HÄNDE HOCH !

Irgendwann im Sommer 2001 gab mein damaliger Chef mir den Auftrag, eine Gruppe Südländer mit meinem Großraumtaxi (Ford Transit) nach Kopenhagen zu bringen. Das sollte in zwei Fahrten stattfinden. Und der Preis sei schon abgemacht und vorher bezahlt. Für mich würden dabei pro Fahrt 300 M'chen rausspringen. Das war für damalige Zeit eine ziemlich gute Schicht, zumal natürlich die Kosten wie Fähre usw. von meiner Firma übernommen wurden. Bemerkenswert damals fand ich nur, daß man mir extra auftrug, NICHT über den Femarnbelt mit der Fähre zu fahren, sondern über die Öre-Sundbrücke, wobei die Strecke erheblich weiter war, als eben die mit der Fähre. Und auch die kostete damals fast genauso viel, wie die Fähre bei höheren Spritkosten. War aber nicht mein Bier, denn ich hatte mein Geld schon im Voraus bekommen. Und sein Wille ist der Menschen Himmelreich! Der Kunde ist König! Und mein Chef hatte mir das auch so aufgetragen. Sein Bier also!

Die erste Fahrt verlief auch völlig problemlos. Ohne jeden Zwischenfall erreichten wir den Kopenhagener Bahnhof, wo ich die Herrschaften, die keinerlei Deutsch oder Englisch sprachen, absetzen wollte. Diese aber signalisierten mir, daß sie das nicht so gerne hätten, sondern in einer kleinen Seitenstraße raus wollten. Auch hier dachte ich mir noch nicht so wirklich viel dabei. Aber auf der Rückfahrt, die ich nun natürlich mit der Fähre antrat, begann ich mir doch Gedanken darüber zu machen, ob es mit diesen Kunden nicht doch eine besondere Bewandtnis haben könne. Koscher kam mir das Ganze jedenfalls absolut nicht vor.

Am nächsten Morgen - abends sollte die zweite Tour stattfinden - sagte ich meinem Chef, daß ich der Meinung sei, mit diesen Kunden sei einiges ziemlich unkoscher. Er aber beruhigte mich und meinte, ich hätte ja schon mein Geld. Außerdem erschien mir die angeblich gezahlte Summe extrem niedrig für die lange Fahrtstrecke plus Brücken- und Fährenkosten!? Nun ja.

Also starteten wir gegen 20.00 Uhr die zweite Fahrt, zu der allerdings nur vier der angekündigten acht kamen. Mir war es egal. Nach einiger Wartezeit fuhren wir ab in Richtung Flensburg. Kurz vor der dänischen Grenze war ich plötzlich von mindestens 8 mit jeder Menge Blaulicht führenden Fahrzeugen umzingelt. Grenzschutz!

Reichlich Männer mit Maschinenpistolen rannten auf uns los. Ich kurbelte das Fenster runter und wollte fragen, was es denn gäbe, da schrie der Typ: "Hände auf's Lenkrad! Keine Bewegung! Die Papiere!"

Ich plinste in den Lauf der MP und fragte vorsichtig: "Wie soll das gehen, Wachtmeister? Meine Papiere liegen im Handschuhfach. Und da komme ich so schlecht an, wenn ich selbige am Lenkrad halten muß."

Dieser Argumentation konnte er sich anschließen und ließ mich meinen Paß und die Wagenpapiere hervorkramen. Meine Fahrgäste wurden aus dem Wagen geholt und gegen diesen gestellt. Ich ebenso. Dann wurden wir abgeklopft nach versteckten Waffen, wobei sie natürlich, zumindest in meinem Falle, nicht fündig wurden. Bei den anderen aber auch nicht. Dann wurden die Südländer in einen speziellen Raum gebracht, während ich in einem kleinen Zimmer warten mußte, das von innen her nicht zu öffnen war.

Nach etwa 3 Stunden führte man mich zu einem höheren Offizier der sich von mir noch einmal die Sachlage beschreiben ließ. Wie ich zu diesen Fahrten gekommen sei (die wußten auch von der ersten !?) und so weiter. Dann ließ man mich noch ein wenig warten, bis ich dann, nach etwa 6 Stunden wieder gehen konnte. Man sagte mir, es könne zu einer Anklage wegen Menschenschmuggels kommen. Allerdings war der Beamte schon so nett und meinte, daß es wohl in meinem Falle nicht so weit kommen würde, da meine Aussagen glaubhaft seien. Wenige Wochen später bekam ich dann ein Schreiben, daß das Verfahren eingestellt worden sei. Glück gehabt! Und mein Geld hatte ich schon im Voraus bekommen!

Allerdings kam auch mein Chef einigermaßen ungeschoren dabei weg, obwohl dieser doch mit denen sicherlich alle Bedingungen abgemacht hatte. Und wenig später las ich in den Hamburger Zeitungen, daß man in Allermöhe einen größen Menschenschmugglerring ausgehoben hätte! Die hatten wohl die Leute, und mich inklusive, schon die ganze Zeit unter Beobachtung gehabt.

*

Da es ja inzwischen noch mehrere ähnliche Fälle gab, wobei sogar Taxifahrer in den Knast wanderten (Die Dänen sehen das sehr viel enger als die Deutschen), kann ich nur jedem Kutscher dringend anraten, bei solchen Fahrten sich unbedingt die Ausweise zeigen zu lassen! Der Beamte damals sagte mir, daß ich sogar dazu verpflichtet gewesen wäre!

 


 

TAXENTAUSCH

Muß so etwa 1993 gewesen sein, als ich mal nachts in Blankenese mir die Reifen eckig stand. Es war absolut nichts los. Tote Hose, wie man auf gut Deutsch zu sagen pflegt. Da meldete sich plötzlich der Digitalfunk (damals noch Hansa) und gab mir eine Handy-Tour vom Campingplatz am Klövensteen.

Nun ja. Handy-Touren sind zwar nicht wirklich beliebt, weil die Kunden meist überall sind, nur nicht am verabredeten Platz, aber von einem derart abseits gelegenen Ort konnte man nicht so einfach per Fremdtaxe verschwinden. Dachte ich jedenfalls!

Ich war auch ziemlich zügig da, durfte dann allerdings feststellen, daß mein potentieller Gast und Tourenbesteller gerade dabei war, in Handschellen von einem netten Paar Laubfrösche (die Polizisten waren damals noch grün) in Handschellen abgeführt wurde. Und als ich mal kurz nachfragte, ob das mein Kunde gewesen sei, meinte der Polizist: "Wie es aussieht, war er das wohl. Wollte weg. Aber nun muß er das Taxi wechseln!"

Mir blieb also nur, zuzusehen, wie mein Fahrgast mit Blaulicht abtransportiert wurde, und konnte die ziemlich lange Anfahrt abschreiben.

 


 

WETTEN DAS ?

Ist etwa 3 Jahre her, da bekam ich in Eppendorf einen Herrn ins Taxi, der irgendwo in die Nähe des Marienkrankenhauses wollte. Ich überlegte kurz, ob ich links um die Außenalster oder doch lieber rechts herum fahren sollte. Ich entschied mich dann für die 'Strickmuster-Tour', wie ich diese Eins-links-eins-rechts-Fahrten immer nenne.

Dem Kunden war das aber gar nicht recht: "Ich fahre persönlich immer anders herum, und ihre Kollegen machen das auch."

Ich: "Was haben Sie denn bisher immer gezahlt, werter Herr?"

Er: "Etwa 16 Euro."

Ich: "ich bin überzeugt, daß es so kürzer ist, als unten herum. Wie wäre es mit einer Wette? Wenn wir bei mehr als 16 Euro sind, zahlen Sie gar nichts. Wenn wir aber bei weniger ankommen, zahlen Sie das Doppelte. Ist doch fair, oder?"

Er: "OK, da mache ich mit."

Als wir ankamen, stand der Wecker auf 15,20 Euro, und der Mann hat, obwohl ich es eigentlich nicht erwartet hätte, tatsächlich das Doppelte gezahlt und noch ein Trinkgeld obendrauf!

Er: "Das hätte ich nicht gedacht."

Ich: "Um ehrlich zu sein, war ich auch unsicher, aber ich hatte so das Gefühl."

Ein echter 'Sportsman' im britischen Sinne !

 


 

KAKI !

Noch ein Erlebnis aus der Perspektive des Gastes !

Es war im Frühjahr 1982, als ich mal wieder in Hongkong war, damals noch englische Kolonie. Wie üblich, bestieg ich an dem damaligen Kaetaek-Airport (gibt es inzwischen nicht mehr) ein Taxi, dessen Fahrer mich umgehend darauf aufmerksam machte, daß seine Uhr nicht funktionieren würde, und ob mir das etwas ausmachen würde.

Ich antwortete ihm, daß das schon ok sei, woraufhin wir unsere Fahrt vom Flughafen nach Downtown-Kowloon (Nathan-Road) aufnahmen. Ich war nun nur gespannt darauf, was er gedachte, mir abzunehmen, denn ich war diese Strecke schon öfter gefahren und wußte, daß der Fahrpreis bei etwa 25 Hongkong-Dollar stand, was damals etwa 15 DM waren. Für eine 30-Minuten-Fahrt! Er hätte so oder so etwa 50 von mir bekommen, wenn er korrekt gefahren wäre.

Am Fahrziel nannte der Kutscher mir als Fahrpreis 85 Hongkong-Dollar, was ich denn nun doch etwas überzogen fand. Und erzählte ihm, daß der Originalpreis eben besagte 25 seien, was ihn zutiefst erboste. Nach einigem Pöbeln stellte ich ihn vor die Alternative, entweder 25 Dollar oder nichts, wenn er nicht Ärger bekommen wolle, denn ich würde mich von ihm nicht bescheißen lassen.

Er aber schrie weiter lauthals, bis ich auf einen Mann an der Kreuzungsecke deutete, der dort in einer kakifarbenen Uniform mit kurzen Hosen und einem Hut stand. Ein britischer Polizist! "Laß uns beide diesen Mann dort mal fragen, was er von der Sache hält!" bot ich dem Fahrer an, woraufhin dieser etwas blaß wurde und nichts mehr sagte. Ich aber legte ihm 25 Dollar auf den Sitz und stieg aus. Er kam nicht mehr hinter mir her, sondern gab Gas und verschwand. Vielleicht war er bei dem nächsten Touri etwas vorsichtiger mit dem Betrugsversuch?

 


 

FEIGLING !

Mal ein Erlebnis aus der Sicht des Kunden!

Es muß so etwa 1985 gewesen sein, als ich in Seoul, Süd-Korea, einmal ein Käin-Taxi (Privattaxe) zum Namsan (Südberg) nahm, um zum dortigen Goethe-Institut zu fahren, wo ich Deutsch-Unterricht gab. Die Taxe war eines der üblichen zu der Zeit. Ein Hyundai Pony 1.

Ich nahm neben dem Kutscher auf dem Beifahrersitz Platz und schnallte mich an. Daraufhin pöbelte der Fahrer, ob ich denken würde, er sei ein schlechter Fahrer (ich muß dazu sagen, daß ich Koreanisch für den Hausgebrauch recht gut beherrsche).

Daraufhin versuchte ich, ihm klarzumachen, daß ich meine Meinung zu seinen Fahrkünsten erst nach der Tour abgeben könnte und würde, daß ich aber der Überzeugung sei, daß es da draußen jede Menge Idioten gäbe, die uns in den Wagen krachen könnten, und daß da mich der Gurt vielleicht schützen würde.

Auch wir haben ja in Hamburg und der BRD reichlich Kutscher, die dem tiefen Glauben anhängen, daß 'Sich-Anschnallen' ein Zeichen von Feigheit sei, aber dieser Kutscher beehrte mich die ganzen restlichen 30 Minuten der Fahrt mit keinem einzigen Wort mehr! Nun ja! Ich gab ihm trotzdem etwas Trinkgeld.

 


 

ANGST !

Vor vielen Jahren, muß so gegen 3 Uhr am frühen Morgen gewesen sein, stiegen drei Männer, alle so Mitte Dreißig zu mir in den Wagen und nannten eine Adresse irgendwo im Bereich Moorwerder an der Elbe. Mitten im absoluten Nichts. Ich muß zugeben, daß sich mir schon bei Nennung des Fahrzieles die Fußnägel hochkräuselten. Denn das war derart weit abseits der Zivilisation, daß jeder Notruf keinerlei helfende Wirkung haben würde.

Trotzdem bin ich ja ein service-orientierter Kutscher und fuhr los. Je näher wir unserem Fahrziel kamen, umso dunkler wurde es! Irgendwann standen wir vor einer langen Mole, die über keinerlei Beleuchtung mehr verfügte. Und meine Kunden wollten, daß ich da reinfahren sollte. Gerade wollte ich mich weigern, als einer von ihnen sagte; "Oh, Mist, Mann! Jetzt denkst du sicherlich, wir wollen dich überfallen, aber wir hätten dir vorher sagen sollen, daß dort hinten unser Binnenschiff liegt! Sorry, Mann!"

Ich muß zugeben, daß ich noch nie so erleichtert war, wie nach diesem Spruch. Und ein ordentliches Trinkgeld gab es auch noch! Aber es war das erste Mal, daß ich wirklich Angst in der Taxe hatte.

 


 

3 TONNEN

Als vor etlichen Jahren, ich fuhr damals noch den tollen Ford Transit, der Gemüse-Großmarkt Hamburg noch in den Deichtorhallen residierte, bekam ich von dort einen Auftrag für eine Botenfahrt, wie es oft vorkam. Es war so gegen 2 Uhr morgens, was bedeutete, daß ich natürlich nicht mehr so ganz frisch war. Umso mehr aber waren es die dortigen Händler und Einkäufer. Um es gleich zu sagen: Dort tobte der Bär! Irgendwo ein tolles Erlebnis!

Während ich versuchte, in dem Riesengedränge den Höker zu finden, bei dem ich die Waren abholen sollte, die ich zu transportieren den Befehl hatte, kam ich an einem Platz vorbei, wo gerade eine größere Partie Grünkohl versteigert wurde. Man hörte den Auktionator schreien, und etliche Käufer fuchtelten mit den Händen herum. Dabei muß ich, während ich mich ziemlich hilflos umblickte, ebenfalls meinen Arm gehoben haben, jedenfalls interpretierte der Auktionator meine Geste wohl so, daß ich die Partie Grünkohl erstehen wollte.

Ich bekam das Alles gar nicht so wirklich mit, bis mich ein Nebenmann darauf aufmerksam machte. Ich bekam natürlich einen gehörigen Schreck, wurde aber umgehend davon erlöst, weil ein anderer eine höhere Summe geboten hatte.

Während ich meine Waren abfuhr, überlegte ich, was ich mit 3 Tonnen Grünkohl hätte machen sollen? Selbst auf alle meine Kumpels, Freunde, Bekannten und Familie verteilt, hätten wir alle jahrelang nur eben dieses Kraut essen müssen! Ich liebe zwar Grünkohl, aber das wäre dann doch etwas zuviel des Guten gewesen!

Danach, bei der Pause im 'Downstairs', haben wir dann alle noch herzlich darüber gelacht, aber man sollte eben doch immer vorsichtig sein, was man mit seinen Händen so anstellt, weil man unter Umständen schlagartig 3 Tonnen Dinge an der Backe hat, die man eigentlich nicht bräuchte.

 


 

HAARSPRAY

In einer schönen Nacht, etwa um 1993 herum, gegen 2 Uhr früh, bekam ich von der Hansa-Zentrale den Auftrag, bei McDoof eine vorbestellte Portion Burger abzuholen und in den Grindelhof zu bringen. Adresse: Unser berühmter Filmbösewicht Horst Frank. Das Foto ist von 1988.

Für alle, die mit diesem Namen nichts anzufangen wissen, sei der folgende Link empfohlen:

http://www.lexolino.de/c,kultur_film_bekannte-schauspieler_deutschsprachige-schauspieler,frank-horst

Ich war auch umgehend bei dem Schnellrestaurant, wo man sich dieser Bestellung bestens erinnerte und mir auch sofort, gegen Kasse natürlich, zwei Riesentüten aushändigte. Insgesamt für etwa 25 DM.

Etwa eine viertel Stunde später klingelte ich an der Tür der Franks. Kurze Zeit später öffnete mir eine ziemlich heruntergekommen-aussehende Alte mit reichlich Lockenwicklern im Haar die Tür und fragte, was ich denn wolle? Ich erklärte ihr, daß ich die bestellten Burger mit mir führe und gedächte, sie eben hier abzuliefern. Da kreischte sie (es stellte sich später heraus, daß es die Frau von Horst Frank war), daß sie so ein eiskaltes Zeug nicht annehmen wolle. Sie habe schließlich Stunden gewartet.

Ich stellte fest, daß das Ganze nicht mehr als nur eine halbe Stunde vom Bestellen über Funk bis zur Lieferung gedauert habe, und daß ich nun die Zahlung der ausgelegten Summe erwarte. Sie wollte mir die Tür vor der Nase zuklappen, ich aber stellte meinen Fuß dazwischen und verlangte mein Geld und rief gleichzeitig nach dem Schauspieler Horst Frank. Sie aber griff hinter die Tür und förderte eine riesige Dose mit Haarspray hervor und sprühte mir damit ins Gesicht. Dank der Tatsache, daß ich Brillenträger bin, passierte nicht viel, aber ich war doch derart überrascht, daß ich meinen Fuß aus der Tür zog, was sie dazu nutzte, diese zuzuschlagen.

Da stand ich nun mit zwei Tüten nun wirklich kalter Burger. Ich ging zurück zum Taxi und berichtete der Funkerin (damals gab es noch den herrlichen Sprachfunk) von meinem Schicksal, was in der Zentrale größtes Mitgefühl auslöste. Man spielte mir noch einmal die Bestellung der Frau vor und dann noch die Beschwerde, die sie gegen mich im Volltrunkenheits-Zustand abgelassen hatte, von wegen versuchtem Einbruch und Nötigung. Da fiel mir nichts mehr zu ein. Die Funkerin hatte ihr gehörig die Meinung geblasen (heute würde sie beim Hansa Funk dafür umgehend entlassen werden), konnte aber eine Annahme der Burger nicht erreichen.

Aber zu diesen Zeiten hatte man ja noch Stil im Geschäft. Die Funkerin meinte, ich solle doch bei der Zentrale vorbeikommen (Damals noch im Borstelmannsweg). Die Nachtschicht würde mir gerne die Burger abnehmen. Und die Anfahrt bekäme ich von der Zentrale erstattet. So waren zwei Seiten glücklich: Die Mädchen bekamen etwas zu essen, was sie sich in der Mikrowelle aufwärmten, und ich erhielt sowohl das Geld für das Essen als auch die Anfahrt zur Zentrale ersetzt!

Danke, ihr Süßen! Das war sowieso eine tolle Zeit beim Hansa Funk! Horst Frank wurde damals aus der Vermittlungsliste gestrichen! Man stelle sich das mal dieser Tage vor! Heute würde der Kutscher wegen Brutalität am Kunden rausgeworfen!

 


 

MAMAS LIEBLING

Muß so 1995 an einem frühen dunklen Winterabend gewesen sein, als ich so friedlich am Katrepel stand, nichts Böses ahnend. Plötzlich öffnete sich die rechte hintere Tür und ein Knäblein bestieg meinen Wagen. Vielleicht etwa 14 Jahre jung und äußerlich eindeutig vom Typ 'Mamas Liebling', falls ihr begreift, was ich damit meine.

Er nannte mir ein Fahrziel in Brahmfeld, was damals eine etwa 40-Mark-Tour war, also durchaus ganz gut. Ich nahm natürlich an, seine Mama habe ihm das Geld gegeben, damit er gut und heil nach Hause kommen würde, wie man es ja des Öfteren erlebt.

Dieses Jüngelchen begann eine lockere völlig entspannte Unterhaltung mit mir über Gott und die Welt. Cleveres Kerlchen, wie ich feststellen durfte. Seine Eltern waren sicherlich sehr stolz auf ihren Sprößling!

Am Ende der Fahrt, in einer ziemlich dunklen kleinen Straße, forderte er mich auf zu halten. Kaum daß ich stand, riß er die Tür auf, sprang aus dem Wagen und spurtete um ein paar dunkle Bäume und verschwand aus meinen Augen.

Ich mußte mir eingestehen, daß meine Menschenkenntnis bei diesem Jungen vollkommen versagt hatte. Bei jedem anderen hätte ich mit so etwas gerechnet, aber bei diesem 'netten' Jungen niemals! Ich verbuchte diese Summe auf's Konto der Lebenserfahrung und vermerkte, daß aus diesem Jungen eigentlich nur zwei Dinge werden könnten: Ein Schwerverbrecher oder ein Politiker!

 


 

WINDFALLPROFIT

Mitte der 90er des letzten Jahrhunderts stieg auf dem Kiez ein betrunkener Zuhälter übelster Sorte bei mir in den Wagen und fragte, wieviel es nach Stade kosten würde. Ich sagte ihm, daß 120 Märker das Unterste seien, was ich anbieten könne, was durchaus der Realität entsprach.

Er akzeptierte meine Forderung, pöbelte aber die ganze Fahrt über herum, wie teuer das doch sei. Das ging mir ziemlich auf den Keks. Aber was erträgt man nicht alles, des lieben Mammons wegen?

Am Ziel der Fahrt, griff er in seine linke Hosentasche und förderte einen Haufen völlig zusammen geknüllter Scheine hervor. Dabei fielen ihm zwei Kugeln zwischen den Beifahrersitz, worauf ich ihn nicht aufmerksam machte. Schließlich fand er 120 Mark und machte sich, ohne Trinkgeld zu geben, davon. Ich aber gab Gas und parkte dann einige Ecken weiter, um mir die beiden Knöllchen näher zu betrachten. Es handelte sich dabei um zwei weitere Hunnis.

Ich hatte absolut keinerlei Gewissenbisse, diese beiden Scheine einzubehalten. So etwas nennt man im Ölgeschäft: Windfall-Profit!

 


 

WINDFALLPROFIT 2

Anfang der 90er stand ich am Bahnhof und bekam einen männlichen Fahrgast. Unsere gemeinsame Fahrt endete bei etwa 9 Mark und 80. Generös warf er mir einen Blauen auf den Sitz und verkündete beim Aussteigen: "Den Rest dürfen Sie behalten."

Als er etwa 15 Meter entfernt war, bemerkte ich, daß es sich bei diesem 'Blauen' nicht um einen Zehner, sondern einen Hunni handelte. Um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, stieg ich aus und rief hinter ihm her: "Sie haben mir zuviel gegeben!" Worauf er zurück pöbelte: "Ich hab doch gesagt, daß Sie den Rest behalten dürfen."

Nun ja. So verbuchte ich das höchste Trinkgeld, daß ich je für eine Fahrt bekommen habe. Und ich hatte überhaupt kein flaues Gefühl in der Magengegend, da ich diesen Mann ja auf die Tatsache aufmerksam gemacht hatte, daß der Schein möglicherweise ein wenig zu groß geraten war.

 


 

PFÄNDUNG

Irgendwann in den späten Siebzigern, als ich noch beim Hansa Funk fuhr, stieg eines nachts ein Mann zu mir in den Wagen und nannte eine Adresse, deren Fahrpreis damals bei etwa 10 M'chen lag. Kurze Zeit später erreichten wir unser Ziel, wo er mir dann frohen Herzens verkündete, er hätte kein Geld dabei, aber oben in seiner Wohnung habe er welches.

OK. Ich stieg also, gegen seinen erklärten Willen mit aus und begab mich in seine Wohnung, wo er, was hatte ich anderes erwartet, feststellte, daß er kein Geld habe. Er erwartete natürlich, wie fast alle Sünder dieser Kategorie, daß man nun aufgeben und kein Faß aufmachen würde wegen einer derart geringen Summe.

Ich sah mich um, ob ich irgend etwas entdecken könnte, was des Pfändens lohnen würde. Dabei fiel mein Blick auf eine kleine Holzkiste mit 6 Flaschen augenscheinlich guten Rotweines. Ich griff mir dieses Kistchen und erklärte ihm, daß würde ich statt dessen mitnehmen.

Er kreischte los: "Das kannst du doch nicht machen! Die ist viel mehr wert!" Da gab ich ihm Recht. Aber da er versucht hatte, mich zu betrügen, wäre das nur die normale Entschädigung für meinen Streß. Es gäbe nur die Alternative, zur Polizei zu gehen, was für uns beide für ziemlich viel Unruhe sorgen würde. Zähneknirschend ließ er mich damit verschwinden. Und ich stellte hinterher fest, daß ich einen ziemlich guten Deal gemacht hatte, da es sich um einen wirklich ordentlichen Tropfen gehandelt hatte.

 


 

TAKE IT OR LEAVE IT !

Muß so Ende der 80er gewesen sein, als ich eines Nachts einen Kunden in den Wagen bekam, der eindeutig aus dem Rotlich-Millieu entsprungen war und recht ordentlich getankt hatte. Er gab mir sein Fahrziel an, das nicht wirklich weit entfernt war. Dort angekommen standen etwa 10 DM auf dem Wecker.

Er begann, in seiner Hosentasche zu wühlen, nur um wenig später eine große Handvoll winziger Papierschnitzel zu Tage zu fördern. Der erste Blick bestätigte meine Vermutung, daß es sich dabei um gültige Penunse handeln würde.

"Paß auf, mein Bester! Ich habe leider kein Geld bei mir, nur diesen Haufen Schnipsel, die meine Freundin aus Zorn zerrissen hat. Das sind mindesten 60 Tacken. Take it or leave it!"

Da das Gesetz vorsieht, daß man Scheine zusammenkleben und bei der Bank einwechseln kann, solange man 2/3 davon hat und eine gültige Serienummer erkennbar ist, ging ich auf den Deal ein. Nach dem Motto: 'Wer das Risiko nicht liebt, liebt nicht das Leben!'

Am nächsten Wochenende haben dann mein Töchterchen und ihre Freundin sich einen langen Sonntag gemacht, und die winzigen Schnipsel zusammengepuzzelt. Dabei ergab sich eine Summe von 80 Mark! Die beiden haben dann am nächsten Tag die zusammengeklebten Scheine zur Bank gebracht, anstandslos das Geld bekommen und es sich schwesterlich geteilt. Die Kleinen waren natürlich sehr glücklich. Und ich auch, denn der Kerl hatte Wort gehalten.

Warum seine 'Frau' zu dieser brachialen Maßnahme gegriffen hatte, blieb leider ungeklärt.

 


 

GANOVENEHRE

Tja, so etwas gab es tatsächlich mal! Vor allem in Sankt Pauli rund um die weltberühmte Reeperbahn. Man betrog zwar, wenn möglich, die Gäste, aber nie Menschen, die zum Millieu gehörten. Auch keine Taxifahrer, denn die wurden von den Luden gebraucht!

Auch zwischen der Polizei auf der Davidwache (anders verhielt es sich damals mit der Wache in der Budapester Straße, wo eigentlich JEDER, der dort eingeliefert wurde, ganz aus Versehen die drei Stufen zum Zellentrack hinunterfiel). War ein Gast betrogen worden und erinnerte sich an Kneipe und Wirt, ging ein Beamter mit ihm, forderte den Wirt auf, die Knete wieder rauszurücken und ging wieder, wenn dieser das - meist aus freien Stücken - dann auch tat. 'Nice Try' wie der Amerikaner zu sagen pflegt.

Eines guten Tages fuhr ich zwei Zuhälter auf den Hans-Albers-Platz. Einer von ihnen ganz offensichtlich ortsfremd hier und mit den örtlichen Gepflogenheiten nicht vertraut. Der andere ein Ansässiger. Der zweite stieg schon ein wenig früher aus, weil er noch was zu erledigen hatte. Der Quitje (Zugereiste) aber stieg vor der Kneipe aus dem Wagen und ging weg, ohne abzudrücken.

Ich hinter ihm her. Ein Dockschwälbchen (leichtes Mädchen) fragte mich, was denn passiert sei. Und als ich es ihr erzählte, tippte sie sich nur an ihr hübsches Köpfchen. Ich also rein. Der schwere Junge saß im Kreise seiner Kumpels und grinste frech.

"Falls du noch nicht wissen solltest, wie man sich hier benimmt, werde ich dich aufklären: Man bescheißt hier keine Taxifahrer! Ich will mein Geld!" Seinen Kollegen war die Situation sichtlich peinlich, wollten sich aber wohl nicht einmischen.

Draußen lief die Uhr. Ich setzte mich an den Nachbartisch und wartete, was die Stimmung auch nicht gerade hob. Nach einer Weile kam sein Kollege herin, sah mich und fragte, was ich hier denn noch täte. Ich erzählte ihm mein Problem und er ging schnurstracks zu seinem Partner, raunzte ihn an, er sollte auf der Stelle einen Fuffi rausrücken. Auf die Frage hin, ob das reichen würde, nickte ich, denn auf dem Wecker standen etwa 25 M'chen. Und auch das Schwälbchen war froh, daß sich doch noch alles zum Guten gewendet hatte.

Heute würde ich so etwas garantiert nicht mehr machen!

 


 

KOPF AB !

Vor etlichen Jährchen fuhr ich einen ziemlich zweifelhaften Kerl, wohl aus dem damals um die Lange Reihe herum noch haufenweise zu findenden Zuhälter- oder Drogenhändler-Millieu in die Greifswalder Straße. Die ganze Fahrt über verhielt er sich völlig normal.

Als wir dann vor seinem Haus standen, zog er plötzlich eine riesige silberne Pistole (ob sie echt oder nur eine Atrappe war, kann ich natürlich nicht sagen. Machte aber einen verdammt realen Eindruck!) aus der Jacke und meinte grinsend: "Was würdest du sagen, wenn ich dir jetzt den Kopf wegblasen würde?"

Ich zögerte verständlicher Weise für den Bruchteil einer Sekunde und antwortete: "Natürlich nichts mehr!"

Da grinste dieser Knabe und meinte: "Bist ein dufter Kumpel!" Gab mir das Fahrgeld von etwa 9 DM damals noch und dazu ein 'echtes' Pfund (20 Mark in der Umgangssprache) obendrauf als Trinkgeld, stieg aus und verschwand im Hauseingang.

Hierzu noch eine kleine Erklärung für diejenigen, die sich darin nicht auskennen:

Ein Heiermann (5 DM). In unserem Geschäft war eine Heiermann-Fahrt ein gebräuchlicher Ausdruck für Kurztouren, wo einem der Gast eben ein 5-Mark-Stück in die Hand drückte, ohne daß man die Uhr einschaltete.

Ein Blauer (10 Mark Schein)

Ein Pfund (20 Mark Schein)

Ein Fuffi (50 Mark Schein)

Ein Kilo (100 Mark Schein)

Ein Riese oder auch Zentner (1000 Mark Schein)

 


 

EINE ECHTE LADY

Vor ein paar Jahren, als ich noch als Nachtfahrer die Stadt unsicher machte, fuhr ich mal am frühen Abend zwei Damen aus einer besseren Gegend Hamburgs, beide so um die 85 Jahre jung. Beide waren sehr gepflegt und machten einen intelligenten sympathischen Eindruck. Jede von ihnen hatte einen kleinen Scotch-Terrier dabei. So richtig mit Schleifchen und so.

Da ich mit Tieren aller Art in meinem Wagen kein Problem habe, wies ich die beiden nur darauf hin, doch die Feudel gut festzuhalten. Das ging auch ein paar Minuten gut. Dann aber begann der eine Wauwau im Auto herumzuhüpfen. Auch nach vorne auf den Beifahrersitz und wieder zurück auf Frauchens Schoß.

Ich wies die Frau freundlich daraufhin, ihren Hund bitte festzuhalten, denn ich dürfe, könne und würde dieses Herumhopsen nicht gestatten.

Daraufhin öffnete diese 'Dame' das Gehege ihres Gebisses und sagte ziemlich laut: "Sie sind ja vielleicht ein Arschloch!"

Ich muß zugeben, daß mir eine Sekunde lang die Sprache wegblieb, denn einen solchen Spruch hatte ich von diesem Fahrgast nun wirklich nicht erwartet. Dann erwiderte ich ihr: "Gnädigste! Meine Mama hat mir immer beigebracht, in jeder Lage den Damen gegenüber Geleemann zu sein und zu bleiben. Deswegen sage ich es Ihnen jetzt in aller Güte: Sie halten ihren verdammten Köter fest, oder er fliegt zusammen mit Ihnen aus dem Wagen! Und wenn Sie noch so einen Spruch ablassen, haue ich Ihnen Ihr Gebiß bis ans Zäpfchen!"

Daraufhin herrschte Ruhe und Ordnung in der Karre bis zum Ende der Tour. Und bei der Zentrale beschwert hat sie sich auch nicht.


 

GLAS !

In meiner Anfangszeit als Kutscher, so etwa um das Jahr 1970 herum, stand ich einmal mitten in der Nacht am damaligen Posten Christuskirche, der noch genau gegenüber dieser Stätte der Andacht war. Ich war mächtig müde, denn es war so etwa 2 Uhr in aller Herrgottsfrühe.

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, und ein junger Mann sprang in den Wagen. "Gib Gas, Mann! Ich muß hier weg!" Soweit war ja alles in Ordnung, denn diese Aufforderung hört man in meinem Gewerbe fast von jedem zweiten Kunden, aber dieser hier fiel dadurch auf, daß er, von einem Handtuch abgesehen, völlig unbekleidet war! Außerdem hatte er ein zweites Stoffstück um seine rechte Hand gewickelt.

Nun bin ich als ewiger Nachtfahrer ja einiges gewohnt, aber dieses war dann doch etwas außergewöhnlich. Ich behielt aber meine Ruhe und fragte ihn, wohin es denn gehen solle, und ob er Bares dabei hätte, denn er sah nur bedingt danach aus.

"Natürlich nicht! Fahre mich zum Winterhuder Markt! Da wohnt mein Bruder. Der ist auch Taxi-Fahrer und Unternehmer und wird dich bezahlen. Garantiert!" OK! Irgendwie machte er trotz seiner Aufmachung einen vertrauenswürdigen Eindruck, so daß ich Gas gab. Allerdings konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, warum er derart leicht bekleidet wäre, zumal es draußen recht kühl war (etwa 5 Grad). Und so stellte es sich heraus, daß er bei einer verheirateten Dame gewesen war, von deren Ehegesponst überrascht worden sei und nur die Flucht durch eine verschlossene Glastür ihn vor härteren Dingen gerettet habe. So richtig wie aus einer schlechten Komödie!

Um es zu einem Ende zu bringen: Ich bekam mein Geld ohne Probleme. Aber der wirkliche Witz kam etwa zwei Jahre später. Ich suchte einen neuen Hansa-Unternehmer. In der Nähe des Winterhuder Marktes hatte einer einen Nachtfahrer-Job frei. Besaß einen nagelneuen Audi 100! Ein Traum und damals als Taxe sehr selten! Als ich da so vor ihm saß, meinte er: "Bist du nicht der Fahrer, der mal meinen kleinen Bruder völlig nackt gefahren hatte, ohne groß zu fragen?" Ich nickte und hatte den Job! Der Mann fährt, glaube ich, heute noch einen Audi.

 


 

IN LETZTER MINUTE !

Es muß so vor etwa sieben Jahren gewesen sein. Da bekam ich über Funk etwa gegen 1 Uhr morgens einen Fahrauftrag in Blankenese. Eine junge griechische Frau wollte ins Marien-Krankenhaus gebracht werden, weil sie ein Kind erwartete, dessen Ankunft unmittelbar bevorstehen würde. Mit ihr kam noch ihre etwa 14 jährige kleine Schwester.

So etwa auf dreiviertel der Strecke legt sich die Dame auf die Rückbank und bekommt ihre Wehen! Ich überlege blitzschnell: Was machst du jetzt? Ich hatte keinerlei Erfahrungen mit Geburten in Taxis oder überhaupt. Jedenfalls keine praktischen! Außerdem hatte ich nur eine Mopo und ein Schweizer Messer dabei, was sicherlich nicht unbedingt hilfreich sein würde.

Die Frau fing an, immer lauter zu stöhnen, und ihr Schwesterchen vorne zu zetern. Da ich zu der Überzeugung gelangt war, daß es nun nur noch einen Weg gab, nämlich so schnell wie möglich zum Krankenhaus zu kommen - ein Rettungswagen wäre sicherlich auch nicht mehr rechtzeitig zur Stelle - rief ich die Polizei an, schilderte denen kurz meine Situation und meldete, daß ich so schnell wie möglich fahren würde. Worauf der Bulle trocken meinte: "Aber fahren Sie vorsichtig!" Meinte Antwort. "Was meinen Sie wohl, was ich tun werden? Vor allem in den Kurven!" Gleichzeitig bat ich ihn, doch schon mal das Krankenhaus anzurufen, damit die dort alles vorbereiten würden.

Etwa zehn Minuten später kam ich, immer gaaanz sutsche um die Ecken aber blitzschnell in der Geraden - Spitze etwa 100 km/h - am Eingang des Hospitals an, wo man schon mit einer fahrbaren Trage auf mich wartete. Die junge Dame wurde umgehend in den OP gebracht, während ich mit der kleinen Schwester draußen auf das Geschehen wartete. Und nur etwa 2 Minuten später war sie Mama eines strammen Jungen, und ich war mit knapper Not daran vorbeigekommen, Geburtshelfer in meinem Taxi werden zu müssen. Man Stelle sich mal die Sache hinterher im Innenraum vor! Und außerdem hätte ich dann wohlmöglich noch in der Bild gestanden! Lieber nicht! Aber ich bin anschließend erst einmal einen starken Kaffee trinken gegangen. Den hatte ich echt nötig!

 


 

KURZSTRECKE

Es geschah einmal am Flieger vor dem alten Terminal 1 in Hamburg. Nach etwa zwei Stunden Wartezeit lief eine 'Dame' auf mein Taxi zu, offensichtlich in höchster Eile! Sie warf einen Zampel (für die Außer-Hamburger: Ein Sack) auf den Rücksitz und rief: "Fahr sofort hinter dem Autokraft-Bus her! Der nach Kiel. Den hab ich verpaßt!" - 'Bingo!' tönte es in meinem Hirn, da es doch eine Strecke von immerhin etwa 200 Metern Luftlinie bis zum nächsten Haltepunkt dieses Verkehrsmittels beim damaligen Terminal 2 war.

Kaum hinter dem Bus angekommen, mit 2 Euro 60 auf dem Wecker, wühlte die Kundin in ihrem Portemonnaie, fand einen Zwilling (2 Euronen) und gab ihn mir mit dem Spruch: "Das reicht ja wohl für die kurze Strecke!" Ich aber konnte nur bedingt ihre Meinung teilen und versuchte ihr höflich aber bestimmt klarzumachen, daß ich sie ohne Murren gefahren habe, was meine Pflicht gewesen sei, sie aber müsse nun den mir zustehenden Betrag entrichten, oder aber ihr Gepäck müsse im Wagen bleiben! Außerdem versuchte ich ihr zu verdeutlichen, daß der Bus demnächst abfahren würde, und der nächste Halt in Neumünster sein würde.

Unter großem Gepöbel und einer Reihe recht unfreundlicher Worte wühlte sie noch einmal in ihrer Börse, fand zu ihrem größten Bedauern nur noch einen Euro und warf diesen einmal quer durch den Wagen. Dann sprang sie heraus, riß ihren Büddel vom Rücksitz und verschwand in Richtung Bus, nicht ohne die Tür sperrangelweit offen stehen zu lassen.

Was lernen wir aus dieser Geschichte? Auch Kurztouren müssen gefahren werden! Immer und unter allen Umständen! Keep Smiling!

 


 

SIEMENS

Eines schönen Tages, ich langweilte mich am Berliner Tor, bekam ich die Siemens-Filiale am Lindenplatz eingespielt. 'Bitte beim Pförtner melden'.

Ab durch die Mitte! Stand da schon besagte Ordnungskraft mit einem winzigen Kerlchen, das offensichtlich aus dem süd-ost-asiatischen Raume kam. Leider verstand unser Pförtner dort kein Englisch, und konnte infolgedessen mit diesem Herrn nichts anfangen, der bei ihm in die Empfangshalle materialisiert war. Hoffnung stand in seinen Augen, daß ich dazu vielleicht willens und in der Lage wäre.

Da ich der asiatischen Version des Englischen einigermaßen mächtig bin (war ja schließlich lange Jahre dort), began ich dieses Alien langsam aber zielstrebig auszuquetschen. Es war ziemlich schwierig, aus ihm ein paar verständliche Sätze herauszubringen, aber nach einer Weile ergab sich folgendes schicksalschweres Bild:

Er war ein philippinischer Seemann, kam vom Flughafen und hatte dortens einem Kutscher, der aus dem ganz tief-schwarzen Süden stammte, hoffnungsfroh sein Fahrziel genannt: "To the Seamans Home."

Da war für diesen Fahrer das Fahrziel eindeutig: SIEMENS! Am Lindenplatz! Dort kassierte er damals 42 M'chen (!), setzte den Gast raus und verschwand, in der sicheren Gewißheit, seinen Auftrag perfekt erledigt zu haben.

Etwa 10 Minuten später erreichte er dann sein Ziel: Das Seemannsheim (gehört immerhin zum Prüfungsumfang!) am Krayenkamp, nicht ohne allerdings noch einmal blechen zu müssen.

Ende gut, alles gut!


 

ZUM HAUPTBAHNHOF, BITTE !

Irgendwann, es muß so Anfang der Siebziger gewesen sein, als es auf der Glockengießer Wall-Seite am Hauptbahnhof-Nord noch einen Posten gab, hing ich schläfrig im Sitz meines alten /8ters. Es war so gegen halb drei Uhr morgens.

Plötzlich öffnet jemand hinten die Tür, reißt mich aus meinen süßen Träumen und wuchtet einen schweren Koffer auf die Rückbank. Danach plaziert er sich auf dem Beifahrersitz und brummt, auch nicht gerade im wachsten Zustand: "Zum Hauptbahnhof, bitte!"

Gerade aus den tiefsten Träumen gerissen, muß ich mich auch erst einmal orientieren, wo ich mich eigentlich befinde. Mein Bild-Abgleichsystem sagt mir nach einigen Sekunden, daß wir uns bereits am Ziel der Wünsche meines Gastes befinden.

Trotzdem starte ich den Motor, schalte die Uhr ein (Grundgebühr damals irgendwie etwas bei 1,50 DM), rolle etwa eine halbe Radumdrehung, schalte den Motor wieder aus und stoppe die Uhr. "Wir sind schon da."

Leicht erstaunt schaut er mich an. "Wieso?" "Nun dieses nette Gebäude pflegt unser Hauptbahnhof zu sein."

Er zückt seine Börse. Ich versuche ihm klarzumachen, daß das nur ein Scherz war, aber er reicht mir einen Heiermann (5 DM für die, die das nicht mehr kennen) und meint: "Dummheit muß bestraft werden! Aber trotzdem: Danke!"

Das war die kürzeste bezahlte Fahrt, die ich je unternommen habe.


Falls jemand von euch ähnlich nette Erlebnisse hat, sollte er mir diese per E-Mail schicken, damit ich sie dann hier reinsetzen kann. Natürlich mit Nennung des Autoren, versteht sich!