische Charakter eines Neapolitaner Mietwagens: die verwahrloste Kutsche, der noch verwahrlostere Kutscher und meist ein unansehnliches Pferdchen, das sich mit den kärglichsten Futterrationen begnügen muss.


 

Vorbemerkung von mir (Jörn Napp), dem Verfasser dieser beiden Satiren (Enstanden am 4.August 2003 und 30. Mai 2004):

Ich bin der Meinung, daß diese Geschichten nicht nur auf die Hamburger Verhältnisse passen, sondern
daß man durchaus auch in anderen Städten Parallelen zu ihnen finden kann.
Natürlich ist alles nur ironisch gemeint, aber die Realität ist hier in Hamburg dabei, die Satire einzuholen, so daß einem das Lachen manchmal schon im Hals stecken bleiben kann.

 


Lebenslauf eines Möchtegern-Hansa-Kutschers für die Bewerbungsunterlagen

 

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr.

Es ist mir nur zu gut bekannt, daß es dieses Jahr bei der Hansa-Funk-Taxi e.G. nur zwei zu besetzende
Fahrerstellen gibt, aber 3.675 Bewerbungen dem entgegenstehen. Ich weiß, daß man, um einen dieser
Posten zu erlangen, sich einer jahrelangen und strapaziösen Bewährungsprobe unterziehen
muß, der ich mich aber nur zu gerne stellen möchte.
Denn es kann und wird niemals ein höheres Lebensziel geben können, als in Ihrem Funk-System
aufopferungsvoll und entbehrungsreich dienen zu dürfen.
Damit Sie sich eine kleine Vorstellung über meine Person machen können, die Ihnen sicherlich bei der
Vorauswahl (und hoffentlich auch in der Entscheidung) dienlich sein wird, hier nun mein, von Ihnen
geforderter Lebenslauf.
Am Tage des Herrn 30.Februar 1945 erblickte ich in unserer herrlichen Heimatstadt Hamburg das Licht
der Welt. "Oh, Hammonia! Wie herrlich stehst du da!"
Da meine Eltern dem gutsituierten Bildungsbürgertum entstammten, hatte man für mich eine Karriere
als Rechtsanwalt oder Politiker ausersehen, auf die ich schon in jungen Jahren hin erzogen wurde.
Da aber beide auch überaus realistisch denkende Menschen waren, mußte ja auch damit gerechnet
werden, daß aus beiden Plänen nichts werden würde.
Es hatte sich bis dato schon über alle Landesgrenzen hinaus herumgesprochen, daß man als
Hansa-Taxi-Fahrer (vor allem als Angestellter) viel und gutes Geld verdienen konnte, waren beide zu
der Überzeugung gelangt, daß man dem hoffnungsvollen Sprößling durch hervorragendes Training den
Weg in dieses Metier offenhalten mußte. Wer kann schon von sich behaupten, derart vorausschauende
Eltern zu besitzen!
Im zarten Alter von 2 Monaten nach meiner Kiellegung setzte sich meine Mutter mit mir (ging ja auch
nicht anders) im heimischen Salon auf ein bequemes Sofa, legte eine Platte von Bach auf und rezitierte
die Funkordnung Ihrer Genossenschaft.
Als ich dann am obengenannten Tage lauthals verkündete, daß ich nun da sei, lächelte meine Mama
holdseelig und meinte, obwohl ich die Zusammenhänge natürlich noch nicht so wirklich verstand: "Mein
Sohn, wir sind stolz auf dich!"

Selbstverständlich wurde diese Erziehung systematisch fortgesetzt. Neben den großen politischen
Theoretikern, wurden mir als Gute-Nacht-Geschichte Paragrafen des Straf-Gesetzbuches vorgelesen, ich
aber verlangte immer wieder danach, das Personen-Beförderungsgesetz zu hören, die
Straßen-Verkehrsordnung wuchs mir derart ans Herz, daß ich hochrote Ohren bekam, wenn meine
Mutter mir deren Paragrafen zärtlich ins Ohr säuselte. Aber den durchschlagensten Erfolg erzielte sie
immer wieder damit, die Funk-Betriebs-Ordnung des Hansa-Funkes hervorzuholen, und deren
Paragrafen mit Inbrunst zu zitieren.
Welch ein Schauer der Erleuchtung kam über mich, der ich noch nicht einmal laufen konnte.
Mein erstes Wort, das über meine zarten Lippen kam, war nicht 'Mama' oder 'Papa', sondern 'Hansa'!
Meine Eltern erstarrten voller Ehrfurcht, als sie selbiges vernahmen, streichelten mir den Wuschelkopf
und verkündeten allen Freunden und Bekannten, daß aus diesem Jungen mal etwas werden würde:
Politiker, Rechtsanwalt oder Hansa-Taxi-Fahrer.
Mit drei Jahren wurde ich in die Obhut der Erzieherinnen eines Elite-Kindergartens gegeben, der meine
Eltern fast ihre ganzen Ersparnisse kostete.
Dieser förderte in hoch-kreativen Maße das Verkehrsverhalten des hoffnungsvollen Nachwuchses,
indem man den ganzen Tag lang mit kleinen Spielzeug-Autos durch eine Modell-Landschaft fuhr und
alle Tricks lernte, die ein guter Autofahrer mit dem Schwerpunkt 'Taxi' wissen und können mußte. Im
Garten dieser Institution gab es einen Verkehrs-übungsplatz mit Tret-Taxis, wo uns in völlig
lebensnah-realistischem Spiel das Verhalten als Hansa-Fahrer beigebracht wurde. Auch illegales
Bereitstellen und Kundenklau standen auf dem Programm, denn nur so konnte man es schaffen, sich bis
an die Spitze der Elite-Fahrer hochzuboxen.
Nach erfolgreicher Grundschule wurde ich im Christianeum aufgenommen, selbstverständlich im
Humanistischen Zug, den ich, ohne es betonen zu müssen, nur mit Bestnoten abschloß.
So besaß ich nach erfolgreichem Abitur nicht nur ein 'Graecum' und ein 'Großes Latinum', was mir, im
Falle einer Aufnahme in Ihre Genossenschaft sicherlich den Vorteil bringt, daß ich manchem
Doktoranden sicher und kompetent bei seinen Übersetzungen behilflich sein könnte.
Mehrere Auslandsaufenthalte ermöglichten es mir zudem aber auch, sechs europäische Sprachen
fließend zu erlernen, die ich dann später noch durch Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Tagalog und
Farsi erweiterte. Im Moment lerne ich Türkisch und Arabisch mit etwa 30 Unterdialekten, da man ja, in
Zeiten wie diesen, nie weiß, wann man diese Kenntnisse anwenden kann.
Während meiner Schulzeit, wie auch beim anschließenden Studium der Rechtswissenschaften, besuchte
ich immer wieder Lehrgänge, die sich mit Politik, Recht und Gesetz befaßten, wobei mir Urteile des
Hansa-Schiedsausschusses immer in ihrer unglaublichen Weisheit ein leuchtendes Vorbild waren.
Abitur selbstverständlich mit der Bestnote und einem 'Preis der Deutschen Studienstiftung', die mir ein
Studium an dem sündhaft teuren privaten Elite-College in Harvard USA ermöglichte, wo ich die
Graduate School als "Master Of Laws" mit 'Summa Cum Laude' abschloß. Auch meinen Doktor, den ich
hier in Hamburg absolvierte, machte ich mit obengenannter Note.
Leider verlor ich dann Ihren Funk für eine längere Zeit aus dem Auge und dem Sinn, da ich im
diplomatischen Dienst Karriere machte. Allerdings gehörte es zu meinen Hobbies, überall, wo ich
stationiert war, mich mit den lokalen Taxi-Geschäften auseinanderzusetzen.
Nach vielen Jahren diplomatischer Einsätze rund um unseren herrlichen Globus zog es mich aber wieder
in meine Heimatstadt zurück, wo ich in einer Partei, die das C in ihrem Namen führt, Karriere machte.
Als Abgeordneter des Stadtteils Blankenese zog ich in den Senat.
Ich arbeitete in der Baubehörde, wo ich endlich wieder mein Augenmerk auf Ihre Genossenschaft
richten konnte, durfte und mußte.
So gelang es mir, als einige Ihrer Herren ein wenig in der Bredouille steckten, diesen durch ein paar
gut plazierte Anrufe hilfreich in die Seite zu treten.
Leider kam der Tag der Wahl, und meine Laufbahn war zuende. Undankbar, wie der Pöbel nun mal ist,
hatte man mich auf die Straße gesetzt.
Aber da war ja noch die Alternative. Der Hansa-Funk!
Irgendwo war ich ja sogar dem Schicksal dankbar, daß es mir endlich die Gelegenheit, auf die ich doch
so unendlich lange gewartet hatte, bot: Bestand doch nun die Möglichkeit, Fahrer in dieser herrlichen
Genossenschaft zu werden!
Ich hoffe sehr, daß Ihnen meine Ausführungen bei der Vorentscheidung behilflich waren.
Aber ich kann, mit Fug und Recht, behaupten, daß Sie wohl kaum einen kompetenteren und
arbeitsfreudigeren Kollegen in Ihrem Team haben werden, als mich. Zumal ich selbstverständlich bereit
bin, mich ohne 'Wenn und Aber' unter die Rechtsprechung Ihrer Institution zu stellen, und alles zu
akzeptieren, was mir an Mühsal auferlegt wird.
Auch Gehaltskürzungen, kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld, würde ich klaglos hinnehmen.
"Zeit für 211211!" Hoffentlich bald! 168 Stunden die Woche!

Mir freundlichen Grüßen
Ihr Otto Hansi


 

Und nun die Fortsetzung:

Zum Nachdenken voraus:
"Personalführung bedeutet, daß man seine Angestellten so schnell über den Tisch zieht, daß diese die
dabei entstehende Reibungshitze als Nestwärme empfinden!"
(unbekannt)

(Nur um ALLEN Mißverständnis-Möglichkeiten und bierernsten Denkweisen noch einmal vorzubeugen: Es handelt sich hier um eine Satire! Wenn auch mit sehr traurigem und bitter realem Hintergrund!)

Ein Tag im Leben von Otto Hansi

Es erscheint mir immer, als ob der größte Tag meines Lebens erst gestern war: Die Überreichung
meiner Teilnehmer-Urkunde beim Hansa-Funk Hamburg.
Ich hatte es geschafft! Der Traum meines Lebens war in Erfüllung gegangen.
Zwei waren auserwählt. Einer davon war ich.
Da standen wir nun. Gesenkten Hauptes (unsere Gesichter spiegelten sich in den blank polierten Schuhen), den ergreifenden Worten des neuen Großen Vorsitzenden K. lauschend. Er sprach viel von 'klaren aufrechten Menschen, die in dieser Genossenschaft arbeiten' dürften und würden. Verantwortung und Opferbereitschaft spielten eine weitere wichtige Rolle. Fast drei Stunden dauerte die Ansprache, aber ich könnte sie noch heute Wort für Wort rezitieren, so tief ist sie in mein Herz gedrungen!
Dann kam der überwältigende Moment, an dem wir unsere Urkunden erhielten. In goldenen Lettern, auf echtes Bütten geprägt, die Bestätigung, die Gott und der Welt kund tat, daß wir nun zur absoluten Elite unserer Profession gehörten. Das wir alle benötigten Nachweise und Prüfungen (darunter auch die Ausbildungs-Akademie Hanseatica) mit Erfolg bestanden hatten. Daß wir nun Hansa-Kutscher waren!
Danach wurden uns unsere neuen Uniformen überreicht, an denen in goldenen Lettern 'Hansa-Funk-Taxi' prangte.
Und auf dem Mützenschirm '211 211'. Weiß Gott! Ich wäre vor Stolz fast abgehoben! Ein Zähre hatte sich mir in die Augenwinkel geschlichen vor übergroßer Rührung.
Schließlich überreichte Vorsitzender K. uns noch eine kleine goldene Schachtel, in der, wie er uns verkündete, die beiden wichtigsten Gegenstände seien, die von nun an unser weiteres Leben prägen würden: Zwei Uhren! Eine für den Nachttisch und eine, um sie am Arm zu tragen.
Bemerkenswerterweise gab es auf dem Zifferblatt nur die Nummern l und 2. Aber bevor ich mich darüber wundern konnte, erklärte uns Genosse K., was es damit auf sich habe: "Von nun an gilt nur noch '211 211', meine Herren, trotzdem werden Sie keinen der wichtigen Termine verpassen, da ALLES in diesen Uhren gespeichert ist, was für Sie von jetzt an eine Rolle spielen wird. Und diese Uhren gehen nicht einmal eine tausendstel Sekunde in 10.000 Jahren falsch! Dafür sorgt der Mutter-Rechner in der Zentrale!"
Man hörte uns beide erleichtert durchatmen, denn es war soooo schön zu wissen, daß man sich, von dieser Sekunde an, um nichts mehr Sorgen zu machen brauchte, da unsere Zentrale bestimmte, was wir zu tun und zu lassen hatten. Das war einfach zu schön, um tatsächlich Realität sein zu können!
Ich kniff mich in den Arm, um sicher zu sein, daß ich nicht etwa träumen würde.
Dann wurden noch die Hymnen der Zentrale und der Bundesrepublik Deutschlands intoniert, wobei alle aus froher Kehl und frischer Brust einstimmten. Ein unglaublich erhebender Moment ging zu Ende.

04. 32 Uhr (morgens natürlich!)
Gerade wollte ich mich noch einmal auf die andere Seite drehen, als der 'Wecker' begann: "Guten
Morgen, Otto! (Sogar persönlich wurde man angesprochen!) Ich hoffe, du hast gut ausgeschlafen? Dann
wollen wir sogleich dazu übergehen, uns auf den heutigen Arbeitstag einzustimmen! Zunächst die
Worte die Großen Vorsitzenden zum Morgen!
'Guten Morgen, Genosse Fahrer! Das Wetter ist zwar heute nicht sehr gut, aber die Tatsache allein, daß
du nun ein Hansa-Kutscher sein darfst, wird dir zur Erleuchtung und zum Wohlbefinden dienen! Mach
das Beste aus diesem Tag! Für die Zentrale und für dich!'
Der Wecker meldete sich wieder.
"Otto. Die Zeit der Ruhe ist vorbei! Steh bitte auf und begebe dich in deine Naß-Zelle, denn nur ein
sauberer Fahrer ist ein guter Hansa-Fahrer! Du hast genau 7 Minuten und 35 Sekunden Zeit dafür!"
Ich sprang auf. Voller Tatendrang und Energie!
Eiskalt rauschte das Wasser auf mich hernieder, ganz so, wie wir es auf der Akademie gelernt hatten.
Der Ausbilder hatte uns eingebläut, daß nur Schwächlinge Wasser benutzten, das wärmer als 7 Grad
Celsius war. Zähneputzen mit der hauseigenen Marke 'Strahler 211 211'."
Da meldete sich auch schon der Computer.
"Gut gemacht! Und nun aufs Laufband!" In den nächsten 15 Minuten lief ich in weltrekord-verdächtigem Tempo 15 Kilometer. Danach 50 Liegestützen und 25 Pferdsprünge. Am Ende noch das Hantel-Training und Gewicht-Heben, bei dem statt der Gewichte zwei japanische Hartschalen-Koffer Verwendung fanden, die je 125,63 kg wogen. Schließlich galt es ja, die Übungen so realitätsnah wie möglich zu gestalten.
Zum Frühstück gab es zwei Knäckebrotscheiben, dünn bestrichen mit etwas Margerine, denn es war geltende Volksweisheit, daß ein voller Magen nun mal nicht gerne arbeiten täte.
Wieder meldete sich der Wecker: "Fahrer! Packe nun deine Sachen und mache dich auf den Weg, denn dein Bus geht in genau 13,4 Minuten. Denke daran, daß du pünktlich um 6.00 Uhr im Zentral-Computer eingeloggt sein mußt!"
Nun hieß es aber ein bißchen hurtig! Mein Handgelenk-Gerät signalisierte, daß ich schon 4,92 Sekunden hinter meinem Zeitplan war. Ich griff mir meine, natürlich schon gestern Abend vorbereitete Tasche (selbstverständlich auch ein Geschenk der Zentrale, die das Leitmotiv des Hansa-Funkes zeigte: "Auf auf, Genosse! Es ist an der Zeit dich und deine Welt zu ändern!" Ron Hubbard

5.55 Uhr
Obwohl der Bus 3,12 Minuten Verspätung hatte, schaffte es mein Personal-Gerät, mir immer gerade die Abkürzungen zu meinem Fahrzeug zu nennen, die ohne große Staus und Ansammlungen von arbeitsscheuem Gesindel zu meinem Arbeitsplatz führten.
Dort stand er: Mercedes S-Klasse! Erst 2 Monate alt! Alles blitzte und blinkte! War er doch gerade erst aus der zentral-eigenen automatischen Wasch- und Reinigungs-Anlage gekommen. Der Staubanteil innerhalb des Wagens belief sich auf 0,00003 Mikro-Gramm pro Kubik-Meter Raum. Leider, wie mir sofort nach Einschalten des Computers, die Zentrale mitteilte. Aber da es knapp unterhalb der Toleranz-Grenze lag, bekam ich die Startgenehmigung.

Punkt 6.00 war ich eingeloggt, und bekam darob auch gleich ein dickes Lob ausgesprochen. Jeder andere Kutscher hätte nun vielleicht erst einmal alle seine Gebrauchs-Utensilien um sich herum verteilt: Frühstücksbrot, Schundroman und CD's, nicht so bei einem Hansa-Fahrer! Dieser hatte alle diese Dinge nicht nötig, da er vor lauter Arbeit sowieso nicht dazu kam, zu lesen oder gar Musik zu hören. Und was Essen? Ein leichtes Hüngerchen war ja zu verspüren, aber das mußte wohl so sein. Appetit erhöhte ja schließlich die Arbeitsmoral! Das wußte man schon seit den sibirischen Straflagern! Und sollte man wirklich mal länger als 5 Hansa-Zeiteinheiten an einem Posten verweilen müssen, so lag das kleine rote Büchlein schon griffbereit mit den 'Worten des Großen Vorsitzenden K.', das wirklich derart aufregend war, daß ich immer wieder hoch rote Lauscher bekam, obwohl ich es schon tausendmal gelesen hatte und jedes Wort zutiefst verinnerlicht hatte.

6.03 Uhr
Die erste Tour. Der Computer gab mir die Adresse des Kunden und die zu benötigende Zeit. Diese durfte nur mit 0,3 Minuten überschritten werden, da es sonst Strafpunkte gab, die auf dem Fahrer-Konto notiert wurden. Am Monatsende gab es dann eine Einkommens-Abrechnung, auf der auch die Bonus- und Strafpunkte aufgerechnet wurden, die dann, je nachdem was überwogt, zu einer kleinen Gehaltsaufbesserung führten oder zu deftigen Abzügen! Hatte man das Limit von Strafpunkten erreicht, wurde man speziellen Arbeits-Gruppen zugeteilt, die die Hunde-Schichten übernehmen mußten. Also diejenigen, die allseits besonders unbeliebt waren.
Aber ich schaffte es noch 8,94 Sekunden vor der Zeit, die die Zentrale dem Kunden avisiert hatte! Ich bekam einen Pluspunkt! Leute! Ich war überglücklich! Der Tag fing gut an!
Warnblinkanlage an! Ich riß die Tür auf, jumpte aus dem Wagen, wobei ich fast das Auto übersehen hätte, das gerade zum Oberholen ansetzte. Aber ein doppelter Rittberger seitlich über die Motorhaube rettete das Leben des kostbaren Hansa-Fahrers. Da zeigte sich der Nutzen des täglichen Trainings! Und, da ich weiße Glaze-Handschuhe zur Uniform trug, gab es auch keinerlei Kratzer auf dem Wagen was jede Menge Straf-Punkte nach sich gezogen hätte.
Ich klingelte. Der Summer ertönte und eine männliche Stimme machte mich darauf aufmerksam, daß man im 8.Stock wohnen täte und ich behilflich sein solle, denn leider sei der Fahrstuhl ausgefallen. "Natürlich! Selbstverständlich!" Allein diese Frage hätte sich eigentlich erübrigt, denn ein Hansa-Kutscher ist IMMER willens, bereit und in der Lage zu helfen!
8.Stock? Kein Problem für einen, der acht Wochen Trainings-Lager hinter sich gebracht hatte! 25 Sekunden später stand ich vor der Tür. Ein Bulle von Kerl öffnete. "Das Gepäck steht schon bereit!" Er deutete auf vier übergroße Behältnisse.
Dieses Mal mußte ich doch etwas schlucken, aber auch hier zeigte sich, wie vorausschauend die Zentrale mit dem Koffer-Training jeden Morgen gehandelt hatte. Je einen unter den Schultern und in den Händen ging es abwärts. Der Ochse und seine Dulcinea fröhlich lachend hinter mir her, wobei mich dessen Frage "Ist das Gepäck auch nicht zu schwer?" eigentlich hätte aufmuntern sollen.
Irgendwie schaffte ich es dann auch noch, die Türen des Fonts aufzureißen, bevor ich die Kisten hinten verstauen konnte. Meine Muckis erzählten mir, daß ich mein Training am nächsten Morgen noch intensivieren müßte.
Aber wenigsten war es eine gute Tour: Zum Bahnhof! Brachte immerhin 7 Euro 10!
Es gab zwar die alte Taxiregel, 'daß der Tag nur böse enden könne, wenn die erste Tour zu gut sei', aber ich ließ mich durch derartige Spökenkiekerei nicht ins Bockshorn jagen. Für einen echten Hansi gab es keine schlechten Touren!
Am Ende der Fahrt wuchtete ich die Gepäckstücke aus dem Wagen und schleppte sie, für einen Kutscher dieser Elite-Zentrale natürlich selbstverständlich, bis vor das Gepäckfach des Zugabteils.
Und er gab mir sogar Trinkgeld! Wow! Ganze 10 Cent! Ich war derart dankbar, daß ich den Kunden fast umarmt hätte.

Gegen Mittag geschah es dann! Zunächst nur ein leichter Überdruck, aber dann unumstößliche Wahrheit! Ich mußte mal für Kleine Jungs! Welch ein Desaster! Ich mußte einfach zuviel getrunken haben beim Frühstück! Das durfte nicht wieder vorkommen! Aber nun stand ich vor dem Problem: 'Wie abschlagen, ohne gegen die dafür genehmigten Pausenzeiten zu verstoßen?' Der Vorgang der Erleichterung würde, da war ich mir ganz sicher, mindestens 1,45 Minuten in Anspruch nehmen! Aber der Computer genehmigte nur 0,7 Minuten für diesen Vorgang! Bei Überschreitungen der Pausenlänge gab es erhebliche Strafpunkte! Außerdem hatte ich erst vor 36 Minuten eine Kurzpause von einer Minute eingegeben!
Großer Gott! Was für eine verfahrene Situation! Vielleicht sollte ich in Erwägung ziehen, mir morgens einen Katheter zu legen, wie ihn die Astronauten der früheren Apollo-Raumschiff in ihren Anzügen trugen? Ich beschloß, mir darüber heute Nacht während meiner Ruhephase darüber Gedanken zu machen.
Nun aber galt es zu handeln! Ich erblickte einen kleinen, von Büschen abgedeckten Parkplatz. Auto drauf, Tür auf und Reißverschluß runter! Ich ließ den Dingen freien Lauf, ohne auch nur eine Pause zu beantragen. Gerade, als ich die letzten Tropfen abschüttelte, rief mich der Computer: "Fahrer! Was haben Sie getan? Mitten in der Öffentlichkeit Ihren Bedürfnissen nachzugeben! Ein unendschuldbares Vergehen! 100 Strafpunkte und eine Nachschulung! Nächsten Sonntag um 12.15 Uhr in der Zentrale! Das darf doch wohl nicht wahr sein!"
Mist! Ich hatte vergessen, daß unsere Wagen ja mit einer Webcam ausgerüstet waren, um das Verhalten des Fahrers während der Schicht zu dokumentieren! Auch noch ein Zusatztraining! Das würde mich mindestens 200 Euro Gehaltsabzug kosten plus die Schulungs-Gebühren von 450 Euro! Und das am ersten Tag!
Ich mußte zugeben, daß ich etwas genickt war. Wie konnte ich so etwas wieder gut machen? Vielleicht sollte ich mein Leben geben für die Zentrale? Das würde sicherlich dazu beitragen, meinen guten Ruf wieder herzustellen.

17.55 Uhr
Fünf Minuten vor Schichtende. Der Computer listete nun alle meine Umsätze des Tages auf. Da sie dem Anspruch der Zentrale entsprechend recht gut ausgefallen waren, bekam ich ein kleines Lob, das aber bei der Auflistung der Bonus- und Strafpunkte gleich wieder eingezogen wurde. Insgesamt hatte ich 78 Malus-Einheiten auf meinem Konto hinnehmen müssen. Und das in nur einer einzigen Schicht! Gott und der Große Vorsitzende K. stehen mir bei!
Ich fuhr den Wagen noch vor die Wartungs-Anlage und stieg aus, wobei ich fast das 'Rote Büchlein' vergessen hätte, dessen Studium auf der Heimfahrt zwingend vorgeschrieben war.
Vielleicht sollte ich wirklich mein morgendliches Training noch erweitern? Vielleicht durch einen Yoga-Kurs für 'Positives Denken'? Die Zentrale bot so etwas an! Für nur 798 Euro!
Als ich in den Bus stieg fiel mir auf, daß der Fahrer gerade über Funk mit dem Mädchen in seiner Zentrale turtelte. Dabei kaute er hingebungsvoll an einer dick belegten Altländer-Metwurst-Stulle. Irgendwie machte sich in mir ein kleines Neidgefühl breit, aber es gelang mir, es erfolgreich zu unterdrücken.
Keine Schwachheiten, Junge! Du bist ein Hansa-Kutscher! Und der kennt so etwas Lächerliches und Erniedrigendes nicht!

21.00 Uhr
Mein Abend endete mit einer Erbauungsstunde des Selbstfindungs-Instrukteurs des Hansa-Funkes an meinem PC.
Und noch bevor mir meine Muckis und Augenlider mitteilen konnten, daß es Zeit für mich sei, ein wenig der Ruhe zu pflegen, meldete sich die Uhr:
"Lieber Otto! Damit Du morgen wieder fit zum Einsatz kommst, musst du nun die vorgeschriebene Ruhephase beginnen! Gute Nacht!"
Überglücklich rollte ich mich ein und träumte davon, eines Tages Großer Vorsitzender des Hansa-Funkes zu sein!



 

Ephraim Kishon: Das Fernsehtaxi. (aus: E. Kishon: Kein Öl, Moses?, 5. Aufl. Frankfurt 1991)

Auf den ersten Blick untersched sich das Taxi, das ich an der Ecke der Frischmannstrasse genommen hatte, durch nichts von den meisten seinesgleichen im Nahen Osten: ein wenig zerbeult, aber noch fahrbar, die Aschenbecher vollgestopft mit Nahrungsresten und Papierschnitzeln, an den Unterteilen der Sitzplätze fragmentarische Überbleibsel von Kaugummi, und auf den Sitzplätzen selbst, dort wo sich die von Zigaretten gebrannten Löcher befanden, ein paar hervorstehende Sprungfedern. Kurzum: ein ganz normales israelisches Taxi.Das einzig Ungewöhnliche war der Fahrer, ein stämmiger Bursche von vermutlich osteuropäischer Herkunft, nach seinem Profil zu urteilen. Ich urteilte nach seinem Profil, weil ich es deutlich sehen konnte. Er hielt es schräg, auch während der Fahrt, und sein Blick war starr nach untern gerichtet. Nach rechts untern. Auch während der Fahrt.

Plötzlich hörte ich einen vertrauten Staccato-Ton, ein kurzes, rhythmisches "tatata-ta-tata". Es war genau 21 Uhr.

"Was gibts im Radio?" fragte ich

"Keine Ahnung." lautete die Antwort. "Ich hab das Fernsehen an. Simon Templar."

Ich beugte mich ein wenig vor und sah ihm über die Schulter. Tatsächlich: zu seinen Füßen lag ein kleiner Fernsehapparat, über den gerade "Der Boß und die 40 Räuber" ihren Einzug hielten, tatata-ta-tata. Bild und Ton kamen verhältnismäßig deutlich, nur manchmal hüpfte der kleine Kasten auf und nieder, denn die Stadtverwaltung von Tel Aviv hatte sich endlich zu den überfälligen Reparaturarbeiten ihrer Hauptverkehrsadern entschlossen. Als wir die Ben Jehuda-Strasse entlangholperten, streckte der Boß einen intellektuellen Schurken zu Boden und umarmte seine weibliche Gefangene. Aber da nahte in einem Helikopter der dicke Spion.

"Setzen Sie sich schon endlich." sagte der Fahrer, ohne die Haltung seines Profils zu verändern. "Sie verstellen mir ja die Aussicht auf das Rückfenster."

Ich ließ mich widerwillig in den Fond fallen: "Wieso stört Sie das? Sie schauen ja ohnehin die ganze Zeit auf Ihre Füße."

"Das geht Sie nichts an. Ich kenne meine Fahrbahn, auch ohne sie ständig zu beobachten."

"Deshalb haben Sie gerade ein rotes Licht überfahren, was?"

"Pst.Sie kommen....."

Meinen neuerlichen Spähversuch begegnete der Wagenlenker auf höchst unfaire Art, indem er den Kasten in einen für mich unzugänglichen Winkel schob. Dabei sehe ich Simon Templar sehr gerne, noch lieber als die Bonanza-Serie. Auf unsicheren Rädern kurvten wir in den Nordauboulevard ein. Soviel ich hören konnte ging auf dem Bildschirm gerade ein wütender Kampf vor sich.

"Setzen!" herrschte das Profil mich an. "Das ist ein Mini-Apparat. Nur für den Fahrer."

Ganz knapp verfehlten wir in diesem Augenblick ein Moped in psychedelischen Farben, aber sichtlich noch ohne Fernsehapparat. Das Profil beugte sich zum Fenster hinaus. Sein Tonfall erreichte die Stärke eines mittleren Nebelhorns im Hafen von Haifa: "Wo brennts denn, du Idiot? Lern zuerst fahren, du Trottel! Willst du uns alle umbringen?"

Während das Kind auf dem Roller - nach kurzer Einschätzung der Körperkräfte seines Widersachers - eilends das Weite suchte, verschaffte ich mir rasch einen Blick auf den Bildschirm: Simon war gerade dabei, dem dicken Kerl, der den Mikrofilm bei sich trug, mit dem Revolver den Schädel zu spalten, mt der anderen Hand hielt er den Agenten der Gegenseite auf Distanz, und alles das in einem ziemlich rasch dahinschlitternden Taxi.

"Ein miserables Gerät", beschwerte sich das Profil. "Japanisches Fabrikat, kostet in Amerika 80 Dollar, aber hier verlangen sie 2000 Pfund. Nicht von mir, hehe. Da können sie lange warten. Mein Schwager aus Brooklyn hat's durch den Zoll geschmuggelt." Er schüttelte sich vor Lachen, hielt aber jählings inne, weil Simon soeben dem feindlichen Millionär in die Falle zu gehen drohte. Und weil das rechte Vorderrad auf den Gehsteig aufgefahren war, von wo es mit hartem Krach wieder die Fahrbahn erreichte.

Allmählich verlor ich die Geduld: "Warum, zum Teufel, fahren Sie nur mit einer Hand?"

"Mit der andern muss ich den Draht halten, sonst setzt der Empfang aus. Der Mechaniker hat mir gesagt, daß ich eine Art Antenne bin, wenn ich den Draht halte. Er lebt bei meiner Schwester. Schon seit zwei Jahren. Der Mechaniker. Ein feiner Kerl."

Wir glitten in einer Entfernung von höchstens eineinhalb Millimetern an einem langen schweren Transportlaster vorbei. Wenn das so weiterging, würde uns Simon noch in einen Unfall verwickeln.

"Das Gesetz," stieß ich zwischen zwei wilden Sprüngen des Wagens hervor, " verbietet Fernsehapparate in Personenkraftwagen!"

"Das ist eine Lüge. Sie werden in keinem Gesetzbuch eine solche Vorschrift finden. Hingegen ist es streng verboten, mit dem Fahrer zu sprechen."

"Warten Sie ab, die Polizei wirds Ihnen schon zeigen!"

"Polizei? Wieso Polizei? Simon muss immer alles alleine machen. Die Polizei kommt immer erst dann, wenn man sie nicht mehr braucht. Genau wie bei uns. Und dafür werden sie auch noch dekoriert. Erzählen Sie mir nichts von der Polizei, Herr."

Der Boß musste in eine entscheidende Auseinandersetzung geraten sein, denn das Profil starrte unbeweglich zu Boden. Wir fuhren im Zickzack. "Ein harter Junge, unser Simon. Läßt sich auch von den Weibern nicht drankriegen. Schmust mit ihnen herum, aber von Heiraten keine Rede. Hält sich fit, um die Gangster zu erledigen. Und wie er sie erledigt! Manche Leute sagen, daß er Glück hat. Aber in diesen Dingen kann man kein Glück haben...."

Doch. Manchmal kann man. Zum Beispiel wir, gerade jetzt. Obwohl der Wagen vor uns in rücksichtlos gleichem Tempo dahinfuhr, stießen wir nicht mit ihm zusammen. Seit der Boß dem Bombenräuber in einem gestohlenen Taxi nachjagte, hatte ich das unangenehme Gefühl, daß wir in eine entgegengesetzte Einbahnstrasse eingebogen waren. "He-!"

"Setzen!" brüllte das Profil. "Wie oft wollen Sie mir noch die Aussicht blockieren?"

"Sagen Sie mir wenigstens, was auf dem Bildschirm vorgeht!"

"Verrückt geworden? Was soll ich noch alles machen? Fahren - Draht halten - zuschauen - und erzählen?"

"Achtung!"

Bremsen kreischten. Dicht voreinander, in der allerletzten Sekunde, kamen mit ohrenbetäubenden Krach das Taxi und ein großer, dunkelroter Tanker zum Stillstand. Simon war wie durch ein Wunder unverletzt geblieben. Das Profil fuhr im Rückwärtsgang bis zur Ecke. "Genug!" sagte ich. "Mir reichts! Ich will aussteigen."

"Acht Pfund siebzig." Er nahm das Geld entgegen, ohne mich anzusehen. Geld war ihm gleichgültig. Was ihn interessierte, war Simon Templar.

Ich sprang auf die Strasse. Es war eine mir völlig unbekannte Gegend. "Wo bin ich? Das ist doch nicht Ramat Aviv!"

"Sie wollten nach Ramat Aviv? Warum haben Sie das nicht gesagt?" Und der Fahrer entschwand, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Er hielt ihn starr auf seinen japanischen Bildschirm gerichtet. Ein miserables Fabrikat, aber wenn man den Draht in der einen Hand hält, hat man einen leidlich guten Empfang.

 


 

Ephraim Kishon: Eine Geheimsprache für graue Zellen (Auszug) (aus: E. Kishon: Paradies neu zu vermieten, Bergisch-Gladbach 1998)

.......Ich bin nämlich senil. Das zeigt sich besonders deutlich im Zusammenhang mit Taxis. Ich benütze sie regelmßig, seit ich dahintergekommen bin, daß es billiger ist, mti dem Taxi zu fahren als mit eigenem Treibstoff. Überdies ist es bequemer. Man läßt sich wohlig in eine amerikanische Polsterung aus dem Herstellungsjahr 1954 sinken, bittet den Fahrer, das Radio auf leiser zu drehen, erfüllt seinen im Gegenzug unwirsch vorgebrachten Wunsch, nicht zu rauchen, und ist restlos glücklich.

Das heißt: man wäre es, wenn es die Funkverbindung mit der Taxizentrale nicht gäbe. Jedes Taxi verfügt über diese ensetzliche Einrichtung, die es der Zentrale ermöglicht, mit dem Fahrer Kontakt zu halten und ihm, wo immer er ist, bekanntzugeben, wohin er fahren soll. Das geschieht durch ein explosives Gemisch aus gurgelnden, knacksenden und krachenden Geräuschen, gegen die sich die menschliche Stimme nur sporadisch durchsetzen kann. In den schätzungsweise 800 Taxistunden,die ich hinter mir habe, ist es mir noch nie gelungen, auch nur ein einziges Wort zu verstehen - ausgenommen das stereotype "Zipp", mit dem jede Durchsage beginnt und endet. Ich mobilisiere meine gesamten Geisteskräfte, ich schliesse die Augen, konzentriere mich nach Yogi-Art und verbrauche Dutzende grauer Zellen - es hilft nichts. Ich verstehe kein Wort.

Nicht so der Fahrer. Er versteht alles, und anscheinend ohne die geringste Mühe.

"Zipp." höre ich vom Vordersitz her. "Grrr-klick-popocatepetl-kabunzu-krk-siebenbumbum-schruckluck-zipp." Das ist es was ich höre und nichts anderes. Der Fahrer hingegen hält sein Mikrophon an den Mund und sagt mit der allergrößten Selbstverständlichkeit: "Zipp-Mendel-vierdreissig Rothschild-in Ordnung-zipp."

Da ich auch mit dieser ruhig vorgebrachten Äußerung nichts anzufangen weiß, beuge ich mich zu meinem Fahrer vor und erkundige mich zaghaft, was ihm die Zentrale mitgeteilt hat.

"Diese Verbrecher!" antwortete er. "Sie haben mich für den Nachtdienst eingeteilt!"

Ich murmle etwas von "Unverschämtheit" und glaube zu spüren, wie einige hundert meiner Gehirnzellen, ihrer grauen Existenz überdrüssig, die Flucht ergreifen.

Manchmal habe ich den Eindruck, daß ich aus alledem etwas voreilig auf meine Senilität geschlossen habe. Vielleicht bedeutet dieses ganze draltlose Kauderwelsch in Wahrheit überhaupt nichts, vielleicht ist es nur eine Verschwörung der Taxifahrer, um uns minderwertiges Kundengezücht in Schach zu halten. Wir sollen an unseren klaren Sinnen zweifeln, wir sollen ausser dem Fahrpreis und dem Trinkgeld unsere Selbstachtung einbüßen.

"Zipp-grrr-schrunk-pk-wulz-schächter-zipp" sagt das Funkmikrophon. Und der Fahrer antwortet: "Mach's aus Gefälligkeit, Rina. Zipp." Dann wendet er sich halb zu mir um: "Überstunden soll ich ihr zahlen. Ich denke nicht daran."

"Recht haben Sie." bekräfte ich. "Sie ist nicht von der Zentrale?"

"Keine Spur. Schächters neue Freundin. Sind Sie schwerhörig?"

Ich bin entschlossen, diese geheimnisvolle Sprache zu erlernen. Auf meine nächste Taxifahrt nehme ich ein Tonband mit, um ein vollständiges Schächter-Programm festzuhalten, vom ersten Gurgeln bis zum letzten Zipp. Das lasse ich dann zu Hause ablaufen, wieder und wieder, erst ganz langsam, dann immer schneller, so lange, bis ich eines Morgens erwache und die Sprache der Tiere verstehen kann wie einst König Salomon. Vorausgesetzt daß mir noch einige graue Gehirnzellen verblieben sind.


 

Jerry Seinfield (US-Kabarettist) philosophiert über die New-Yorker-Cab-Kutscher (aus dem Internet)

"So, what's with the cab drivers in the B.O. (Anm.: Leider weiß ich nicht, was damit gemeint ist!*)? How long are their shifts? Do they ever stop, or they just get in the cab and just drive 'til they're dead?
That's what is startin' to smell like it in some of these cabs?
You are in the back there, and you're goin'. Oh, man! And than they give you....
And they have that cherry-stuff. That cherry-poppit on the dash. You know. You say: Get the cherry B.O.? Which is supposed to be some sort of improvement, I guess. I don't know. I can't imagine. Even fruits going that long without showering!
And the way they drive is so much, that you can see, they are upset. I don't know what is like to drive a cab. It must be very difficult, because they are very upset, these people. At some time you just wanna loan over your seat: "What is happening in your life? In your mind? What is making you drive like this? Take it easy!"
There is really a fine thing about New-York-cabs: You never get really that scared while you are in the cab. I don't know why, something about being in Manhattan. How matter how dangerous it seems, it's all quite amusing in the back of that cab, isn't it? He is flying around the road. He is doing 90 (miles/hour - Anm. von mir) up a one-way. I never tried that in my car! It's all a huge joke! It's your life!
And, somehow, it's all happening on TV! It's all not quite real!
The dummiest thing you can think in the back of a cab is what: I'm sure the man knows, what he is doing. Have you ever thought that?
He is driving fast and quite recklessly on all times! But, after all, he is a professional! I guess, he does that all the time. He's got a license. I see it all there!
I don't even know, what it takes, to get a cab drivers license?
I think, all you need is a face. This seems to be the big qualification! That's the law now: No blank heads are allowed to drive cabs! It also helps, to have a name with 8 consonants in a row.
What is that "O" with a line through? I don't remember that letter in school?
You need a "Chart of the Elements", if you want to report the guy.
"Yes, Officer, his name was Amal and than the symbol for 'Boron'. I believe. I had the "periodic Chart" with me at the time. I'm quite certain, it was not 'Manganese'!

(P.S. Ich erspare uns die Übersetzung, denn dann wäre das nur noch halb so witzig!)

*) Von einem Deutschen IN DEN USA bekam ich eine Mail! Offensichtlich hatte er diesen Beitrag gelesen. Er berichtete mir, daß 'B.O.' Bad Odor bedeuten würde, was nichts anderes als 'Gestank' heißt! Danke dafür!